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Dienstag, 24.01.2017
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Musik hilft gegen Tinnitus

Neurowissenschaftliche Studie belegt Wirkung

Ergebnisse einer soeben abgeschlossenen interdisziplinären Studie belegen eindeutig die Wirkung von Musiktherapie bei Tinnitus. Rund 80 Prozent der Studienteilnehmer hatten nach dem Ende der Behandlung weniger oder keine Ohrgeräusche wie Pfeifen oder Piepsen mehr.
Menschliches Ohr

Menschliches Ohr

Die Wirkung ist nach Angaben der Wissenschaftler sehr stabil, wie eine psychologische Nachuntersuchung sechs Monate später gezeigt hat. Ein neurowissenschaftlicher Nachweis der Wirkung von Musiktherapie bei dieser so genannten chronisch-tonalen Form des Tinnitus mit Hilfe der Magnetresonanztomographie stützt die von den Patienten geschilderten Verbesserungen.

Studie mit 132 Patienten


Insgesamt waren 132 Patienten in die interdisziplinäre Studie eingeschlossen. Durchgeführt wurde diese vom Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Musiktherapie der SRH Hochschule Heidelberg, der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Universität Heidelberg und der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie der Universität Homburg.

Die Patienten erhielten insgesamt zehn Behandlungseinheiten, entweder einmal pro Woche oder innerhalb einer Woche. Das Behandlungskonzept beinhaltet sowohl aktive als auch passive Anteile. Im aktiven Teil macht der Patient unter anderem bestimmte stimmliche Übungen mit dem Musiktherapeuten. Der passive Teil umfasst Therapieeinheiten, die auf eine Stressbewältigung, Rückbildung psychischer Begleiterscheinungen sowie Verbesserung der Aufmerksamkeits- und Hörleistung abzielten.


Therapie erfolgreich


Die Ergebnisse zeigen, dass in beiden Gruppen die Ohrgeräusche weniger oder ganz verschwunden waren. Auch Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten sowie weitere Stress-Symptome waren während und nach der Behandlung deutlich weniger. Selbst sechs Monate nach der musiktherapeutischen Behandlung hält diese Besserung bei den erfolgreich behandelten Patienten an. Deutlich wurde auch, dass bei weniger belasteten Patienten eine geringere Therapieanzahl ausreicht.

Die Forscher wiesen zudem die Wirkung des musiktherapeutischen Konzepts auch auf neurowissenschaftlicher Ebene nach. Gehirnaufnahmen mit einem Kernspintomographen lieferten Hinweise darauf, dass Tinnitus nicht ausschließlich das Ergebnis einer fehlerhaften Verarbeitung von Geräuschen im Gehirn ist, wie lange Zeit angenommen. Vielmehr zeichnet sich ab, dass auch Gehirnstrukturen, die nicht vorrangig für den Gehörsinn verantwortlich sind sowie aufmerksamkeitsrelevante Areale die Entstehung von Tinnitus mit bedingen.

Neue Studie geplant


In einer neuen Studie sollen die einzelnen Wirkfaktoren der Musiktherapie nun genauer untersucht werden. Ausgehend von den Therapieerfolgen bei chronisch-tonalem Tinnitus wollen die Forscher zudem untersuchen, ob das musiktherapeutische Konzept auch bei Rauschgeräuschen hilft.
(idw - Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM, 24.04.2008 - DLO)
 
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