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Sonntag, 22.01.2017
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Artenverlust wird teuer

Sinkende Biodiversität schadet langfristig der Wirtschaft

Deutschland ist kein Paradies für Pflanzen und Tiere: Immerhin mehr als 60 Prozent der nach EU-Recht geschützten Arten gelten hierzulande als bedroht, das melden Umweltschutzoragnisationen anlässlich des heutigen Tags des Artenschutzes. Mangelnder Artenschutz könnte sich zudem als teures Vergnügen entpuppen, wie eine zurzeit laufende EU-Studie enthüllt. Ähnlich wie beim Klimawandel schaden die langfristigen Folgen nicht nur der Ökologie, sondern auch der Wirtschaft.
Artenvielfalt

Artenvielfalt

Während des Treffens der G8+5 Umweltminister in Potsdam im letzten Jahr wurde eine Studie ins Leben gerufen, die die volkswirtschaftlichen Kosten durch den Verlust der biologischen Vielfalt weltweit ermitteln soll. Als Leiter des Forschungsprojekts gewannen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und EU Kommissar Stavros Dimas nun nachträglich den renommierten Ökonom Pavan Sukhdev, zurzeit Generaldirektor und Leiter der Abteilung "Globale Märkte" der Deutschen Bank AG in London.

Artensterben gefährdet Medikamentennachschub


Bereits jetzt liegen erste Teil-Ergebnisse über die Auswirkungen des Artensterbens für die Gesundheitsbranche vor – und diese sind nicht gerade ermutigend: Fast die Hälfte aller zugelassenen Medikamente in Deutschland stammt aus Pflanzenmaterial. Zehn der 25 weltweit erfolgreichsten Medikamente werden aus natürlichen Quellen und von wildlebenden Arten, also aus Pilzen, Bakterien, Pflanzen oder Tieren, gewonnen.

Mit jeder Art, die ausstirbt, geht daher möglicherweise die Arznei für eine bedrückende Krankheit verloren. Der Weltmarktwert für pharmazeutische Produkte, die aus der Nutzung natürlicher genetischer Ressourcen stammen, wird mit 75 bis 150 Milliarden Dollar pro Jahr veranschlagt. Diese Summe könnte sich mit zunehmender ökologischer Verarmung deutlich reduzieren.


Die Ergebnisse der gesamten ersten Phase der Studie werden von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel Mitte Mai 2008 auf der 9. UN-Naturschutzkonferenz der Weltöffentlichkeit vorgestellt werden. Auf der Konferenz in Bonn werden Delegierte aus 190 Vertragsstaaten vom 19. bis 30. Mai 2008 über den weltweiten Schutz der biologischen Vielfalt, ihre nachhaltige Nutzung und den gerechten Vorteilsausgleich beraten.

Hälfte aller Arten ist bedroht


Anlässlich des Tags des Artenschutzes am heutigen 3. März hat auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor einem verstärkten Artensterben gewarnt. Der Erhalt von mehr als 60 Prozent der nach EU-Recht geschützten Arten sei hierzulande bedroht. Damit stehe der Artenschutz in Deutschland im europäischen Vergleich schlecht da. Elf Prozent aller Tierarten sind laut Roter Liste stark gefährdet, sieben Prozent vom Aussterben bedroht und drei Prozent bereits ausgestorben. Bei den Pflanzen sieht es ähnlich aus.

Die Zerstörung von Lebensräumen durch intensive Land- und Forstwirtschaft sowie durch Straßen- und Siedlungsbau bedrohe vor allem seltene Säugetiere, Reptilien und Amphibien. Hochmoore mit ihrer besonderen Artenvielfalt seien ebenfalls stark gefährdet, Ursache sei hier der hohe Stickstoffeintrag aus der Luft.

„Die Zahlen der gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Arten sind alarmierend“, erklärt Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender. „Wenn die Bundesregierung ihr selbst gesetztes Ziel erreichen will, bis 2010 den Artenverlust zu stoppen, muss sie den Natur- und Artenschutz im Umweltgesetzbuch bundeseinheitlich regeln und darf ihn nicht zusätzlich schwächen."
(EU-Kommission, BUND, 03.03.2008 - NPO)
 
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