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Sonntag, 24.09.2017
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Großer Wendelstein wird überwacht

Forscher führen Messungen am Meißner Burgberg durch

Bewegt er sich oder bewegt er sich nicht? Entstehen Risse im Bauwerk? Und wenn ja, wie groß sind sie? Diese und viel andere Fragen zur Stabilität des „Großen Wendelstein“ in der Albrechtsburg zu Meißen (Sachsen) untersuchen zurzeit Geodäten. Sie werten dabei Daten aus, die mit einer ungewöhnlichen Messmethode erhoben werden.
Albrechtsburg in Meißen

Albrechtsburg in Meißen

Im Zuge der Renovierung der Albrechtsburg Meißen wurde auch der Große Wendelstein, ein Rundturm, dessen Bau im Jahr 1485 gemeinsam mit dem Mittelteil der Burg fertig gestellt wurde, saniert. Um den Erfolg der ebenso aufwändigen wie teuren Maßnahme abzusichern, hat das Geodätische Institut der TU Dresden, das auch die ausführlichen Überwachungsmessungen bei der Renovierung der Dresdner Hofkirche durchführte, eine Messstation entwickelt, die direkt im Turm Platz findet. Sie musste in der Lage sein, die Neigung des Wendelsteins gegenüber der Albrechtsburg mit einer Genauigkeit von 0,1 Millimeter festzustellen.

Der Bauherr, der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) in Dresden, erhofft sich von der Überwachung in Zukunft zuverlässige Auskunft über Risse im Bauwerk: sind sie durch normale jahreszeitliche Schwankungen bedingt oder gibt es vielleicht noch andere Einflüsse auf die Neigung des Turmes?

Der Neigung des Turms auf der Spur


Die von Professor Michael Möser zusammen mit seinen Mitarbeitern neu entworfene Messapparatur misst die Entfernung zwischen zwei Referenzpunkten - einer direkt im Meißner Dom, einer an der Außenseite des Wendelsteins -, oder genauer: sie berechnet sie durch Hilfsmessungen. Denn die Entfernung von circa zehn Metern kann durch Wände, Treppen und Mauern hindurch an dieser Stelle unmöglich direkt und präzise festgestellt werden.


Die Geodäten um Möser behalfen sich deshalb anders: sie installierten zwei Geräte, die jeweils über einen Flüssigkeitshorizont optoelektronisch ihre eigene Neigung mit einer Genauigkeit von 0,005 Millimeter pro Meter messen, und rechneten dann die Differenz der beiden Winkelmaße in die Neigung des Turms um.

Messung alle 15 Minuten


Alle fünfzehn Minuten werden diese Messungen nun durchgeführt und über eine Telefonleitung an die Universität übertragen. Dort können die Forscher die Daten sofort auswerten. In den drei Betriebsmonaten sind so schon knapp 10.000 Messungen zusammengekommen, die auf ihre statistische Analyse warten.

„Wir erhoffen uns durch die Auswertung Informationen über die Notwendigkeit und den Zeitpunkt etwaiger weiterer Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen“, erklärt Möser. Den Zeitpunkt, da der Schnee im Frühling langsam taut und die ersten Sonnenstrahlen das Gebäude erwärmen, wollen die Wissenschaftler noch abwarten, um genauere Auswertungen vornehmen zu können.

Erste Daten deuten auf dauerhafte Stabilität hin


Was die ersten Daten angeht, kann der Wissenschaftler aber schon etwas beruhigen: in den vergangenen drei Monaten hat sich der Turm im Tages- und Jahresgang mit den entsprechenden Temperaturschwankungen in normalen Größenordnungen bewegt. „Wenn in den nächsten Jahren diese Tendenz beibehalten wird, können wir von einer dauerhaften Stabilität ausgehen“, prognostiziert Möser.
(idw - Technische Universität Dresden, 19.02.2008 - DLO)
 
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