• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 29.06.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Blaumeisen: Fremde Weibchen lösen Rosenkrieg aus

Scheidungen auch bei Vögeln weit verbreitet

Scheidungen sind nicht nur bei Menschen, sondern auch bei monogamen Vögeln weit verbreitet. So haben Wissenschaftler bei Blaumeisen Trennungsraten von über 50 Prozent ermittelt. Doch warum trennen sich die Paare wieder? Eine neue Studie belegt nun, dass Rosenkriege bei Blaumeisen vermutlich von fremden Weibchen ausgelöst werden. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Animal Behaviour.
Rosenkriege gibt es auch bei Blaumeisen

Rosenkriege gibt es auch bei Blaumeisen

Um die genauen Gründe für eine Vogelscheidung herauszufinden, hilft es zu wissen, welcher der beiden ehemaligen Partner Leidtragender ist und wer von der Trennung profitiert. Das Ergebnis früherer Studien an kleinen Sperlingsvögeln, zu denen auch die Blaumeise gehört, war, dass Weibchen offenbar größere Vorteile bei einer Scheidung hat: Sie bekamen danach mit einem neuen Partner mehr überlebende Nachkommen.

Männchen bleiben in ihrem Territorium


„Nach diesen Erkenntnissen sollten es die Weibchen sein, welche die Initiative zum Verlassen eines Partners ergreifen“, sagt der Verhaltensökologe Bart Kempenaers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen, der zusammen mit seinem Kollegen Mihaj Valcu die neue Studie durchgeführt hat.

Darin kommen die Forscher allerdings zu dem Ergebnis, dass sich der höhere Bruterfolg durch den mit der Trennung einhergehenden Wechsel des Territoriums und weniger durch die Scheidung an sich erklären lässt: Denn nur wenn die Weibchen ihr angestammtes Territorium verlassen und an einen besseren Platz ziehen, erhöht sich auch die Zahl der Nachkommenschaft. Die Männchen dagegen bleiben fast ausschließlich in ihrem bisherigen Territorium.


Konkurrenz zwischen Weibchen als Scheidungsgrund


Die Max-Planck-Forscher haben deshalb Blaumeisenweibchen untersucht, die nach der Trennung auch am oder zumindest in der Nähe ihres bisherigen Standortes blieben, um den Einfluss des Territoriumwechsels vom Effekt der Scheidung zu entkoppeln. Es stellte sich heraus, dass in diesem Fall nicht die Weibchen, sondern die Männchen ihre Fitness nach einer Scheidung erhöhten: Sie paarten sich mit größeren Weibchen und hatten einen höheren Bruterfolg als die ehemalige Partnerin.

Machen also möglicherweise die Männchen den ersten Schritt zur Trennung? „Wir können nur spekulieren“ so Kempenaers. „Aber unsere Hypothese ist, dass ein größeres, stärkeres Weibchen die ursprüngliche Partnerin vertreibt und das Männchen samt Territorium übernimmt.“

In diesem Fall wäre die Konkurrenz zwischen den Weibchen um einen guten Paarungspartner Auslöser für die Trennung - und das wäre dann vermutlich der klassische Scheidungsgrund.
(idw - MPG, 25.04.2008 - DLO)