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Samstag, 21.01.2017
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Olivenöl doch nicht gesund?

Einfach ungesättigte Fettsäuren können zur Arteriosklerose beitragen

Olivenöl ist gesundheitsfördernd, denn es kann den Cholesterinspiegel senken und damit dazu beitragen, Herzinfarkte zu verhindern – so glaubte man bisher. Das dem offenbar nicht so ist, legt jetzt eine neue Studie Münsteraner Wissenschaftler nahe. Danach kann Olivenöl sogar entscheidend zur Arteriosklerose beitragen.
Blutgefäße

Blutgefäße

„Zwar lässt sich ein Zusammenhang zwischen mediterraner Kost und geringerer Herzinfarktrate statistisch eindeutig nachweisen“, so Professor Josef Krieglstein, der in Münster derzeit als Gastprofessor forscht, „doch zu mediterraner Kost gehören viele verschiedene Komponenten.“ Dass es das Olivenöl ist, das gesundheitsfördernd wirkt, sei niemals nachgewiesen worden.

Im Gegenteil: Krieglstein konnte jetzt zusammen mit Professorin Dr. Susanne Klumpp vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie zeigen, dass einige einfach ungesättigte Fettsäuren wie die Ölsäure aus Olivenöl die Aktivität der Proteinphosphatase Typ 2C (PP2C) massiv steigern und damit das Risiko von Arteriosklerose und ernsthaften Herz-Kreislauf- Erkrankungen eher erhöhen.

Endothelzellen gehen unter


Proteinphosphatsen regulieren beispielsweise Enzyme, indem die Seitengruppen eines Proteins über Phosphatmolekül modifiziert werden, was zu einer Aktivierung oder zur Signalübermittlung genutzt wird. Sie spielen damit eine zentrale Rolle in der Zellfunktion. Eine erhöhte Aktivität von PP2C führt zur so genannten Apoptose, dem programmierten Zelltod. Allerdings sind dafür relativ hohe Konzentrationen von einfach ungesättigten Fettsäuren nötig. Diese kann in den Zellen, die die Gefäßinnenwand auskleiden, den so genannten Endothelzellen, durchaus erreicht werden. Das bedeutet, dass größere Mengen an Olivenöl entsprechend große Mengen an Ölsäure freisetzen, die dann zum vermehrten Untergang von Endothelzellen beitragen.


Die Gefäßwand wird damit durchlässiger für die Fettpartikel und weißen Blutkörperchen, die eine Arteriosklerose verursachen, indem sie sich anlagern und so genannte arteriosklerotische Plaques bilden. Wenn diese platzen, erleidet der Mensch einen Herzinfarkt. Olivenöl könnte so also die Entwicklung einer Arteriosklerose sogar fördern und nicht - wie allgemein angenommen - eine Arteriosklerose hemmen.

Meerschweinchen als Untersuchungsobjekte


Die im Labor von Klumpp und Krieglstein erzielten Ergebnisse sind eindeutig, ungeklärt ist allerdings noch, wie die Vorgänge in einem intakten Organismus ablaufen. Deshalb wurden gesunde Meerschweinchen vier Monate lang mit einer ölsäurereichen Diät gefüttert. Danach konnte allerdings keine Arteriosklerose nachgewiesen werden. „Das kann aber auch daran liegen, dass Meerschweinchen grundsätzlich nur selten Arteriosklerose entwickeln“, so Krieglstein.

Allerdings hatten die mit Oleat gefütterten Meerschweinchen statistisch signifikant kleinere und leichtere Herzen als die der normal gefütterten Kontrollgruppe. Nachgewiesen wurden auch häufiger geschädigte Herzmuskelzellen. Um ganz sicher zu gehen, dass Ölsäure auch Herzmuskelzellen und nicht nur die Endothelzellen schädigen kann, züchtete das Team um Klumpp sie in Zellkultur und behandelten sie unter definierten Bedingungen mit Ölsäure. Auch hier zeigte sich eine eindeutige Schädigung von Herzmuskelzellen.

„Die landläufige Meinung, dass Olivenöl gesund ist, muss wohl revidiert werden“, so Krieglstein. „Sicher muss vor einer endgültigen Aussage die Wirkung von Olivenöl beim Menschen geprüft werden. Aber schon jetzt darf man berechtigte Zweifel an den so einseitig gepriesenen Vorteilen von Olivenöl haben.“

Auch Omega-3-Fettsäuren im Test


Die Wissenschaftler interessierte in diesem Zusammenhang natürlich auch die Wirkung mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Die anti-arteriosklerotische Wirkung von so genannten Omega-3-Fettsäuren, wie sie in Fischöl vorkommen, ist vielfach nachgewiesen. Auch diese Fettsäuren steigerten in den experimentellen Modellen von Klumpp die Aktivität der Proteinphosphatase, allerdings nur in einer Konzentration, wie sie im menschlichen Organismus nicht erreichbar ist.

In niedrigen Konzentrationen, wie sie im Körper vorkommen, wiesen die Wissenschaftler dagegen eine schützende Wirkung einer solchen Fettsäure, der 3-Docosahexaensäure, auf Endothelzellen nach. Dagegen konnte für Ölsäure und andere einfach ungesättigte Fettsäuren kein derartiger schützender Effekt bei niedrigen Konzentrationen festgestellt werden.

Gesättigte Fettsäuren heben nach den Ergebnissen der Forscher die schädigende Wirkung der einfach ungesättigten Fettsäuren teilweise wieder auf. Krieglstein und Klumpp raten deshalb zu einer ausbalancierten Zusammensetzung der Ernährung aus ungesättigten Fettsäuren, die eher in flüssigen Fetten, und gesättigten Fettsäuren, die eher in festen Fetten wie Butter zu finden sind.
(idw - Universität Münster, 24.01.2008 - DLO)
 
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