Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Klimawandel lässt Apfelbäume früher blühen
Forscher untersuchen Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Vegetation
In vielen Regionen Deutschlands setzt die Apfelblüte immer früher ein. Das verdeutlichen aktuelle Karten des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL), die jetzt in der Online-Zeitschrift Nationalatlas aktuell erschienen sind.

Apfelbäume blühen immer früher
Apfelbäume blühen immer früher
© IfL
Langjährige Aufzeichnungen periodisch auftretender Phänomene bei Pflanzen belegen: Blüte und Blattentfaltung verschieben sich in Europa immer weiter nach vorn. Immerhin 1,4 bis 3,1 Tage pro Jahrzehnt betrug die Veränderung in den letzten 30 bis 50 Jahren, so die Forscher.

Der Grund dafür ist die allgemeine Erwärmung. So beginnen Apfelbäume bei einem Anstieg der Lufttemperatur um ein Grad Celsius im Schnitt 2,5 bis 6,7 Tage früher zu blühen.

Zusammenhang mit Temperaturkurve belegt
Zeitreihen des Blütebeginns beispielsweise für Jork im Alten Land bei Hamburg, für Göttingen oder auch für Endingen im Kaiserstuhl zeigen einen eindeutigen Zusammenhang mit der kontinuierlich steigenden Temperaturkurve.

Die aktuellen Deutschlandkarten des IfL zur Apfelblüte verdeutlichen aber auch, dass dieser allgemeine Trend in klimatisch begünstigten Gebieten deutlich geringer ausgeprägt ist. Grund: Hier wird die für das Wachstum nötige Strahlungsmenge auch in Normaljahren schon früh im Jahr erreicht.

Eine starke Verschiebung der so genannten phänologischen Phasen war nach Angaben der Wissenschaftler 2007 zu beobachten, als die Apfelblüte durchschnittlich zwei bis drei Wochen eher eintrat als im langjährigen Mittel.

„Fingerabdruck“ des Klimawandels auf der Spur
Solche Ausreißer sind indes kein Indiz für den Klimawandel, meteorologische Extremereignisse hat es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Nach verschiedenen Quellen war zum Beispiel der Winter 1795/96 so mild, dass Obstbäume im östlichen Harzvorland bereits im Januar blühten.

Insgesamt macht der aktuelle IfL-Beitrag deutlich: Phänologische Daten, so die Interpretation der Göttinger Geographen Jobst Augustin und Stefan Erasmi, sind nicht nur ein Indikator des Regionalklimas, sie lassen sich gewissermaßen auch als „Fingerabdruck“ des Klimawandels interpretieren.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Biodiversität, Klimawandel, globale Erwärmung, Obst, Apfelblüte, Landwirtschaft, Temperaturen, Wärme, Blatt, Blätter
Weitere News zum Thema
Insekten führen Liste der neuentdeckten Arten an (20.01.2012)
2009 spürten Forscher weltweit fast 20.000 unbekannte Spezies auf
Neue Primatenart auf Madagaskar entdeckt (04.01.2012)
„Gerp’s Mausmaki“ wurde anhand von DNA-Proben identifiziert
Regenwald als Schmetterlingsparadies (23.12.2011)
Forscher entdecken in Ecuador und Costa Rica zahlreiche unbekannte Falterarten
Artenschutz: Nashorn und Grauwal als Verlierer des Jahres (20.12.2011)
Menschenverursachtes Artensterben und Waldzerstörung schreiten auch 2011 ungebremst voran
Schneeleopard noch seltener als angenommen (29.11.2011)
Genanalysen enthüllen bisherige Populations-Schätzungen als zu hoch
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Klimaforschung
Dossiers zum Thema
Klimawandel
Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?
Streit ums Klima
Klimawandel unter Beschuss?
S.O.S. - Ist das Klima noch zu retten?
Klimakonferenz 2006: Zukunft Verhandlungssache
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
Klimakiller Methan
Landwirtschaft als Treibhausgas-Schleuder?
Alles öko, oder was?
Landwirtschaft im Wandel
Phytohormone
Überlebenswichtige Botenstoffe im Pflanzenreich
News des Tages
Hirn-Aussetzer durch Schlafmangel
DNA eines ausgestorbenen Tieres wiedererweckt
Weihrauch als Droge entlarvt
Neue Hoffnung für Schmerzgeplagte
Luft über Asien wird immer dicker
Klimawandel lässt Apfelbäume früher blühen
Bücher zum Thema
Der Klimawandel
von Stefan Rahmstorf und Hans J. Schellnhuber
Wir Wettermacher
von Tim Flannery
Wissen hoch 12
Ergebnisse und Trends in Forschung und Technik von Harald Frater, Nadja Podbregar und Dieter Lohmann
Eine unbequeme Wahrheit
von Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer
Einführung in die Ökologie
von Wolfgang Tischler
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
4. Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn
5. Tempolimit auf dem Quanten-Highway