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Dienstag, 26.09.2017
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Plattentektonik als Ursache für Entstehung der ersten Menschen?

Dramatischste Landschaftsveränderungen in Ostafrika zeitgleich mit Vormenschen-Entwicklung

Seit langem untersuchen Forscher, wie Klima und Vegetation die Entwicklung der menschlichen Vorfahren in Afrika, der „Wiege der Menschheit“ beeinflussten. Jetzt haben amerikanische Geologen eine Theorie veröffentlicht, nach der es in erster Linie die Bewegungen der Erde selbst, die Bildung von Tälern und Gebirgszügen, waren, die neue Umwelten und damit auch veränderte Bedingungen für die Vormenschen erzeugten.
Äthiopisches Plateau

Äthiopisches Plateau

Afrika sitzt quasi rittlings auf zwei verschiedenen tektonischen Platten: Westlich des ostafrikanischen Rift-Grabens liegt die Afrikanische Platte, östlich davon die Arabische Platte. Seit rund 45 Millionen Jahren bewegen sich beide Platten allmählich auseinander. Triebkraft dafür ist ein Aufstrom heißen Magmas genau unter der Grenze, ein „Superplume“. Dies ließ nicht nur den sich vom Hochplateau Äthiopiens bis hin zum südafrikanischen Karoo-Plateau reichenden Rift-Graben entstehen, sondern türmte auch beiderseits des Tales hunderte von Kilometer lange Gebirgszüge auf.

Wann entstand die „Afrikanische Mauer“?


Ungefähr vor sieben bis vier Millionen Jahren spaltete sich der Stammbaum der Vormenschen, der Homininen, von dem der Affen ab. Als frühester Beleg eines eindeutigen Homininen gilt dabei Ardipithecus ramidus, ein Vormensch, der vor 4,4 Millionen Jahren lebte. Der erste Frühmensch der Gattung Homo entwickelte sich dagegen erst vor rund 2,5 Millionen Jahren. Die entscheidende Frage ist nun: Geschahen die dramatischen Veränderungen der ostafrikanischen Landschaft möglicherweise genau zu der Zeit, als sich auch der erste Vormensch entwickelte?

Royhan und Nahid Gani, zwei Geologen der Universität von Utah, untersuchten für ihre Studie den knapp 6.000 Kilometer langen Höhenzug aus Bergen und Hochplateaus, der sich paralell zum bekannten Ostafrikanischen Graben in grober Nord-Südrichtung durch den Osten Afrikas zieht. Anhand geologischer Daten ermittelten sie, wann genau sich „die große Afrikanische Mauer“ aufzutürmen begann und verglichen diese Datierung mit der zeitlichen Entwicklung der Vormenschen in dieser Region.


Größte Hebung zeitgleich mit Entwicklung der ersten Vormenschen


Die beiden Forscher analysierten zunächst das rund 480 Kilometer breite Äthiopische Plateau - den auffallendsten Teil der so genannten „Afrikanischen Mauer“, wie die Ganis den Gebirgszug auch nennen. Vorherige Studien gingen davon aus, dass das Plateau seine heutige Durchschnittshöhe von rund 2.500 Metern bereits vor etwa 25 Millionen Jahren erreichte. Anhand des Blauen Nils, der heute am Grund eines tiefen Canyons das Plateau durchquert, kalkulierten die Forscher die Geschwindigkeit, mit der sich der Fluss im Laufe der Zeit in das Gestein eingegraben hat.

Ihr Ergebnis: Es gab offenbar ausgedehnte Perioden von nur geringer Erosion und einem nur sehr langsamen Anheben des Untergrunds durch das Plume. Die schnellste Hebungsperiode dagegen ereignete sich just zwischen sechs und drei Millionen Jahren vor heute – ungefähr zu der Zeit, als auch die Vormenschen entstanden. Inzwischen sind auch Studien angrenzender Gebirgsregionen zu ähnlichen Schlüssen gekommen: Datierungen von Bergen in Malawi und Tanganjika kamen auf Entstehungszeiten zwischen fünf und zwei Millionen Jahren, der kenianische Teil der „Afrikanischen Mauer“ erhob sich vorwiegend zwischen sieben und zwei Millionen Jahren.

Lokale Klimafaktoren statt globaler Veränderungen?


„Offensichtlich ist die Afrikanische Mauer erst innerhalb der letzten sieben Millionen Jahre zu einer so prominenten Erhebung geworden“, erklärt Royhan Gani. „Damit spielte sie auch eine wichtige Rolle für die zunehmende Austrocknung Ostafrikas, da sie der vom Osten her über den Kontinent ziehenden feuchten Monsunluft das Wasser entzog.“ Der Gebirgszug stellte für die feuchten Luftmassen eine topografische Barriere dar und sorgte so dafür, dass es jenseits dieser Barriere weniger regnete.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die Änderungen im globalen Klimasystem als Hauptursache für die Austrocknung sehen, vertritt Ganis damit eine lokale Erklärung: Für ihn sind die Veränderungen in der Topografie die eigentliche Ursache für die Klimaveränderungen in Ostafrika zu dieser Zeit. Sie bewirkten nach und nach einen Wechsel von dichten Wäldern zu offener Savanne und veränderten damit drastisch die Umweltbedingungen für alle Lebewesen in dieser Region.
(University of Utah, 20.12.2007 - DLO)
 
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