• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 29.07.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Starkbeben triggern Erdstöße am anderen Ende der Welt

Oberflächenwellen lösen kleinere Erdbeben auch sehr weit entfernt aus

Bis vor kurzem glaubte niemand, dass ein schweres Erdbeben selbst auf der anderen Seite der Erde Erschütterungen auslösen kann. Doch jetzt wurden die Seismologen eines besseren belehrt: eine in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ veröffentlichte Studie weist nach, dass große Beben routinemäßig als Auslöser für kleinere Erdstöße weltweit dienen – und dies selbst in Gebieten, die eigentlich nicht als erdbebengefährdet gelten.
Erdbeben

Erdbeben

Nach einem Erdbeben der Magnitude 7 und höher sind Nachbeben in der unmittelbaren Umgebung die Regel. Aber in den letzten Jahren häuften sich die Hinweise darauf, dass kurz nach einem Starkbeben auch in ganz anderen, scheinbar viel zu weit entfernten Regionen der Erde plötzlich und unerwartet Erdstöße auftraten. Bloßer Zufall? Eine rein zeitliche Koinzidenz? Genau das wollte ein Team amerikanischer Seismologen um Aaron Velasco von der Universität von Texas und Tom Parsons vom U.S. Geological Survey herausfinden.

Weiter verbreitet als gedacht


Für ihre Studie analysierten sie die Daten von mehr als 500 seismischen Messstationen rund um die Erde. Der Fokus lag dabei auf den Messergebnissen jeweils fünf Stunden vor und fünf Stunden nach 15 Erdbeben der Stärken 7 und höher seit 1992. Darunter waren das Landers-Beben von 1992, aber auch das Beben, das im Dezember 2004 den katastrophalen Tsunami vor Sumatra auslöste. Zum ersten Mal wurde damit systematisch das seismische Geschehen um Starkbeben weltweit von 1992 bis 2006 analysiert.

Und das Ergebnis verblüffte: Mindestens zwölf der 15 Beben löste in der Tat kleinere Beben aus, die nicht im Umfeld, sondern hunderte bis tausende von Kilometern entfernt stattfanden. Nach dem Sumatra-Erdbeben beispielsweise gab es Erschütterungen in Equador – auf der gegenüberliegenden Seite der Erde. Nach Ansicht der Autoren ist dies kein Einzelfall, sondern im Gegenteil sogar eher die Regel: „Wir schließen daraus, dass dieses dynamische Triggern ein verbreitetes Phänomen ist“, so die Forscher.


Oberflächenwellen als Auslöser


Nähere Untersuchungen zeigten, dass es zwei Sorten von Oberflächenwellen, die so genannten Love- und die Rayleighwellen, sind, die die weit entfernten Folgeerschütterungen auslösen können. In den ersten fünf Stunden der Ankunft der Lovewellen eines starken Bebens maßen die Forscher einen Anstieg von 37 Prozent bei den kleineren Erdstößen weltweit. Rayleighwellen ließen deren Anzahl sogar um bis zu 60 Prozent in die Höhe schnellen.

„Es ist interessant, dass Rayleigh- und Lovewellen, zwei sehr verschiedene Arten von Oberflächenwellen, beide diese Ereignisse auslösen können“, so Velasco. Wie sie dies tun, ist jedoch zurzeit noch ungeklärt. „Der physikalische Mechanismus ist unbekannt. Es wurde vorgeschlagen, dass die Passage der Wellen den Wasserfluss in einer Verwerfung verändern könnte“, erklärt der Forscher. „Dadurch erhöht sich die Anzahl der Ritzen im Gestein und die Verwerfung kann leichter in Bewegung geraten.“ Anderen Theorien nach könnten die Oberflächenwellen den Druck auf das Gestein erhöhen oder aber senken.
(University of Utah, 27.05.2008 - NPO)