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Montag, 23.10.2017
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Klimawandel bedroht jede fünfte Pflanzenart

Neue Studie deckt Gewinner und Verlierer der globalen Erwärmung auf

Jede fünfte Pflanzenart in Deutschland könnte bis zum Jahr 2080 größere Teile ihres heutigen Verbreitungsgebietes verlieren. Dies geht aus einer neuen Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams hervor. Als Folge des Klimawandels werden die Vorkommen der Arten neu verteilt. Dies könnte die Vegetation vor allem im Südwesten und im Osten Deutschlands stark verändern.
Fichte

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Die Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des französischen Laboratoire d' Ecologie Alpine haben in ihrer Untersuchung die Verbreitungsgebiete von insgesamt 845 europäischen Pflanzenarten in drei verschiedenen Zukunftsszenarien modelliert und erfasst, wie sie sich in Deutschland verschieben. Ergebnis: Selbst bei moderatem Klimawandel und geringen Veränderungen der Landnutzung sei damit zu rechnen, dass die Flora geschädigt wird, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Biology Letters“.

Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, die Erwärmung auf zwei Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau zu begrenzen, um eine große Biodiversität der pflanzlichen Artengemeinschaft erhalten zu können.

845 Europäische Pflanzenarten untersucht


Die Wissenschaftler um Sven Pompe vom UFZ haben mögliche klimabedingte Änderungen der Verteilung von 845 Europäischen Pflanzenarten ausgewertet. 550 dieser Arten kommen gegenwärtig auch in Deutschland vor. Das Forscherteam, dem auch Franz Badeck vom PIK angehörte, nutzte Klima- und Landnutzungsszenarien bis 2080, denen mögliche Temperaturerhöhungen von 2,2, 2,9 oder 3,8 Grad Celsius zugrunde liegen.


Die Auswirkungen des klimatischen Wandels führen zu lokalen Verlusten in der Flora. Ein genereller Trend ist die Verkleinerung der Verbreitungsgebiete der Pflanzen. Es wandern aber auch Arten aus Mittel- und Südeuropa zu, die bislang nicht in Deutschland vorkommen.

Vor allem Nord-Ost- und Süd-West-Deutschland betroffen


Die Effekte sind lokal unterschiedlich, negative Auswirkungen auf die aktuelle Artenvielfalt sind vor allem in Nord-Ost- und Süd-West-Deutschland absehbar, so die Forscher. Die Effekte in den Simulationen sind umso deutlicher, je größer der Temperaturanstieg ist. Bei einer moderaten Erwärmung von etwa 2,2 Grad Celsius verlieren etwa sieben Prozent der Arten mehr als zwei Drittel ihres aktuellen Verbreitungsgebietes. Bei 2,9 Grad Celsius Erwärmung sind es elf und bei 3,8 Grad Celsius zwanzig Prozent der Arten.

Dass das Ausmaß der Veränderungen überproportional mit der angenommen Temperaturerhöhung wächst, spricht nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler auch unter Gesichtspunkten des Biodiversitätsschutzes für das Zwei-Grad-Stabilisierungsziel der Europäischen Union.

Besonders viele Arten könnten laut der Studie das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie die Tieflandebenen Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsens verlieren. Dagegen rechnen die Forscher damit, dass die Artenzahlen in den Mittelgebirgen Baden-Württembergs, Bayerns, Thüringens und Sachsen durch einwandernde Pflanzen sogar leicht zunehmen könnten. Dies setzt aber voraus, dass diese Arten die Standorte auch erreichen.

Keine Anpassung möglich?


Der Klimawandel könnte aber laut der Studie für die Mehrzahl der Pflanzenarten zu schnell verlaufen, um sich anpassen oder mit der Verschiebung des Verbreitungsgebietes - nordwärts oder in größere Höhenlagen - mit zu wandern.

„Viele Pflanzenarten könnten ihre Nischen zum Beispiel im Gebirge oder in Mooren verlieren“, erklärt Pompe. Zuwandernde Arten aus Südeuropa könnten diese Verluste in den Modellen nicht ausgleichen.

Walnuss

Walnuss

Gewinner und Verlierer


Die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) gehört beispielsweise zu den Verlierern des Klimawandels. Die Änderungen der Umweltbedingungen in den Szenarien führen dazu, dass diese Art aus den tiefen Lagen Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsens lokal verschwindet. Die Echte Walnuss (Juglans regia), ursprünglich von den Römern nördlich der Alpen angesiedelt, würde dagegen mehr Gebiete mit geeigneten Bedingungen finden können und sich bis in den Osten Deutschlands ausbreiten können.
(idw - Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ)/Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), 08.08.2008 - DLO)
 
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