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Sonntag, 21.03.2010
Klimawandel hinterlässt Spuren in der Natur
Forscherinnen widerlegen Zweifel an Folgen der globalen Erwärmung
So genannte „Folgenskeptiker“ unter den Klimakritikern bezweifeln die vom Weltklimarat vorhergesagten Folgen des Klimawandels. Mit einer in „Nature“ veröffentlichten Meta-Analyse von 29.000 langjährigen Beobachtungsreihen zu den bisherigen Auswirkungen der Temperaturerhöhung auf Pflanzen, Tiere und menschliche Gesundheit konnten Wissenschaftlerinnen jetzt jedoch die globalen Spuren des Klimawandels in der Natur eindeutig nachweisen.

Birken blühen immer früher
Birken blühen immer früher
© TUM Birken blühen immer früher
Die Erwärmung der Erdatmosphäre werde in Wirklichkeit moderat sein und kaum Auswirkungen auf Natur und Mensch haben, so äußern sich immer wieder einzelne Klimakritiker. Fast sämtliche weltweit forschenden Klimatologen sind dagegen einhellig von einer Temperaturerhöhung durch vom Menschen freigesetzte Treibhausgase und deren Folgen überzeugt.

Über die regionalen Folgen des bisherigen Temperaturanstiegs für Kontinente und Ozeane - vom Planktonvorkommen über die Gletscherschmelze bis hin zum Verhalten von Zugvögeln - berichteten bislang nur Einzelstudien, zu den globalen und kontinentalen Modellsimulationen des Weltklimarats klaffte bislang eine Lücke.

29.000 Datenreihen untersucht
Erstmals schlossen jetzt Professor Annette Menzel und Nicole Estrella vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München (TUM) einen großen Teil dieser Lücke - und nahmen damit den Klimafolgenskeptikern Wind aus den Segeln.

Zusammen mit einem weltumspannenden Wissenschaftlerteam untersuchten die beiden Freisinger Ökoklimatologinnen mehr als 29.000 Datenreihen aus Forschungsarbeiten zu physikalischen und biologischen Systemen, die eindeutige klimabedingte Veränderungen in den letzten Jahrzehnten aufwiesen. Die TUM-Wissenschaftlerinnen überprüften deren Übereinstimmung mit den gemessenen Temperaturänderungen - und fanden diese zu über 90 Prozent bestätigt. Global und regional stimmten die räumlichen Muster von Temperaturänderung und nachgewiesenen Änderungen in der Natur überein.

Mönchsgrasmücke: Umzug nach England
Damit ist jetzt zum Beispiel nachgewiesen, dass die in Deutschland heimische Zugvogelart namens Mönchsgrasmücke tatsächlich wegen des Temperaturanstiegs in Europa während des vergangenen Vierteljahrhunderts heute ihr Winterquartier lieber in England statt in Spanien aufschlägt.

Und dass nicht natürliche Klimaschwankungen, sondern der vom Menschen verursachte Klimawandel dafür verantwortlich ist, dass sich im südlichen Ozean der Krill - winzige Krebse, die Walen, Robben und Tintenfischen als Nahrung dienen - zugunsten von wärmeliebenderen, Salpen genannten Meerestierchen teilweise um mehr als tausend Kilometer in den kühlen Süden zurückgezogen hat.

Klar ist aber auch, so die Münchener Forscherinnen, dass Pflanzen der Hochalpen wie der Gletscherhahnenfuß mittlerweile konkurrierende Gesellschaft von Gewächsen aus den niederen Regionen bekommen haben.

Mensch verbreitet Ambrosia
Nicht alle beobachteten Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt lassen sich allerdings eindeutig auf erhöhte Temperaturen zurückführen: Untersuchungen über die Ausbreitung der aus Nordamerika nach Europa eingeschleppten, wärmeliebenden Ambrosia-Pfanze schlossen die TUM-Forscherinnen aus ihrer Analyse aus. Denn in erster Linie wird Ambrosia wohl vom Menschen über das Körnerfutter verbreitet, mit denen Vogelfreunde ihre gefiederten Wintergäste bewirten.
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