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Mittwoch, 20.09.2017
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Gendefekt verstellt Innere Uhr

Ein Viertel aller Deutschen lebt gegen biologischen Rhythmus

Wenn jemand extremer Frühaufsteher oder Langschläfer ist, könnte dies an einem Gendefekt liegen. Dies berichten jetzt Berliner Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).
Das Licht ist ein wichtiger Zeitgeber unserer inneren Uhr

Das Licht ist ein wichtiger Zeitgeber unserer inneren Uhr

Mit einem kleinen Stich in den Arm entnahm das Team um Professor Achim Kramer vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité Hautzellen von Patienten, die unter Schlafstörungen leiden. Die entnommenen Zellen wurden kultiviert. Im Zelllabor beobachteten die Forscher anschließend die Aktivität der so genannten Uhrgene in Abhängigkeit von der Tageszeit. So erhielten sie für jede Testperson ein individuelles Profil.

Leben gegen den biologischen Rhythmus


Mit einem Fragebogen bestimmten die Forscher dann, zu welcher Tageszeit die Probanden verschiedene Aufgaben lieber durchführen. Das Ergebnis: Sind die Gene aktiv, ist es der Mensch auch. „Allein am Verlauf der Kurven können wir vorhersagen, ob es sich um einen Frühaufsteher oder Langschläfer handelt“, beschreibt Kramer das Prinzip.

Ein Teil der untersuchten Patienten wurde sogar als extremer Spät- oder Frühtyp eingeordnet. Die Analyse ihrer Hautzellen lässt die Forscher vermuten, dass sie einen Gendefekt haben, der ihre innere Uhr verstellt. Rund ein Viertel aller Deutschen leiden darunter.


„Für die Betroffenen ist es ein Problem“, sagt Kramer, „weil sie ständig gegen ihren biologischen Rhythmus leben müssen.“ Sie sind zu einer anderen Phase des Tages aktiv und können sich nur schwer an die Zeiten von Freunden, Schule oder Beruf anpassen. Oft leiden diese Menschen auch an Schlafstörungen, Stress und psychischen Erkrankungen.

Frühaufsteher, Langschläfer, Partymuffel und Nachteulen


„Mit unserer neuen Untersuchungsmethode ist es jetzt möglich, in kurzer Zeit zu testen, ob das Problem genetisch bedingt ist“, erklärt der Chronobiologe. „Eine individuelle Behandlung, zum Beispiel mit Lichttherapie, kann so gezielt helfen.“

Dass die so genannte Masteruhr unseren inneren Rhythmus steuert, ist schon seit einiger Zeit ist bekannt. Sie ist im Gehirn direkt mit den Sehnerven verknüpft und wird über das Sonnenlicht „gestellt“. Doch auch unsere Gene beeinflussen die Masteruhr, wie die Ergebnisse der Charité-Studie zeigen. So gibt es unabhängig von der Sonne Frühaufsteher und Langschläfer, Partymuffel und Nachteulen.
(idw - Charité-Universitätsmedizin Berlin, 30.01.2008 - DLO)
 
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