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Dienstag, 25.07.2017
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Wellen formen Seepockenpenis

Ungewöhnliches Beispiel für nicht-sexuelle Selektion eines Fortpflanzungsorgans entdeckt

Bei den Seepocken sind es nicht die konkurrierenden Männchen oder wählerische Weibchen, die im Laufe der Evolution den wahrscheinlichsten längsten Penis des Tierreichs entstehen ließen, sondern die örtlichen Wasserbedingungen. Über dieses ungewöhnliche Beispiel einer nicht-sexuellen Selektion berichten kanadische Forscher in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B”.
Seepocken sind auf den ersten Blick kaum als Tiere zu erkennen, gehören aber zu den Krebsen. Den weichhäutigen Körper von einer kegelförmigen, kalkigen Schale geschützt, sind die erwachsenen Seepocken auf Felsen, Holz oder Muscheln festgewachsen. Mithilfe zu Rankenfüßen umgebildeten Extremitäten filtern sie Nahrung aus dem umgebenden Meerwasser. Bei ihrer Fortpflanzung jedoch gibt es ein Problem: Denn sie sind zwar Zwitter, können sich aber nicht selbst befruchten, sondern müssen sich paaren – obwohl sie festgewachsen sind.

Als Folge haben die Seepocken die im Verhältnis zu ihrer Körpergröße längsten Penisse im gesamten Tierreich entwickelt – bis zum achtfachen ihrer Körperlänge kann dieser erreichen – muss aber nicht. Denn wie jetzt die kanadischen Biologen Christopher Neufeld und Richard Palmer von der Universität von Alberta herausgefunden haben, variiert die Penislänge der Seepocken mit den örtlichen Wasserbedingungen.

Sitzen die Krebstiere an einem Standort mit starkem Wellengang und turbulentem Wasser, ist ihr Fortpflanzungsorgan eher dick und kurz. Er ist damit auch bei starker Strömung besser manövrierbar und kann benachbarte Seepocken erreichen ohne abgetrieben zu werden. Umgekehrt bringt ein langer, dafür aber dünnerer Penis in ruhigeren Gewässern den Vorteil einer größeren Reichweite und damit eines größeren Paarungserfolgs.


Spannend daran ist für die Forscher vor allem die Tatsache, dass in diesem Fall die Eigenschaften des Genitals nicht durch sexuelle Selektion bestimmt wird, sondern allein durch die Umweltbedingungen. Während sonst im Tierreich oft die Konkurrenz mit anderen Männchen oder die Auswahl durch die Weibchen entscheidende Einflüsse ausüben, scheint es in diesem Fall tatsächlich vor allem die Wellenkraft zu sein.
(University of Alberta, 11.02.2008 - NPO)
 
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