Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Gehirn: Stammzellen als Brutstätte für HI-Viren
Wie der Erreger im Nervensystem überlebt und sich vermehrt
Das HI-Virus - der Auslöser der Immunschwäche-Krankheit AIDS - infiziert nicht nur bestimmte Zellen des Immunsystems, sondern häufig auch das zentrale Nervensystem der Patienten. Welche Zelltypen dort von dem Erreger befallen werden und dann anschließend intakte Viren herstellen und freisetzen war bisher noch nicht endgültig geklärt. Eine in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift AIDS erschienene Studie deutscher Wissenschaftler hat jetzt Licht in das Dunkel gebracht.
HI-Virus an Zelle
HI-Virus an Zelle
© CDC
„Unsere Daten deuten darauf hin, dass neurale Vorläuferzellen zum HIV-Reservoir im Gehirn beitragen können und eine persistente Infektion mit HIV-1 Veränderungen in diesen Zellen hervorruft", fasst Professorin Dr. Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie des Helmholtz Zentrums München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, die Ergebnisse zusammen, die ihr Team ermittelt hat. Die Resultate seien zwar in Zellkulturen gewonnen, es gäbe aber zahlreiche Hinweise dafür, dass im Gehirn ähnliche Vorgänge ablaufen.

Infektion mit schlimmen Folgen
Schon kurz nach der HIV-Infektion können Erreger in Gehirnzellen eindringen und dann dort lebenslang überdauern. Mehr als die Hälfte der HIV-Infizierten leidet daher an langsam fortschreitenden neurologischen Störungen, die sich bis zu einer schweren Demenz entwickeln können. Die genauen Mechanismen, die zum Krankheitsverlauf durch HI-Viren führen, sind allerdings noch weitgehend unverstanden.

Brack-Werner und ihr Team haben bereits in früheren Untersuchungen festgestellt, dass HI-Viren im Gehirn neben Makrophagen und Mikrogliazellen vor allem Astrozyten infizieren. Astrozyten sind der häufigste Zelltyp im Gehirn und erfüllen grundlegende Funktionen beim Schutz und Stoffwechsel des zentralen Nervensystems. HIV-infizierte Astrozyten produzieren normalerweise nur extrem wenig intakte und damit infektiöse Viruspartikel, durch äußere Einflüsse können sie aber zu einer aktiven Virusproduktion angeregt werden. Die neu gebildeten Viren können dann weitere Zellen - auch solche des Immunsystems - infizieren.

Astrozyten tolerieren also eine chronische Langzeit-Infektion mit HIV-1 und bilden so ein Reservoir, aus dem HI-Viren immer wieder nachgeliefert werden können. Ob dies auch für andere neurale Zelltypen zutrifft, war bislang unklar. In ihrer neuen Studie konnten nun Ina Rothenaigner und Kollegen aus der Arbeitsgruppe von Brack-Werner zeigen, dass im Gehirn auch neurale Vorläuferzellen als HIV-1-Reservoir dienen. Diese Vorläuferzellen können sich zu allen Gehirn-Zelltypen differenzieren und besitzen somit eine sehr wichtige Funktion bei Selbstheilungsprozessen im Gehirn.

Als Ausgangsmaterial für die Zellkulturstudien dienten den Wissenschaftlern multipotente menschliche neurale Stammzellen, die unbegrenzt in Kultur gehalten werden können. Durch Zugabe eines bestimmten Wachstumsfaktors lassen sich diese neuralen Vorläuferzellen zu Astrozyten differenzieren. Die Reaktionen beider Zelltypen auf eine Infektion mit HIV-1 können daher gut miteinander verglichen werden.

Chronische Infektion nachgewiesen
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass HIV-1 in neuralen Vorläuferzellen über lange Zeiträume persistieren kann: Provirale HIV DNA-Sequenzen waren über die gesamte Beobachtungszeit nach der Infektion - 115 Tage - in den Zellen nachweisbar und intakte Viren wurden, wenn auch in geringen Mengen, noch nach mehr als 60 Tagen freigesetzt. Die Bauanleitungen für bestimmte Proteine - Nef, Tat und Rev - waren nach den Ergebnissen der Forscher sogar noch länger nachzuweisen. Damit war klar, dass HIV-1 auch neurale Vorläuferzellen chronisch infizieren kann und dort - ähnlich wie in Astrozyten - funktionelle Viren hergestellt werden.

