• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 26.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Riesen-Beutler: Männchen waren groß aber einsam

Rätsel des größten vorzeitlichen Beuteltiers gelöst

Diprotodon war das größte Beuteltier, das jemals existierte – und eines der rätselhaftesten. Jetzt hat ein australischer Forscher zumindest einige Geheimnisse des vorzeitlichen Riesen gelüftet. Er entdeckte unter anderem, dass es von Diprotodon nicht acht, sondern nur eine Art gab. Außerdem waren die Männchen deutlich größer als die Weibchen, dafür aber eher Einzelgänger.
Relikte des Riesenbeutlers

Relikte des Riesenbeutlers

Diprotodon war ein wahrer Riese: Das Wombat-ähnliche Beuteltier wog 2,5 Tonnen und war 3,50 Meter lang. Mit 1,80 Metern Höhe hätte er locker einem erwachsenen Mann auf Augenhöhe ins Gesicht sehen können. Mit diesen Ausmaßen war es nicht nur zu seiner Lebenszeit, vor rund 100.00 Jahren, ein Gigant, es ist bis heute auch das größte jemals lebende Beuteltier. Doch so groß das Tier auch war, so wenig wusste man bisher darüber.

Nur eine Art


Doch Gilbert Price, ein Wissenschaftler am Microscopy & Microanalysis Center der Universität von Queensland, ist nun der Sache auf den Grund gegangen und hat die bisher gefundenen Relikte des Riesenbeutlers noch einmal genau untersucht. Aus seinen Daten konnte er direkt die erste bisherige Annahme über das Tier entkräften:

„Bisher dachte man, dass es bis zu acht unterschiedliche Arten von Diprotodon gegeben hat“, erklärt Price. „Aber meine Forschung demonstriert, dass es in ganz Australien nur eine einzige Art gab. Obwohl die Tiere von King Island im Süden bis zum Norden Queenslands, von Westaustralien bis zur Ostküste verbreitet waren, gehören sie alle der gleichen Art an.“


Extreme Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern


Die vorherige Annahme ist allerdings leicht erklärlich, denn immer wieder wurden Diprotodonskelette in zwei deutlich voneinander verschiedenen Größen gefunden: groß und extragroß. „Das Problem wurde noch verschärft dadurch, dass viele Beschreibungen auf unvollständigen Fossilien beruhten“, so Price. „Das führte mich zu der Annahme, dass Diprotodon in Größe und Form extrem variabel gewesen sein musste.“

Seine ausführlichen Analysen der in Museen weltweit aufbewahrten Fossilien wiesen jedoch eindeutig so viele Ähnlichkeiten auf, dass es sich immer um eine Art handeln musste. Die Größenunterschiede waren seiner Ansicht nach geschlechtsspezifisch. „Ähnlich wie einige moderne Tierarten waren die beiden Geschlechter sehr unterschiedlich groß“, erklärt Price. „Hier war es nur sehr extrem, die Weibchen waren nur zwei Drittel so groß wie die Männchen.“

Männchen als Einzelgänger


Aber die Studie des Paläontologen brachte auch neue Einblicke in die Lebensweise des Diprotodon. „Die meisten lebenden Beuteltiere und Großsäuger, die starke geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen, haben Vielweibchen-Sozialsysteme“, so der Forscher. Das heißt, dass die Weibchen und ihr Nachwuchs Gruppen bilden, zu denen die Männchen nur zeitweise oder einzeln dazu stoßen. „Die Männchen neigen dazu, eher die Einzelgänger in diesen Populationen zu sein. Es ist relativ wahrscheinlich, dass auch Diprotodon eine ähnliche Fortpflanzungsstrategie lebte”, erklärt Price.

Hinweise darauf finden sich auch in der Verteilung der Geschlechter in den Fossilienfunden: Die meisten Fundstellen bestanden fast nur aus kleineren weiblichen Skeletten. „Die Fossil-Lage deutet auch auf eine Geschlechtertrennung hin, die Männchen machten wahrscheinlich immer ihr eigenes Ding.“

Wann genau und warum Diprotodon und andere Vertreter der australischen Megafauna des Pleistozäns ausstarben, darunter gigantische Laufvögel und Kängurus von zweieinhalb Metern Größe, darüber rätseln die Forscher noch immer. „Viele Wissenschaftler geben sich damit zufrieden, dass ein natürlicher Klimawandel oder die ersten menschlichen Einwanderer in den letzen 50.000 Jahren zum Niedergang der Riesen geführt hat“, so Price. „Aber realistischerweise brauchen wir mehr Daten – mehr Fossilien und mehr Daten – bevor wir Schlussfolgerungen über den Prozess des Aussterbens der Megafauna ziehen können.“
(University of Queensland, 18.06.2008 - NPO)
 
Printer IconShare Icon