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Donnerstag, 30.06.2016
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Ozeane schuld an Massenaussterben?

Vorrücken und Rückzug der Meere als gemeinsame Triebkraft des Artensterbens

Aus dem Himmel stürzende Meteoriten, Supervulkane, Klimaumbrüche – sie alle gelten als Ursachen für Massenaussterben im Laufe der Erdgeschichte. Doch jetzt hat eine in „Nature“ veröffentlichte Studie ein ganz anderes Naturphänomen als neuen Schuldigen ausgemacht: den Meeresspiegel. Er soll den gemeinsamen Nenner der „großen Fünf“, der Massenaussterben der letzten 540 Millionen Jahre bilden.
Kämpfende Dinosaurier

Kämpfende Dinosaurier

Seit der Entstehung des Lebens vor rund 3,5 Milliarden Jahren gab es nach Schätzungen von Wissenschaftler rund 23 Massenaussterben, die meisten davon betrafen allerdings die einfachen, einzelligen Lebensformen der Anfangszeit. Doch auch in den letzten 540 Millionen Jahren gab es immer wieder Perioden, in denen ein Großteil der Organismen von der Erde verschwanden, fünf davon werden als die „großen Massenaussterben“ gewertet. 75 bis 95 Prozent aller Arten starben bei ihnen aus.

Was aber löste diese dramatischen Ereignisse aus? Einzig für das Aussterben am Ende der Kreidezeit, das vor 65 Millionen Jahren auch die Dinosaurier vernichtete, gilt inzwischen ein Einschlag eines Asteroiden als relativ wahrscheinliche Ursache. Für alle anderen Massensterben jedoch tappen die Forscher bisher im Dunkeln. „Die meisten anderen Meteoriteneinschläge passen zeitlich nicht zu den Aussterbeereignissen“, so Peters. „Und es gab zwar auch Studien zum Vulkanismus, aber nur einige Ausbrüche korrespondieren zu Massenaussterben, viele andere nicht.“

Meeresausdehnung entscheidend


Peters und ihre Kollegen untersuchten zwei Typen von vorzeitlichen marinen Schelfbiotopen, die in den Sedimenten konserviert worden waren. Eines, in dem die Ablagerungen vorwiegend aus Erosionsprozessen an Land stammen und ein zweites, das primär aus den Kalziumkarbonat-Ablagerungen von Meeresorganismen entstanden. Sie stellten fest, dass die Ausdehnung der Meeresgebiete und die Zusammensetzung der Lebenswelt eng miteinander verknüpft zu sein scheinen.


Im Laufe der Erdgeschichte haben sich die Meere der Erde mehrfach ausgedehnt und zurückgezogen, getrieben von der Bewegung der Erdplatten und dem sich verändernden Klima. In einigen Perioden, wie beispielsweise zur Zeit der Dinosaurier, waren die Kontinente von großflächigen Flachmeeren bedeckt, in denen Haie und Mosasaurier ihr Unwesen trieben. Als diese epikontinentalen Meere sich zurückzogen, verschwand auch ein Großteil ihrer Bewohner mit ihnen. Gleichzeitig veränderte sich auch die Lebenswelt der küstennahen Schelfgebiete

„Das Ausdehnen und Zurückziehen dieser Meeresumwelten hat ziemlich grundlegende Auswirkungen auf das Leben auf der Erde“, erklärt Shanan Peters, Professor für Geologie und Geophysik an der Universität von Wisconsin-Madison und Autorin der Studie. Ihrer Ansicht nach wirkt ein Wandel der Meeresumwelten durch Meeresspiegelveränderungen als treibende Kraft für Aussterberaten, beeinflusst, welche Tier- und Pflanzenarten verschwinden oder überleben und bestimmt allgemein die Zusammensetzung des Lebens in den Ozeanen.

Gemeinsamer Nenner für alle Massenaussterben?


Die neuen Erkenntnisse schließen jedoch keineswegs andere Ursache wie Meteoriteneinschläge, Vulkanausbrüche oder biologische Gründe aus, betont Peters. Aber sie geben den verschiedenen Massenaussterben einen gemeinsamen Nenner. „Die großen Massenaussterben wurden bisher eher isoliert voneinander untersucht“, so der Forscher. „Unsere Arbeit verbindet sie und kleinere Ereignisse durch einen gemeinsamen Mechanismus und verrät uns auch etwas darüber, wer bestimmte Schwellenwerte überlebt und wer nicht.“

Spannend ist dies vor allem deshalb, weil es bedeuten könnte, dass ein großer Teil des Aussterbens durch nur einen, gemeinsamen Umweltparameter kontrolliert wird.
(University of Wisconsin-Madison, 16.06.2008 - NPO)