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Samstag, 23.09.2017
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Rosenkohl schützt vor Grill-Giften

Noch unbekannte Komponente macht krebserregende Stoffe unschädlich

Wer die Grillsaison genießen möchte, ohne sich Sorgen um seine Gesundheit zu machen, sollte Rosenkohl essen – am besten täglich. Das jedenfalls ist das Fazit einer Studie, in der Forscher feststellten, dass der Verzehr von Rosenkohl weiße Blutkörperchen vor Zellschäden durch oxidative Substanzen und Amine schützt. Offenbar beeinflusst der Kohlverzehr den so genannten „Entgiftungsstoffwechsel“ und neutralisiert dadurch zumindest einen Teil der schädlichen Grillnebenprodukte.
Rosenkohl

Rosenkohl

Dass Kohlgemüse möglicherweise eine schützende Wirkung entfalten kann, haben bereits mehrere Studien gezeigt. Sie deuten auf einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Kohl und einem verminderten Risiko für einige Krebserkrankungen in Lunge, Magen und Dickdarm hin. Um die Wirkung des Rosenkohlverzehrs auf den menschlichen Organismus genauer zu untersuchen und um zur Aufklärung der Schutzmechanismen beizutragen, führte jetzt ein europäisches Forschungsteam eine Studie mit acht gesunden Probanden durch.

Eine Woche täglich Rosenkohl


Die Studienteilnehmer verzehrten täglich, über einen Zeitraum von sechs Tagen, 300 Gramm gegarten Rosenkohl. Zu Beginn und am Ende der Studie entnahmen die Wissenschaftler den Probanden Blutproben, die sie analysierten. Zusätzliche Informationen über die zugrunde liegenden Schutzmechanismen erhielten die Wissenschaftler durch molekularbiologische Untersuchungen und
Zellkulturexperimente.

„Unsere Daten zeigen nicht nur, dass ein täglicher Verzehr von Rosenkohl Menschen vor Zellschäden durch Amine und reaktive Sauerstoffformen schützen kann, sie geben auch erste Hinweise darauf, wie der Mechanismus funktionieren könnte", erklärt der Wiener Krebsforscher und Leiter der Studie, Siegfried Knasmüller.


Enzym schaltet Schadstoffe an


Menschliche Darm-, Leber- und auch Blutzellen enthalten bestimmte Enzyme (Sulfotransferasen), die am so genannten "Entgiftungsstoffwechsel" beteiligt sind. Ihre Funktion besteht darin, Fremdstoffe, die zum Beispiel mit der Nahrung in den Organismus gelangen, chemisch so zu verändern, dass sie
leichter aus dem Körper ausgeschieden werden können. Einige der Fremdstoffe, wie das Amin PhIP, werden durch diese Veränderung jedoch aktiviert statt unschädlich gemacht. Das heißt, das wenig reaktive Amin wird durch ein körpereigenes Enzym in ein stark reaktives Stoffwechselprodukt umgewandelt, welches das Erbgut der Zellen schädigt und so Krebs auslösen kann.

"Wir konnten erstmalig zeigen, dass der Verzehr von Rosenkohl Blutzellen veranlasst, entweder weniger Sulfotransferasen zu bilden oder diese Enzyme schneller abzubauen. Hierdurch entstehen vermutlich weniger hoch-reaktive Stoffwechselprodukte aus Aminen, was den Schutzeffekt erklären könnte", sagt Hans-Rudolf Glatt, Ernährungstoxikologe am DIfE.

Noch unbekannte Rosenkohlkomponente schaltet Enzym aus


Welche Substanzen im Rosenkohl für den Effekt verantwortlich sind, könne man noch nicht sagen, man arbeite aber an deren Identifizierung. Ebenso sei unbekannt, welche physiologische Funktion mit der Veränderung des Entgiftungssystems verbunden ist. Eventuell werden aufgrund der Veränderung natürliche, möglicherweise schädliche Inhaltsstoffe des Kohls besser verstoffwechselt.

Zukünftig wollen die Forscher klären, warum und wie der Rosenkohlverzehr auch vor dem Angriff oxidativer Substanzen schützt. Bereits bekannte Schutzmechanismen können die Befunde nicht erklären. So blieb nach dem Rosenkohlverzehr die Aktivität von antioxidativen Enzymen unverändert. Auch dürfte der relativ hohe Vitamin C-Gehalt des Rosenkohls nicht der entscheidende Schutzfaktor gewesen sein, da kein Zusammenhang zwischen der Vitamin C-Konzentration im Blut und der Empfindlichkeit der Blutzellen für oxidative Schäden festzustellen war. Da die Studie auf Ergebnissen weniger Probanden basiert, planen die Wissenschaftler weitere Untersuchungen mit größeren Probandenkollektiven und einem erweiterten Studiendesign.
(Deutsches Institut für Ernährungsforschung , 28.05.2008 - NPO)
 
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