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Donnerstag, 26.05.2016
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Keine „Explosion“ der Artenvielfalt

Lehrmeinung von der kontinuierlichen Zunahme der Biodiversität widerlegt

Eine neue Studie in der Fachzeitschrift “Science” widerspricht der bisher gängigen Annahme, dass die Artenvielfalt im Meer im Laufe der Erdgeschichte kontinuierlich gewachsen ist. Stattdessen erreichte die Biodiversität bereits kurz nach der Entstehung der Großgruppen des Tierreichs ein Niveau, das dem heutigen sehr ähnlich ist.
fossiler Ammonit

fossiler Ammonit

„Seit vielen Jahrzehnten ist die gängige Lehrmeinung, dass sich die Artenvielfalt seit der Entstehung der Großgruppen der modernen Tiere vor rund 545 Millionen Jahren um das rund Vierfache erhöht hat“, erklärt Thomas D. Olszewski, Professor für Geologie und Geophysik der Texas A&M Universität. Ein besonders starker Anstieg der Biodiversität soll sich zwischen 145 und 60 Millionen Jahren ereignet haben. Viele Paläontologen allerdings haben genau das inzwischen angezweifelt, da diese Theorie zum Teil auf alten Methoden beruht, die umfassende Veränderungen in der Geografie der Erde wie beispielsweise die Plattentektonik oder Klimaumschwünge nicht mit einbeziehen.

Um hier Klarheit zu schaffen, haben Forscher aus den USA, Deutschland, Frankreich und der Slowakei in den letzten zehn Jahren prähistorische Daten neu ausgewertet und interpretiert. Dabei nutzen sie eine neue Methode der Analyse, um fast 3,5 Millionen Fossilfunde mariner Organismen aus der ganzen Welt zu erfassen und ihre räumliche und zeitliche Verteilung zu analysieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Artenvielfalt sich in den letzen rund 500 Millionen Jahren weit weniger dramatisch erhöht als zuvor angenommen. „Schon wenige Millionen Jahre nach dem Auftauchen der modernen Tiergruppen erreichte die Biodiversität ein Niveau, das dem heutigen vergleichbar ist“, so Olszewski.


Und auch die für die heutige Zeit typische Verteilung der Artenvielfalt – geringe Diversität an den Polen und hohe in den Tropen – bildete sich offenbar bereits vor 450 Millionen Jahren heraus. Durch die hohe Datenmenge gelang es Forschern, diesen Trend auch für lokale Ökosysteme im Meer zu bestätigen. Die marinen Lebensgemeinschaften haben sich demnach nach ihrer Entstehung nur sehr wenig verändert.

Diese Erkenntnisse sind jedoch keineswegs nur für Paläontologen relevant, sondern auch für die Gegenwart und Zukunft der irdischen Ökosysteme: „Wenn sich die klimatischen Bedingungen ändern, entweder natürlicherweise oder durch den Menschen verursacht, reagiert das Leben darauf“, erklärt Olszewski. „wenn wir verstehen, wie das Leben unter anderen Bedingungen ablief, kann uns das helfen, uns auf die Konsequenzen des bereits begonnenen Wandels einzustellen.“
(Texas A&M University, 09.07.2008 - NPO)