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Samstag, 19.08.2017
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Artenschwund in der Tiefsee gefährdet Meeresökosystem

Effizienz von ozeanischem Ökosystem steigt exponentiell mit der Biodiversität

Viele der in der Tiefsee lebenden Tierarten sind vom Aussterben bedroht, unter anderem durch die Veränderungen von Klima und Meereschemie. Jetzt hat eine neue, in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlichte Studie festgestellt, dass dieser Artenschwund fatale Folgen auch für das Ökosystem Ozean als Ganzes haben könnte.
Klima und Meer

Klima und Meer

Das Funktionieren eines Ökosystems basiert auf verschiedenen Prozessen, darunter vor allem die Produktion organischen Materials, die Aufnahme und Umwandlung dieses Materials durch Organismen im Rahmen der Nahrungskette und die Zersetzung und Wiederfreisetzung der Nährstoffe am Ende dieser Kette. In der Vergangenheit gab es bereits einige Hinweise darauf, dass der Verlust der Artenvielfalt diese entscheidenden Funktionen und die Nachhaltigkeit eines Ökosystems fundamental stören können. Für die Lebensgemeinschaften des Meeresbodens und der Tiefsee fehlten jedoch bisher die entsprechenden Daten.

Fadenwürmer als Indikatoren


Wissenschaftler eines internationalen Teams haben nun erstmals solche Daten gewonnen und belegt, dass wichtige ökologische Prozesse tatsächlich direkt von der Artenvielfalt der Tiefsee abhängig sind. Für ihre Studie untersuchten die Forscher die Artenvielfalt von Nematoden sowie weiteren wichtigen Indikatoren für die Funktionsfähigkeit und Effektivität des Ökosystems Tiefsee. Die mikroskopisch kleinen Fadenwürmer besiedeln nahezu alle Lebensräume auf der Erde, im und am Meeresboden machen sie sogar 90 Prozent der Lebewesen dort aus. Vorherige Studien deuteten bereits darauf hin, dass sie zudem gute Indikatoren auch für die Vielfalt anderer Tiefseearten darstellen.

Die Auswertung der in verschiedenen Meeren weltweit entnommenen Proben ergab tatsächlich einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Biodiversität und der Effizienz des Ökosystems. An Probenstellen mit größerer Vielfalt an Nematoden stiegen die Indikatoren für die Funktionsfähigkeit und Leistung des Ökosystems sogar exponentiell an – ein deutlicher Unterschied zu Ergebnissen für terrestrische Ökosysteme. Dieser starke Anstieg der Effizienz des Ökosystems in Abhängigkeit von der Artenzahl deutet darauf hin, dass einzelne Arten in der Tiefsee sehr viel enger mit anderen Arten verwoben sind als an Land, wo typischerweise ein linearer Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Ökosystemfunktionen besteht.


Biodiversität für gesamtes Meeres-Ökosystem entscheidend


„Wir haben belegt, dass das Funktionieren des Tiefsee-Ökosystems stark von der Anzahl der Arten abhängt, die den Meeresboden bewohnen“, erklärt Roberto Danovaro von der Polytechnischen Hochschule in Marche, Italien. „Das zeigt, dass wir die Biodiversität erhalten müssen und vor allem die Artenvielfalt der Tiefsee. Denn sonst könnte dies beispiellose Folgen haben. Wir müssen uns daher auch um Arten sorgen, die uns sehr fern stehen und im Prinzip nahezu unsichtbar sind.“

„Die Ökosysteme der Tiefsee liefern Produkte wie Biomasse, bioaktive Moleküle, Öl, Gas und Mineralien und übernehmen wichtige Funktionen wie die Klimaregulierung oder globale geochemische Prozesse auch für die gesamte Biosphäre und letztlich auch den Menschen“, betonen die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Erhaltung der Tiefsee-Biodiversität entscheidend sein könnte für die Nachhaltigkeit des größten Ökosystems unseres Planeten.“
(Cell Press, 02.01.2008 - NPO)
 
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