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Mittwoch, 29.06.2016
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Austrocknende Feuchtgebiete als Treibhausgas-Schleudern

Experten befürchten massive Freisetzung von CO2 und Methan

Die Feuchtgebiete der Erde schrumpfen dramatisch. Das jedoch hat nicht nur für die Natur, sondern auch für das Klima fatale Folgen, denn die zunehmende Austrocknung setzt große Mengen an zuvor gespeichertem Treibhausgasen frei. Wie sich dies verhindern lässt ist nur eines der Themen der rund 700 internationalen Experten, die sich noch bis zu 25. Juli auf der achten UN-Feuchtgebietskonferenz im brasilianischen Cuiaba aufhalten.
Feuchtgebiet in den USA

Feuchtgebiet in den USA

Feuchtgebiete bedecken nur sechs Prozent der Erdoberfläche, aber speichern zehn bis 20 Prozent des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs. In Mooren, Flussdeltas, Mangrovenwäldern oder Auen geht die Zersetzung organischen Materials nur sehr langsam vonstatten, daher wird der in ihm enthaltene Kohlenstoff lange eingeschlossen und nur langsam freigesetzt. Damit wirken diese Gebiete als Puffer im globalen Kohlenstoffkreislauf.

Geschätzte 771 Gigatonnen Treibhausgase, darunter sowohl CO2 als auch das sehr viel stärker wirksame Methan, enthalten die weltweiten Feuchtgebiete nach Schätzungen der Wissenschaftler. Diese Menge – in CO2-Äquivalenten ausgedrückt - entspricht in etwa dem gesamten Kohlenstoffgehalt der heutigen Atmosphäre.

Rapides Schrumpfen der Feuchtgebiete


Doch 60 Prozent aller Feuchtgebiete weltweit – in Europa sogar bis zu 90 Prozent - sind in den letzen hundert Jahren zerstört worden. Vorwiegend wurden die Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert, aber auch Verschmutzung, der Bau von Dämmen und Kanälen, die Entnahme von Grundwasser sowie die Ausdehnung der Städte und der Torfabbau forderten ihren Tribut.


Auch die im Rahmen des Klimawandels steigenden Temperaturen weltweit beschleunigen einerseits die Raten, mit der sich organisches Material zersetzt und mit denen CO2 freigesetzt wird. Andererseits steigen auch die Verdunstungsraten und damit die Austrockungsgefahr der ohnehin durch geringere Niederschläge vielerorts gefährdeten Feuchtgebiete.

„In vielen Gebieten der Erde braucht die Menschheit einen Weckruf um die lebenswichtigen Funktionen für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu würdigen, die Feuchtgebiete leisten. Sie absorbieren und speichern Kohlenstoff, puffern Wasserstände ab, unterstützen die Artenvielfalt und vieles mehr“, erklärt Paulo Teixeira, einer der Leiter der Konferenz und Koordinator des regionalen Umweltprogramms am Pantanal.

Verstärkte Freisetzung von Treibhausgasen


Wenn die Abnahme der Feuchtgebiete durch menschlichen und klimabedingten Einfluss weiter anhält, fürchten Wissenschaftler die erhöhte Freisetzung von Kohlenstoff aus diesen Senken und damit eine deutliche Verstärkung der globalen Erwärmung. Allein die Trockenlegung tropischer Sumpfwälder entlässt jedes Jahr 40 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar in die Atmosphäre. Trockengelegte Torfmoore immerhin noch 2,5 bis zehn Tonnen pro Hektar und Jahr.

Feuchtgebietserhaltung als Klimaschutz


Nach Ansicht der Experten ist daher der Schutz von Feuchtgebieten nicht nur um ihrer selbst wichtig, sondern stellt auch einen wichtigen Faktor im Klimaschutz dar. Effizienter Schutz der Feuchtgebiete erfordere allerdings ein komplexe, langfristige Managementpläne, die die gesamten Einzugsgebiete erfassen und daher häufig auch binational sein müssen. Die entsprechenden Verträge müssten darüberhinaus auch Aktivitäten beinhalten, die die Feuchtgebiete indirekt beeinflussen, wie die Wasser- und Landnutzung, die Entwicklung, die Müllbehandlung und –entsorgung sowie die generelle Naturschutzgesetzgebung.

„Eine Verringerung des Drucks auf die Feuchtgebiete durch Verschmutzung und andere menschliche Einwirkungen würde ihre Widerstandskraft erhöhen und damit eine wichtige Anpassungsstrategie an den Klimawandel darstellen“, erklärt Wolfgang Junk, Professor am Max-Planck Institut für Limnologie. „Die Wiederherstellung von Feuchtgebieten repräsentiert auch eine machbare Alternative zu künstlichem Hochwasserschutz und Baumaßnahme die benötigt werden, um beispielsweise stärker und häufigere Hochwässer zu kontrollieren, wie sie für eine wärmere Welt vorhergesagt sind.“
(United Nations University, 23.07.2008 - NPO)