Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Mittwoch, 17.03.2010
Neue Hoffnung im Kampf gegen Alzheimer
Forscher klären Regulationsmechanismen von Sekretasemodulatoren auf
Ein internationales Wissenschaftlerteam hat neue Forschungsergebnisse vorgestellt, die insbesondere für die Alzheimer-Therapie von großer Bedeutung sein könnten. Ihnen ist es gelungen, die Regulationsmechanismen so genannter Sekretasemodulatoren aufzuklären, die die Produktion der im Gehirn von Alzheimer-Patienten im Krankheitsverlauf abgelagerten Peptide verringern.

Gesundes (links) und durch Alzheimer geschrumpftes Gehirn
Gesundes (links) und durch Alzheimer geschrumpftes Gehirn
© NIH
Die Forscher um Professor Dr. Boris Schmidt und Dr. Rajeshwar Narlawar von der TU Darmstadt berichten zusammen mit Forscherkollegen von der Mayo Clinic, der Harvard Medical School und drei weiteren Universitäten in der aktuellen Ausgabe von „Nature“ über ihre Ergebnisse.

Falsche Spaltung eines Proteins
Die so genannten Amyloid beta-Peptide bilden sich durch die falsche Spaltung eines Proteins (APP, Amyloid Precursor Protein), das durch mehrere Enzyme - so genannte Sekretasen (alpha, beta, gamma)- in kleinere Bruchstücke geschnitten wird. Der Schnitt der gamma-Sekretase führt schließlich zur Freisetzung von Amyloid beta-Peptiden unterschiedlicher Länge, unter anderem das aus 42 Aminosäuren bestehende Peptid Abeta42, das als besonders krankheitsfördernd gilt.

In gemeinsamen Experimenten mit Thomas Kukar und Todd E. Golde von der Mayo Clinic/Florida konnten die Darmstädter Forscher die Bindungsstelle und damit die Wirkweise von Tarenflurbil, einem Abeta42-senkenden gamma-Sekretasemodulator sowie von Fenofibrat, einem Abeta42-erhöhenden gamma-Sekretasemodulator, identifizieren.

Dabei zeigte sich, dass diese Substanzen nicht wie bisher angenommen direkt an das Enzym binden, sondern an das Substrat, also an APP bzw. Abeta. Diese ungewöhnliche Substratanbindung verändert schließlich das Schnittmuster des Enzyms und führt zu einer veränderten Freisetzung von Abeta42.

Wirkstoffe sollten wasserunlöslich sein
Dieses Ergebnis könnte nach Angaben der Wissenschaftler nicht nur für die Alzheimer-Therapie von großer Bedeutung sein, sondern für alle biochemischen Prozesse, bei denen in der Membran schneidende Proteasen beteiligt sind.

Eine überraschende Erkenntnis aus der Sicht der Medizinischen Chemie ist zudem, dass die Wirkstoffe eher wasserunlöslich sein sollten, was jedoch eine Verabreichung in Tablettenform erschwert.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Alzheimer, Demenz, Plaques, Peptide, Medikamente, Tabletten, Gehirn, Nervenzellen
Weitere News zum Thema
Noradrenalin hemmt Alzheimer-Fortschritt (16.03.2010)
Entzündungshemmende und Plaque-abbauende Wirkung im Tierversuch belegt
Atomare Struktur von Alzheimer-Protein enthüllt (11.03.2010)
APP mehr als nur ein Nervtöter
Zelle: Endozytose ist Teamwork aus 4.000 Genen (02.03.2010)
Neuartige Methodenkombination entschlüsselt Regulation des zellulären Stofftransports
Multiple Sklerose: Neue Methode verbessert Diagnose (10.02.2010)
Untersuchungsverfahren deckt auch Schädigungen in der grauen Substanz auf
Stammzellen: Rettung durch Kommunikation (03.02.2010)
Signalkanäle zu kranken Hirnzellen bewahren diese vor dem Tod
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Gliazellen
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
Rätsel Hirnschwund
Auf der Suche nach den Ursachen von Alzheimer und Parkinson
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Molekulare Motoren
Protein-„Maschinen“ als Triebfeder des Lebens
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Elektrische Synapsen
„Aschenputtel“ unter den Zellkontakten
Der Kitt denkt mit
Geheimnisvolle Gliazellen im Gehirn
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Teamwork der Sinne
Auch die Augen hören mit
Altern mit Köpfchen
Wie der Geist lange fit bleibt
„Der kleine Unterschied“ im menschlichen Gehirn
Wie Östrogen und Co. die kognitiven Leistungen beeinflussen
News des Tages
Genetische Verarmung schuld am Tod der Mammuts?
Antarktis: Wilkins-Schelfeis vor dem Kollaps
Gehirn-Tsunamis auch beim Menschen
Molekülzwerge verhindern Zellwanderung
Neue Hoffnung im Kampf gegen Alzheimer
Schimmelpilze: Dunkelheit fördert Sex und Giftproduktion
Bücher zum Thema
Medizin für das Gehirn
Hrsg. Spektrum der Wissenschaft
Was treibt das Leben an?
Eine Reise in den Mikrokosmus der Zelle von Stephan Berry
Der Beobachter im Gehirn
Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer
Gott-Gen und Großmutter neuron
Geschichten von Gehirnforschung und Gesellschaft von Manfred Spitzer
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Descartes' Irrtum
Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn von Antonio R. Damasio
Tabletten, Tropfen und Tinkturen
Medizin im Alltag von Cornelia Bartels, Heike Göllner und Jan Koolman
Top-Clicks der Woche
1. Neue Belege für “Schneeball Erde”
2. Galaxien-Explosion stoppte junges Universum
3. Einsteins Relativitätstheorie auf kosmologischen Distanzen bestätigt
4. Gehirn liebt keine Überraschungen
5. Schlafende Sonne kein Klimaretter