Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Synchrotron-Strahlung geht auch ohne Teilchenbeschleuniger
Strahlungsquelle erstmals in normalem Labor hergestellt
Um die energiereiche Synchrotron-Strahlung zu erzeugen, brauchte man bisher riesige und teure Teilchenbeschleuniger. Doch jetzt haben Physiker erstmals diese röntgenähnliche Strahlung in einem ganz normalen Labor produziert – mithilfe eines Lasers. Vom erfolgreichen Ausgang dieses so genannten „Undulator-Experiments" berichtet die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature physics".

Physiker Hans-Peter Schlenvoigt im Laserlabor
Physiker Hans-Peter Schlenvoigt im Laserlabor
© Universität Jena Physiker Hans-Peter Schlenvoigt im Laserlabor
Synchrotron-Strahlung sind elektromagnetische Wellen, deren Wellenlänge meist im Bereich der Röntgenstrahlung liegen. Zur Erzeugung dieser Strahlung, die vorrangig für Materialuntersuchungen eingesetzt wird, sind bislang riesige Teilchenbeschleuniger-Anlagen notwendig. Weltweit gibt es davon gerade mal einige Dutzend. Doch Physikern aus Jena, Glasgow und Stellenbosch in Südafrika gelang das Experiment nun im Labor des Instituts für Optik und Quantenelektronik (IOQ) – und damit erstmals in kleinem Maßstab. „Ziel war es, mit einem Laser-Teilchenbeschleuniger eine neuartige Synchrotronquelle zu entwickeln. Das ist uns gelungen", sagt Diplom-Physiker Hans-Peter Schlenvoigt vom IOQ.

Laserstrahl wird „onduliert“
Ausgangspunkt des „Undulator-Experiments" war ein linearer Titan-Saphir-Laser, der in einen Helium-Gasstrahl fokussiert wird. Dabei werden in Bruchteilen eines Millimeters Elektronen auf Energien beschleunigt, für die sonst mehrere Meter an Beschleunigungsstrecke benötigt werden. Dieser Elektronenstrahl wurde anschließend durch einen so genannten Undulator geschickt. Ein Undulator besteht aus einer Abfolge von Dipolmagneten, die abwechselnd in Nord-Süd-Ausrichtung geschaltet sind. Diese Anordnung versetzt die Elektronen in Wellenbewegungen. Die Arbeitsweise gleicht einem Ondulierstab zum Eindrehen der Haare: Beide Begriffe gehen auf das lateinische Wort "Unda" für Welle zurück.

Weg frei für „Synchrotron-Strahlung für alle“
Hinter den für das Experiment entwickelten Undulator schalteten die Physiker der Universität Jena zwei Spektrometer so, dass mit ihnen die Synchrotron-Strahlung eindeutig nachgewiesen werden konnte. „Bei unserem Experiment haben wir zunächst die Synchrotron-Strahlung als solche identifiziert und nachgewiesen, dass diese Strahlung in wesentlich kleineren Anlagen als bisher erzeugt werden kann", sagt Hans-Peter Schlenvoigt. Der Vorteil liege klar auf der Hand: Auch kleinere Forschungseinrichtungen und Universitäten werden sich zukünftig Synchrotron-Strahlungsquellen leisten können.

Die Idee zum „Undulator-Experiment" kam von schottischen Physikern um Dino Jaroszynski von der University of Strathclyde in Glasgow. Mit ihrem Projekt „Alpha-X" wandten sie sich im Rahmen des Laserlab Europe-Austauschprogrammes nach Jena, wo das nötige Know-how vorhanden ist. „Ähnliche Experimente in anderen Ländern waren zuvor fehlgeschlagen", sagt Schlenvoigt. Beteiligt am erfolgreichen Experiment waren zudem Erich Rohwer aus Stellenbosch und die Jenaer Physiker Kerstin Haupt, Alexander Debus, Fabian Budde, Oliver Jäckel, Sebastian Pfotenhauer und Heinrich Schwoerer.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Teilchenbeschleuniger, Synchrotron, Strahlung, Laser, Labor, elektromagnetische Wellen, Undulator, Synchrotronstrahlung, Physik, Teilchenphysik
Weitere News zum Thema
Die flüssigste Flüssigkeit des Universums (18.01.2012)
Forscher legen neue Ergebnisse zur Viskosität des Quark-Gluon-Plasmas vor
Neue Hinweise auf Higgs-Teilchen (14.12.2011)
LHC-Daten grenzen Masse des "Gottesteilchens" stark ein
Sind Neutrinos schneller als das Licht? (26.09.2011)
Experiment liefert mögliches Indiz für Bruch der Relativitätstheorie
Physik: Lücke im Standardmodell immer wahrscheinlicher (18.07.2011)
Verteilung von Elementarteilchen im Teilchenbeschleuniger deutet auf Symmetriebruch hin
Elementarteilchen aus sechs Quarks entdeckt? (21.06.2011)
Im COSY-Beschleuniger entdecktes Teilchen könnte ABC-Effekt erklären
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Das Mysterium der Masse
Die Suche nach dem Higgs-Teilchen
Superenergien aus dem All
Von kosmischen und irdischen Teilchenbeschleunigern
Urknall im Speicherring
Teilchenphysiker auf der Suche nach dem Ursprung des Universums
Wie relativ ist die Zeit?
Auf der Suche nach Einsteins Zeitdehnung
Universum aus brodelnden Schleifen
Erklärt die Looptheorie die Welt?
Little Big Bang
Spielen Teilchenphysiker mit unserem Universum?
Albert Einstein
Wie die Zeit relativ wurde und die vierte Dimension entstand
News des Tages
Waterworld im Weltraum
Barbara Meier: Mädchen und Mathe – das passt
Tierisches „Stein-Schere-Papier“ als Triebkraft der Artenvielfalt?
Raumlabor Columbus auf dem Weg zur ISS
Sechs neue Echsenarten entdeckt
Mikrobe in heißer Quelle frisst Ammoniak
Synchrotron-Strahlung geht auch ohne Teilchenbeschleuniger
Bücher zum Thema
Antimaterie
Auf der Suche nach der Gegenwelt von Dieter B. Herrmann
Laser
von Fritz K. Kneubühl und Markus W. Sigrist
QED
Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie von Richard P. Feynman
Das elegante Universum
Superstrings, verborgene Dimensionen und die Suche nach der Weltformel von Brian Greene
Wissen hoch 12
Ergebnisse und Trends in Forschung und Technik von Harald Frater, Nadja Podbregar und Dieter Lohmann
Top-Clicks der Woche
1. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
2. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes