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Donnerstag, 29.09.2016
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Nie wieder Doping?

Sportlerinnen: Mehr Leistungskraft durch körpereigene Hormone

Gegen Doping im Hochleistungssport scheint kein Kraut gewachsen. Und doch könnte die verbotene Art der Leistungssteigerung bald uninteressant werden - zumindest für Sportlerinnen. Ein individuelles am Menstruationszyklus ausgerichtetes Training verspricht mehr Leistungskraft durch körpereigene Hormone. Dies hat jetzte eine neue Studie Bochumer Wissenschaftler ergeben.
Leichtathletik

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Die Ergebnisse der Forscher um Professorin Dr. Petra Platen vom Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) könnten ein völliges Umdenken beim Trainingsrhythmus im Leistungs- und Gesundheitssport nötig machen.

Training im „Auf und Ab“ der Hormone


Gerade weil Hormoneffekte auf die Skelettmuskulatur immer wieder
Dopingskandale auslösen, erstaunt, wie wenig auf diesem Gebiet international geforscht wird. Dabei zeigte sich bereits bei Trainingsstudien in den neunziger Jahren, dass ein verstärktes Krafttraining in der ersten Hälfte des Menstruationszyklus, der so genannten Follikelphase, möglicherweise effektiver ist als ein gleichmäßiges Maximalkrafttraining.

Hintergrund könnten muskelauf- bzw. abbauende Wirkungen von Hormonen - etwa des Östrogens und Progesterons - sein. So steigt in der Follikelphase die Östradiol-Konzentration im Blut an und erreicht nach einem Peak in der Ovulationsphase in der Lutealphase nur noch mittlere Werte, während die Blutkonzentration des Progesterons in der Lutealphase am höchsten ist.


Pilotstudie bestätigt Hypothese


Nachdem sich bestimmte Faktoren, die die Muskelreaktion auf ein Training fördern, in der Follikelphase vermehrt feststellen ließen, untersuchen Sportmediziner der RUB in einer umfassenden Studie zyklusabhängige intramuskuläre molekularbiologische Effekte der Geschlechtshormone und weiterer diese Effekte vermittelnde Hormone (hGH: human Growth Hormon, IGF-1: Insulin like Growth Factor 1).

Eine vorgeschaltete Pilotstudie mit zwei Probandinnen, bei der bereits neben den üblichen sportwissenschaftlichen Parametern wie Muskelkraft und Ausdauer auch die Skelettmuskulatur anhand von Gewebeproben untersucht wurde, führte bereits zu eindrucksvollen Ergebnisse: Nach einem Training in der Follikelphase im Vergleich zur Lutealphase nahmen Maximalkraft, Muskeldicke und der Durchmesser der drei Muskelfasertypen deutlich zu.

Studie erfasst Zyklus- und „Pillen“- Effekte


Die Ergebnisse der Pilotstudie werden derzeit mit einer größeren Gruppe von Probandinnen (60) überprüft. Dabei erfassen die Sportwissenschaftlerinnen Kraft- und Ausdauertrainingseffekte bei jeweils 30 Probandinnen und unterteilen die Trainingsgruppen noch einmal danach, ob die Probandinnen so genannte Kontrazeptiva einnehmen oder nicht (15/15).

Kontrazeptiva verändern die hormonelle Situation, was ebenfalls Auswirkungen auf die Trainierbarkeit sowie auf muskelspezifische Effekte vermuten lässt. Da viele Sportlerinnen die „Pille“ einnehmen, sind auch diese zusätzlichen Effekte von Interesse. Die bisherigen Ergebnisse weisen bereits wie die Pilotstudie auf eine Belastungsadaptation in Abhängigkeit von der jeweiligen Phase des Menstruationszyklus bei Sportlerinnen hin.

Umdenken im Sport nötig?


Eine Bestätigung der Pilotstudie hätte ein völliges Umdenken in der Periodisierung des Trainings von Sportlerinnen zur Folge: Die bisher üblichen Mikro- und Makrozyklisierungen als wochenweise Trainings- und Regenerationsphasen – beispielsweise drei Wochen Training, eine Woche Regeneration - dürften durch ein individuell am jeweiligen Menstruationszyklus der Sportlerin ausgerichtetes Training ersetzt werden.

Weitere Studien könnten das Training von Frauen im Leistungs- und Gesundheitssport in einer breiten Palette von Sportarten optimieren, so die Bochumer Wissenschaftler. Regenerative Prozesse liefen entsprechend dem biologischen Rhythmus effektiver in der Lutealphase ab. Ein Training unter Beachtung dieser „physiologischen Ressourcen“ des weiblichen Organismus und seiner Individualität würde die Leistungskraft erhöhen und zugleich die Gesundheit der Sportlerin erhalten und fördern.
(idw - Ruhr-Universität Bochum, 11.04.2008 - DLO)
 
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