Die anhaltende Infektion mit HI-Viren verursachte eine Reihe von biologischen Veränderungen in den neuralen Vorläuferzellen, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift AIDS: So änderte sich beispielsweise das Expressionsniveau bestimmter Proteine und auch die Morphologie der Zellen.

In künftigen Arbeiten wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob und wie die HIV-Infektion die Fähigkeit von neuralen Vorläuferzellen zur Wanderung, Vermehrung und Differenzierung beeinflusst und welche Stoffwechselwege daran beteiligt sind. Möglicherweise, so hoffen die Forscher, lassen sich mit diesem Wissen Strategien entwickeln, mit denen die schädlichen Wirkungen der HI-Viren auf das Gehirn verhindert werden können.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
HIV, Aids, Immunschwäche, Viren, Infektionen, Erreger, Gehirn, Nervensystem, Demenz, Krankheit
Weitere News zum Thema
Macht der Klimawandel den Nordatlantik süßer? (03.05.2013)
Jahresringe im Skelett von Rotalgen sollen diese Frage künftig beantworten helfen
Laserscanning liefert Einblick in Karst-Dolinen (30.04.2013)
Neue Methode geht der Landschaftsgeschichte Kretas auf den Grund
Klimavergangenheit der Kontinente entschlüsselt (22.04.2013)
Neue Datenreihe zeigt Klima der letzten 2.000 Jahre so detailliert wie nie zuvor
Eisbohrkern entpuppt sich als „Rosetta-Stein“ des Klimas (05.04.2013)
Andengletscher erlaubt bisher genaueste Klimarekonstruktion der letzten 1.800 Jahre
Schimpansen: Fleisch essen ist Männersache (26.03.2013)
Geschlechtsspezifische Ernährungsvorlieben gibt es auch bei Menschenaffen
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Aids
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
AIDS
Auf der Suche nach der Wunderwaffe
Rückkehr der Seuchen
Der Krieg gegen die Mikroben geht weiter
Aids-Impfstoff gesucht
Eine Gen-basierte Strategie gegen das Virus im Test
Aids-Therapie aus dem Computer
Informatiker als "Assistenzärzte"
Mit Gentechnik gegen die Infektion
Die Suche nach neuen Impfstoffen
Vogelgrippe
Vom Tiervirus zur tödlichen Gefahr für den Menschen
Robert Koch
Kämpfer gegen den "unsichtbaren Feind"
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Der Kitt denkt mit
Geheimnisvolle Gliazellen im Gehirn
Elektrische Synapsen
„Aschenputtel“ unter den Zellkontakten
Stammzellquellen gesucht
Zurück zum „Alleskönner“
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
News des Tages
Rätsel der antarktischen Vereisung geknackt
Erster Blick ins Stammhirn
Gehirn: Stammzellen als Brutstätte für HI-Viren
Schulden machen krank
Atomenergie: Biblis A vor dem Aus
Verschiebebahnhof für einzelne Elektronen
Nanomotoren als Infektionshelfer
Bücher zum Thema
Der Kampf zwischen Mensch und Mikrobe
2 CDs (Audio CD) von Stefan H. E. Kaufmann (Erzähler), Klaus Sander (Produzent)
Menschen, Seuchen und Mikroben
Infektionen und ihre Erreger von Jörg Hacker
Medizin für das Gehirn
Hrsg. Spektrum der Wissenschaft
Der Beobachter im Gehirn
Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer
Unser Gedächtnis
Erinnern und Vergessen von Bernard Croisile
Forschung an embryonalen Stammzellen
von Gisela Badura-Lotter
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Top-Clicks der Woche
1. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund
2. Ältestes Wasser der Erde entdeckt
3. Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen
4. Eingeschleppter Käfer kämpft mit raffinierter Biowaffe
5. Neuer Weltrekord bei der Datenübertragung per Funk