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Mittwoch, 27.07.2016
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Globalisierung schon zur Eisenzeit?

Grabstätte eines arabischen Einwanderers deutet auf ausgedehnte Handelsbeziehungen hin

Auslandsreisen und kontinentweite Handelsbeziehungen sind keineswegs eine Erfindung der Neuzeit: Die DNA eines Arabers in einem eisenzeitlichen Grabhügel deutet darauf hin, dass auch die Skandinavier vor 2.000 Jahren schon in häufigem Kontakt mit dem „Rest der Welt“ standen. Neue Analysen haben die Mär von der genetisch und kulturell reinen „Herrenrasse“ nun widerlegt.
„Grauballenmann“

„Grauballenmann“

Im südlichen Teil der dänischen Insel Seeland liegen zwei bekannte eisenzeitliche Grabstätten, Bøgebjerggård und Skovgaarde. Beide gehen auf die Zeit vor 2.000 bis 1.600 Jahren zurück. Wissenschaftler der Universität von Kopenhagen um Linea Melchior haben nun 18 der dort begrabenen Leichen genetisch analysiert und dabei überraschende Entdeckungen gemacht.

Die mitochondriale DNA der historischen Leichen, Erbsubstanz, die ausschließlich über die mütterliche Linie weitervererbt wird, war erheblich variantenreicher als gedacht. Ihre genetische Diversität glich eher der, die man aus unserem modernen Zeitalter der Globalisierung und Mobilität erwarten würde. Auch in weiteren Gräbern bestätigte sich dieser Eindruck. „Keines der Individuen scheint mütterlicherseits miteinander verwandt zu sein“, erklärt Melchior. „Wir konnten keine großen Familien nahe beieinander in einer Grabstätte finden. Das deutet darauf hin, dass die Menschen auch in der dänischen Eisenzeit nicht unbedingt im Dorf ihrer Geburt blieben bis sie starben, wie wir es zuvor angenommen haben.“

Keine isolierte „Herrenrasse“


Ungewöhnlich war auch die Entdeckung eines Mannes, dessen genetische Ausstattung auf eine Herkunft aus dem arabischen Raum hindeutet. Unter anderem wegen solcher Funde gehen Archäologen und Anthropologen heute davon aus, dass die Skandinavier keineswegs ein genetisch und kulturell isoliertes Volk waren, wie gerne auch in früheren Vorstellungen einer „skandinavischen Rasse“ postuliert.


„Wenn man sich die geographische Position Dänemarks ansieht, wird es klar, dass die Dänen mit anderen Völkern in Kontakt gewesen sein müssen”, erklärt Linea Melchior. „Wir wissen von anderen archäologischen Ausgrabungen, dass es eine ganze Menge Handel und Austausch von Gütern zwischen Dänemark und anderen Teilen Skandinaviens und Europa gegeben hat.” Das jetzt entdeckte Grab des Arabers deutet darauf hin, dass sich diese Kommunikationslinien noch weiter südlich erstreckt haben müssen, als bisher angenommen.

Entlaufener römischer Legionär oder Sklave?


Zu Beginn der Eisenzeit in Dänemark, waren die römischen Legionen bis zum Fluss Elbe nach Norden vorgedrungen. Möglicherweise war der Mann arabischer Herkunft ursprünglich ein römischer Sklave oder Soldat gewesen, der sich den Dänen angeschlossen hat und wegen bestimmter Fertigkeiten oder Erfahrungen von den Dänen aufgenommen wurde. Oder aber er stammte von einer Frau arabischen Ursprungs ab, die es aus unbekannten Gründen so weit nach Norden verschlagen hatte.

“Das ist vergleichbar dem Fund eines meiner Kollegen, der eine Person sibirischen Ursprungs in Kongemark entdeckte“, so Melchior. Auch der Sibirier war mit allen Ehren in heiligem Grund bestattet worden ähnlich seinen einheimischen Zeitgenossen. Für die Wissenschaftler ist dies ein Hinweis darauf, dass sowohl der Araber als auch der Sibirier voll in die Gemeinschaft integriert gewesen sein müssen.
(Universität von Kopenhagen, 11.06.2008 - NPO)