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Dienstag, 23.05.2017
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„Wahre Kosten“ von Gen-Patenten aufgedeckt

Greenpeace-Studie dokumentiert ökonomische Folgen

Über 100 Patente auf Gene von Mensch und Tier wurden im Jahr 2003 vergeben. Doch die Folgen derartiger Patente sind erheblich: Für bestimmte Arzneimittel und Diagnosetests explodieren die Kosten, Ärzte werden in ihrer Arbeit behindert, die Pflanzenzucht wird blockiert sowie Forschung und Entwicklung beeinträchtigt. Das ist das Ergebnis einer Dokumentation, die Greenpeace am Mittwoch zusammen mit Misereor und der Bundesärztekammer in Berlin vorgestellt hat.
DNA

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Untersucht wurden insbesondere Patente auf Gene und auf Saatgut. Greenpeace, Misereor und Bundesärztekammer lehnen die Umsetzung der Gen-Patentrichtlinie der EU in Deutschland ab, die der Bundestag derzeit berät. "Mit den weitreichenden Monopol-Patenten zocken einzelne Firmen auf Kosten der Allgemeinheit ab", sagt Christoph Then, Patentexperte von Greenpeace. "Einen Nutzen von den Gen-Patenten haben die Patentinhaber und die Patentanwälte, die dieses System auch erfunden haben. Ärzte, Patienten, Landwirte und Züchter geraten in ein Netzwerk von neuen Abhängigkeiten", warnt Then. Auch andere Wissenschaftler wie Prof. Dr. Michael Trommetter vom Institut National de la Recherche Agronomique in Frankreich vertreten die Ansicht, dass Gen-Patente nicht fördernd für die Innovation sondern in vielen Fällen behindernd für die Forschung seien.

Die dokumentierten Fälle zeigen nach Ansicht von Greenpeace, wie systematisch derzeit das Patentrecht zum Abkassieren missbraucht wird. Die Patentinhaber würden die Kosten zur Untersuchung von Blutproben vervielfachen, den Einsatz besserer Testverfahren verbieten und Labors zwingen, ihre Forschung einzustellen. In der Pflanzenzucht werde inzwischen alles vom Saatkorn bis zur Ernte patentiert mit enormen Auswirkungen auf Kosten und Struktur des Marktes: Global haben sich inzwischen einige wenige Agrochemie-Konzerne durchgesetzt, die das Geschäft mit Saatgut kontrollieren. Auch in Deutschland, so Greenpeace, ergibt sich ein erschreckendes Bild: 50 Prozent der Patente entfallen hier auf Bayer und BASF, nur neun Prozent auf traditionelle Züchter.

Die umstrittene EU-Richtlinie erlaubt ausdrücklich Patente auf Gene, Pflanzen und Tiere, sowie auf Teile des menschlichen Körpers. In der Richtlinie formulierte Verbote, wie das zur Patentierung menschlicher Embyronen, sind dagegen kaum wirksam. Bundesjustizministerin Renate Zypries (SPD) setzt sich trotz dieser offensichtlichen Folgen für Umsetzung in Deutschland ein.
(Greenpeace, 29.04.2004 - NPO)
 
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