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Mittwoch, 29.06.2016
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Frosch verwandelt Zehenknochen in ausfahrbare Krallen

Scharfe Knochenspitzen durchbohren Fußhaut von innen

Frösche gelten gemeinhin nicht gerade als sehr wehrhaft. Doch es gibt Ausnahmen: Einige afrikanische Froscharten können extrem scharfe Krallen ausfahren, wenn sie bedroht werden. Dafür durchbohren sie mit spitzen Zehenknochen ihre Haut von innen und schlagen damit selbst Fressfeinde in die Flucht.
Astrylosternus rheophilus

Astrylosternus rheophilus

David C. Blackburn, Biologe von der Harvard Universität, der gemeinsam mit seinen Kollegen James Hanken und Farish A. Jenkins, Jr. die jetzt in der Fachzeitschrift „Biology Letters“ veröffentlichte Studie durchführte, stieß bei einer Felduntersuchungen in Kamerun zum ersten Mal auf einen Frosch der besonders seltsamen Art. Als er das kauernde, faustgroße Tier aufhob, begann es heftig mit den Hinterbeinen zu treten und kratzte seine Hand blutig.

Knochen durchbohren Haut von innen


Die Einheimischen in Kamerun, bei denen diese Frösche eine beliebte Nahrung bilden, sind sich der Wehrhaftigkeit der Tiere sehr bewusst. „Kamerunische Jäger nutzen lange Speere oder Macheten, damit sie die Frösche nicht direkt anfassen müssen“, so Blackburn. Aber was hatte es mit dieser seltsamen Krallenwaffe auf sich? Bei näherem Hinsehen entdeckte der Biologe scharfe Vorsprünge an den Hinterfüßen, die durch die Froschhaut zu dringen schienen.

„Es ist schon überraschend genug, einen Frosch mit Krallen zu finden”, erklärt Blackburn. „Die Tatsache, dass diese Krallen funktionieren, indem sie durch die Haut des Froschfußes schneiden, ist noch erstaunlicher. Das sind die einzigen Wirbeltierkrallen, die sich ihren Weg zur Funktionalität erst erbohren. Die meisten Wirbeltiere schaffen es besser, ihr Skelett im Inneren zu lassen.“


Knochenknubbel als Schutz


Zurück in den USA untersuchte Blackburn Museumsexemplare von 63 afrikanischen Froscharten, um herauszufinden, wie genau die Krallen funktionieren und bei welchen Arten sie vorkommen. Bei immerhin elf Arten aus Zentralafrika wurde er fündig. Bei ihnen waren die Knochen am Ende der Zehen besonders spitz und leicht gebogen. An ihrer Spitze wiederum befand sich ein rundlicher Knubbel aus Knochen, der durch eine kollagenreiche Scheide mit dem Rest des Zehenknochens verbunden war.

„Diese Knubbel sind auch mit der umgebenden Haut durch ein dichtes Netzwerk aus Kollagen verbunden“, erklärt Blackburn. „Es scheint, als wenn sie die Haut relativ zu den krallenähnlichen Zehenknochen in Position halten. Wenn der Frosch dann einen bestimmten Muskel im Fuß anspannt, trennt sich der scharfe Knochen vom schützenden Knubbel und sticht durch die Haut.“

Kralleneinsatz mit Schmerzen


Der herausschiebende Knochen unterscheidet sich deutlich von einer normalen Kralle: Er besteht aus reinem Knochenmaterial, ihm fehlt die Keratinscheide, die normalerweise Wirbeltierkrallen umhüllt. Und im Gegensatz zu beispielsweise Katzenkrallen, die in eine spezielle Struktur im Tierfuß zurückgezogen werden können, ist der Zehenbereich beim Frosch einfach nur durch normale Haut bedeckt.

Als nächsten Schritt wollen Blackburn und seine Kollegen lebende Exemplare der Tiere vor Ort beobachten, unter anderem um herauszufinden, ob das Zurückziehen der Krallen bei ihnen ein aktiver oder ein passiver Prozess ist. Noch ist auch nicht klar, ob und wie sich die Haut wieder regeneriert, nachdem sie von innen durchbohrt worden ist. „Wir vermuten, dass der Frosch eine ziemlich traumatische Wunde bekommt“, so Blackburn. „Wahrscheinlich nutzt er diese Krallen daher nur selten und nur, wenn er wirklich bedroht ist.“
(Harvard University, 24.06.2008 - NPO)