Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Aufgespießte Kürbisse als Nanoventile
Pseudorotaxane verschließen winzige Wirkstofftransporter reversibel
Ventile begegnen uns im täglichen Leben überall, sei es im Wasserhahn, im Vergaser unseres Automotors oder an unserem Fahrradschlauch. Ventile gibt es aber auch in der Nanowelt. Ein Forscherteam hat nun ein neues Nanoventil mit ungewöhnlichen Eigenschaften entwickelt.

Nanotechnologie
Nanotechnologie
© NASA
In der Zeitschrift Angewandte Chemie verraten die Wissenschaftler, was das Besondere daran ist: Anders als seine Vorgängermodelle, die nur in organischen Lösungsmitteln funktionieren, arbeitet dieses Ventil im wässrigen Milieu und unter physiologischen Bedingungen - Voraussetzung für einen Einsatz als Verschluss nanoskopischer Transportmittel für Pharmaka, die ihre Fracht zur richtigen Zeit am richtigen Ort freisetzen sollen.

Nanoverpackungen als Wirkstofftransporter
Damit Pharmaka gezielt nur im erkrankten Organ wirken, braucht man geeignete Nanoverpackungen, die den Wirkstoff zum Zielort transportieren und auch nur dort herauslassen. Gute nanoskopische Packmittel sind beispielsweise winzige Kügelchen aus einem porösen Silikat. Die Poren werden mit dem Wirkstoff befüllt und müssen dann mit winzigen regelbaren Ventilen verschlossen werden.

Die Wissenschaftler um J. Fraser Stoddart und Jeffrey I. Zink von der University of California in Los Angeles knüpften stielförmige Moleküle auf die Oberfläche der porösen Kügelchen und füllten die Poren mit Gastmolekülen. Bei neutralen bis sauren pH-Werten stülpten sie Cucurbituril-Moleküle auf diese „Stiele“.

Cucurbituril ist ein dickes, ringförmiges Molekül mit einer Form, die an einen beidseitig ausgehöhlten Kürbis erinnert. Das entstehende supramolekulare Gebilde, das wie ein aufgespießter Kürbis aussieht und von Chemikern als Pseudorotaxan bezeichnet wird, blockiert nun die Poren, sodass die Gastmoleküle nicht austreten können. Die Nanoventile sind geschlossen.

Feilen an molekularen Details
Wird jedoch der pH-Wert ins Basische erhöht, wird die Wechselwirkung zwischen „Kürbissen“ und „Spießen“ geschwächt, die Kürbisse lösen sich ab und machen die Porenausgänge wieder frei. Die Ventile sind nun offen, die Gastmoleküle treten aus.

Nun muss noch an den molekularen Details der einzelnen Komponenten gefeilt werden. Das Ziel: sehr kleine Unterschiede im pH-Wert zwischen gesundem und krankem Gewebe sollen dann ausreichen, um die Ventile zu schalten und den Wirkstoff nur in kranken Zellen freizusetzen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Nanotechnologie, Nanoventile, Chemie, pH-Wert, Wirkstoff, Medikamente, Poren, Pseudorotaxan
Weitere News zum Thema
Erster Röntgenlaser auf Atom-Basis (26.01.2012)
Neue Technologie ermöglicht noch schärfere Bilder aus der Nanowelt
Nano-Antenne ermöglicht Terahertz-Scanner im Handyformat (24.01.2012)
Nanotechnologie und Nanofabrikation sorgen für Durchbruch bei der Erzeugung von Terahertzstrahlen
Forscher kreieren molekulares Legospiel (23.01.2012)
Komplexe Nanostrukturen bilden sich in gesteuerter Selbstorganisation
Weniger Tierversuche durch Nanosensoren (03.01.2012)
Nano-Partikel vereinfachen Zellkulturtests als Alternative zu Chemikalientests an Tieren
Nano-Endoskop ermöglicht Blick in die lebende Zelle (28.12.2011)
Neues Verfahren kann Wirkstoffe gezielt ins Zellinnere einschleusen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Dossiers zum Thema
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
News des Tages
Radiowellen verstärken planetare Strahlengürtel
Entstanden die Knochen in der Haut?
Ozonchemie beeinflusst Arktische Oszillation
Jules Verne auf dem Weg zur ISS
Large Binocular Telescope: Mit zwei Augen sieht man besser
Hoher Blutdruck verdoppelt Nierenkrebsrisiko
Aufgespießte Kürbisse als Nanoventile
Bücher zum Thema
Welt der Elemente
von Hans-Jürgen Quadbeck- Seeger
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Nanotechnologie und Nanoprozesse
Einführung, Bewertung von Wolfgang Fahrner
Projekt Zukunft
Die Megatrends in Wissenschaft und Technik von Hans-Jürgen Warnecke
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes