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Donnerstag, 27.07.2017
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Europa erlebte Klimasturz

Windströmungen lösten vor 12.700 Jahren eine schnelle Abkühlung aus

Lange vor den vom Menschen verursachten Veränderungen der Atmosphäre ereignete sich in Westeuropa ein dramatischer Klimaumschwung: In der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ weisen Wissenschaftler jetzt nach, dass vor 12.700 Jahren das Klima innerhalb von nur wenigen Jahren extrem abkühlte.
Sedimente des Meerfelder Maars dienten als Klimaarchiv

Sedimente des Meerfelder Maars dienten als Klimaarchiv

Die Geowissenschaftler Achim Brauer, Peter Dulski und Jörg Negendank vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ), Gerald Haug vom DFG-Leibnizzentrum für Erdoberflächen- und Klimaforschung an der Universität Potsdam und der ETH in Zürich und Daniel Sigman von der Princeton University untersuchten Sediment des Vulkansees Meerfelder Maar in der Eifel. Die hier gefundenen jahreszeitlich geschichteten Ablagerungen ermöglichen es, die Geschwindigkeit von Klimawechseln präzise zu bestimmen.

Mit einer neuartigen Kombination mikroskopischer Untersuchungsmethoden und moderner geochemischer Scanner-Verfahren gelang es den Wissenschaftlern, die klimatischen Bedingungen selbst einzelner Jahreszeiten zu rekonstruieren. Sie wiesen dabei erstmalig einen extrem schnellen Klimawechsel in Westeuropa vor 12.700 Jahren nach. Die Temperaturen sanken dabei innerhalb weniger Jahre deutlich ab. Der Klimaumschwung ereignete sich lange vor den menschlich verursachten Veränderungen der Atmosphäre und steht ursächlich mit einem plötzlichen Umschwung der Windsysteme in Zusammenhang.

Veränderte Windströmungen ausschlaggebend


So waren es vor allem Änderungen der Windstärke und -richtungen im Winterhalbjahr, die das Klima nach einer kurzen instabilen Phase von wenigen Jahrzehnten innerhalb eines Jahres in einen völlig anderen Modus kippen ließen. Bisher ging man davon aus, dass allein Abschwächungen des Golfstroms für starke Abkühlungen in Westeuropa verantwortlich sind. Die untersuchten Binnenseeablagerungen jedoch zeigen, dass die atmosphärische Zirkulation wahrscheinlich in Verbindung mit der Ausbreitung von Meereis eine wichtige Rolle gespielt hat.


Diese neuen Ergebnisse zeigen aber auch, dass das Klimasystem noch lange nicht verstanden ist, und dass besonders die Mechanismen kurzfristiger Umschwünge und der Zeitpunkt ihres Eintretens immer noch Rätsel aufweisen. Feinstgeschichtete Seeablagerungen stellen besonders geeignete geologische Archive dar, mit denen die Wissenschaftler der Sprunghaftigkeit des Klimas auf die Spur kommen wollen.
(Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, 04.08.2008 - NPO)
 
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