Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 15.03.2010
Gestapelte Quantenpunkte als Elektronenfalle
Optische Manipulation von gekoppelten Quantenpunkten gelungen
Physiker der ETH Zürich haben in einem Halbleitermaterial übereinanderliegende Quantenpunkte geschaffen, die einzelne Elektronen „fangen". Mit Lasern lassen sich diese Punkte nicht nur untersuchen, sondern auch energetisch beeinflussen. Ob diese jetzt in „Science“ veröffentlichte Methode auch einen ersten Schritt zu einem Quantencomputer darstellt, ist jedoch noch fraglich.

Elektronen mit Down- und Up-Spin
Elektronen mit Down- und Up-Spin
© MMCD/Podbregar
Jedes Elektron hat einen gewissen Spin, dreht sich also in einer Richtung um die eigene Achse und ist dadurch gewissermassen ein Quantenmagnet mit quantenmechanischen Eigenschaften. Vor einigen Jahren wurde vorgeschlagen, den Elektronenspin als Träger für Quanteninformationen zu nutzen. Bei einem normalen Rechner sind die elementaren Informationen Bits, welche nur die Werte Null oder Eins haben. Quanten hingegen können beide Zustände gleichzeitig annehmen. Für das Elektron heisst das: es hat gleichzeitig zwei verschiedene Spinorientierungen.

Die ETH-Forscher können nun den Spinzustand eines Elektrons mit hoher Zuverlässigkeit in eine bestimmte Richtung einstellen oder aber bei einem Elektron einen bestimmten Zustand auslesen, was in einer früheren Studie gezeigt wurde.

Zwei Quantenpunkte übereinander gestapelt
Um mit Quantensystemen rechnen zu können, muss man mehrere Quantenpunkte kontrolliert koppeln können. Dazu züchtete das Forschungsteam unter der Leitung von Professor Ataç Imamoglu einen Galliumarsenid-Kristall. Auf diesen brachten sie zwei Schichten aus Indium-Galliumarsenid auf, aus denen sich winzige Inseln - die Quantenpunkte - bildeten. Sie arbeiteten dabei mit einem System aus zwei übereinanderliegenden Quantenpunkten. Die Inseln der zweiten Schicht wuchsen direkt über denjenigen der ersten Schicht. "Ein solcher Punkt ist wie ein künstliches Atom aber grösser, und zwei übereinanderliegende Punkte stellen ein künstliches Molekül dar", sagt Lucio Robledo, Erstautor der Studie, die in Science veröffentlicht wurde.

Diese Inseln dienen nun nicht nur als Elektronenfalle, sie beeinflussen sich auch gegenseitig. Den ETH- Physikern ist es jetzt gelungen, die Zustände der gefangenen Elektronen von aussen her mit einem Laser zu kontrollieren. "Wir haben einen Weg gefunden, wie Quantenpunkte dazu gebracht werden können auf kontrollierte Art und Weise miteinander in eine Wechselwirkung zu treten und zu kommunizieren", sagt Robledo.

Noch viele Hürden auf dem Weg zum Quantencomputer
Die Quantum Photonics Group erreichte mit den neuen Halbleiterquantenstrukturen einen wichtigen Fortschritt in der optischen Manipulation von gekoppelten Quantenpunkten. Trotz dieser beeindruckenden Erfolge zögert Professsor Ataç Imamoglu, die Quantenpunkte als den vielversprechendsten Weg zum Quantencomputer zu sehen, da noch eine Menge physikalische Probleme gelöst werden müssen.

So fehlt beispielsweise noch ein detailliertes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen den Quantenpunkten und ihrer Umgebung.Ausserdem müsste ein Quantencomputer tausende anstelle der zwei Quantenbits vereinen - für diese Herausforderung müsse bei Quantenpunkten erst noch eine Lösung gefunden werden.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Quantenpunkte, Elektronen, Spin, Quantencomputer, Laser, Physik, Elektronenspin, Quantenmechanik, Quantenphysik
Weitere News zum Thema
Verstimmte Photonenerzeugung (25.11.2009)
Physiker decken nicht-resonante Kopplung auf
Quantensprung bei der Quanten-Verschlüsselung (26.10.2009)
Bessere Lichtquelle für Quantenkryptografie entwickelt
Verschränkte Elektronen im Festkörper getrennt (15.10.2009)
Meilenstein in der Überprüfung der Quantenmechanik?
Atome tanzen keinen „Bose Nova“ (04.09.2009)
Angeregter, stark korrelierter Vielteilchenzustand erzeugt
Gefangene Elektronen leben länger (18.08.2009)
Erste Messung der Lebensdauer angeregter Elektronen in Quantenpunkten
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Quantencomputer
Zoom aufs Atom
Dossiers zum Thema
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Quantencomputer
Tops und Flops beim Rechnen mit den kleinsten Teilchen
Duell in der Quantenwelt
Wie Quanten Information verarbeiten
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
News des Tages
Molekulares Thermometer für das ferne Universum
Mehr als 11.000 Tote bei Erdbeben in China
Orchideen locken mit vermeintlichem „Hilferuf“
Nervenzellen beim Lernen zugeschaut
Kalte Flammen heilen die Haut
Pflanzen als Bodensanierer
Gestapelte Quantenpunkte als Elektronenfalle
Bücher zum Thema
Einsteins Spuk
Teleportation und weitere Mysterien der Quantenphysik von Anton Zeilinger
Skurrile Quantenwelt
von Silvia Arroyo Camejo
Die Welt hinter den Dingen
von Ludwig Schultz und Hermann- Friedrich Wagner
Top-Clicks der Woche
1. Neue Belege für “Schneeball Erde”
2. Erdrotation beeinflusst Unterwasserwellen
3. Galaxien-Explosion stoppte junges Universum
4. Einsteins Relativitätstheorie auf kosmologischen Distanzen bestätigt
5. Gehirn liebt keine Überraschungen