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Sonntag, 26.03.2017
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Panzerwurm klärt 150 Jahre altes Fossilien-Rätsel

Erstes gut erhaltenes Fossil einer rätselhaften, 480 Millionen Jahre alten Tiergruppe entdeckt

Ein im Südosten Marokkos entdecktes Fossil eines urzeitlichen Panzerwurms hat jetzt ein 150 Jahre altes Rätsel der Paläontologie geklärt. Denn das sogar noch mit Weichteilresten konservierte Relikt ermöglichte erstmals die verwandtschaftliche Einordnung dieses zuvor wahlweise den Würmern, Krebstieren oder Stachelhäutern zugeordneten Rätseltieres.
Fossil und Zeichnung des ausgestorbenen Panzerwurms

Fossil und Zeichnung des ausgestorbenen Panzerwurms

Die Natur hat im Laufe der Evolution eine Vielzahl von Organismen verschiedenster Form und Lebensweise hervorgebracht. Viele von ihnen sind heute längst wieder ausgestorben und nur noch Knochen oder Panzer zeugen von ihrer Existenz. Zu ihnen gehören auch die Machaeriden – wurmähnliche Wirbellose, die vor 485 bis 305 Millionen Jahren im Meer lebten.

Wurm, Krebs oder Stachelhäuter?


Vor rund 150 Jahren entdeckten Paläontologen erstmals Reste der gepanzerten Rückenplatten dieser Tiere in marinen Fossilablagerungen weltweit. Offenbar bildeten sie einen wichtigen Teil des urzeitlichen Ökosystems am Meeresboden. Aber da nur Teile der Panzer gefunden wurden, gab es bisher kaum Informationen darüber, wie der Körper dieser wurmähnlichen Tiere ausgesehen hat – und daher war es auch nicht möglich zu bestimmen, mit welchen ausgestorbenen oder noch lebenden Tiergruppen die Machaeriden am nächsten verwandt waren.

Die Spekulationen über ihre Einordnung reichten von einer Zugehörigkeit zu den Mollusken, der Gruppe, zu der auch Schnecken und Muscheln gehören, über Seepocken, Stachelhäuter und Anneliden, der Gruppe, zu der viele Meereswürmer und die Regenwürmer gehören. „Diese Tiere zersetzten sich sehr schnell nach dem Tod“, erklärt Jakob Vinther, Geologe von der Universität Yale und Mitarbeiter der Studie. „Komplette Fossilien ihres Rückenpanzers sind daher selten und die Funde bestanden bisher hauptsächlich aus isolierten Panzerplatten, verteilt im Sediment.“


Borsten und Beinanhänge verraten Zugehörigkeit


Jetzt jedoch ist in einer Ausgrabungsstelle im Südosten Marokkos erstmals ein Exemplar eines Machaeriden gefunden worden, das nicht nur einen nahezu intakten Rückenpanzer besitzt, sondern von dem auch Reste der Weichteile konserviert sind. Das rund zweieinhalb Zentimeter lange Fossil enthüllt einen langgestreckten Körper mit paarigen, beinähnlichen Anhängseln an jedem Segment und zwei Bündeln von steifen Borsten an jedem dieser Anhänge.

Und genau diese Eigenschaften verraten den Paläontologen endlich, welcher Tiergruppe sie die Machaeriden zuordnen sollen. Denn Segmente mit Anhängen und Borsten gelten als typisch für die Anneliden. „Das neue Exemplar identifiziert die Machaeriden eindeutig als Anneliden, eine extrem erfolgreiche und vielfältige Tiergruppe, zu der sehr bekannte Tiere wie der Regenwurm, der Egel oder die Seemaus gehören“, erklärt Vinther. Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse der Machaeriden innerhalb der Anneliden sind zwar noch unklar, die Präsenz des schuppigen Panzers deutet aber daraufhin, dass sie zu einer Gruppe von marinen Borstenwürmern gehören könnten, die noch heute den Meeresboden bevölkern.

Gepanzerte Anneliden früher entwickelt als angenommen


„Diese aufregende Entdeckung hat und wichtige neue Einblicke in die Evolution der Anneliden gegeben“, erklärt Derek Briggs, Hauptautor der Studie und Professor für Geologie und Geophysik an der Yale Universität. „Sie zeigt, dass einige dieser Würmer, die erstmals während der kambrischen Explosion der Artbildung auftauchten, schon früh in ihrer Entwicklung einen hochgradig charakteristischen Rückenpanzer ausbildeten.“ Nach Ansicht der Wissenschaftler beleuchtet dieser Fund auch die Wichtigkeit der Paläobiologie und der anhaltenden Suche nach Fossilien, denn sie sorgt für ein besseres Verständnis der Evolution unserer Biosphäre.
(Yale University, 14.01.2008 - NPO)
 
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