Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Laser heilen Chromosomen
Neue Generation photonischer Werkzeuge im Nanomaßstab entwickelt
Schnitte ausführen, die fast 2.000 mal feiner sind als die Breite eines Haares, Löcher bohren, die nur Millionstel Millimeter klein sind – unmöglich? Keineswegs. Denn Forscher haben eine neue Technologie entwickelt, die diese Leistungen problemlos erbringt. NanoCut erlaubt es den Wissenschaftlern mithilfe von gebündeltem Licht beispielsweise Chromosomenbereiche mit einem genetischen Defekt auszuschalten.

Laser
Laser
© PNNL
Das Verfahren eröffnet aber auch noch weitere neue therapeutische Möglichkeiten, so die Forscher in der Fachzeitschrift „Nano Letters“. So könnte man die Hülle von Zellen anbohren, um sie für Medikamente durchlässiger machen. Auch in der Tumor-, Neuro- oder Augenchirurgie sehen die Forscher aus Jena und Saarbrücken Anwendungsfelder ihrer Methode.

Energie auf den Punkt gebracht
Laser gestatten es, große Energiemengen in einem extrem kleinen Punkt zu bündeln. Die auf diesen Punkt konzentrierte Energie verdampft die Materie an dieser Stelle, gleichgültig ob es sich dabei um Metall, Diamant, ein Haar, oder biologische Gewebe handelt. Auf diese Weise kann man mit der Energie des Laserlichtes schneiden, bohren und gravieren.

Auch menschliche Zellen oder gar einzelne Chromosomen lassen sich so mit Laserlicht bearbeiten. Bisher waren dem Schneiden mit Licht durch die Fokussierung des Laserstrahls jedoch Grenzen gesetzt. Kleiner als etwa 100 Nanometer konnte der Durchmesser eines mit dem Laser gebohrten Loches nicht sein.

Nanopartikel als Antennen
Wolfgang Fritzsche vom Institut für Photonische Technologien (IPHT) Jena entwickelte nun gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Karten Koenig von der Saar-Universität und der Firma JenLab GmbH ein Verfahren, das die Energie des Lasers auf einen Punkt bündelt, der noch erheblich kleiner ist. Er nutzt kleinste Metall-Teilchen, so genannte Nanopartikel, als Antennen, die das Laserlicht einfangen.

Extrem kurze Lichtimpulse reichen aus, um ein solches Teilchen anzuregen, dieses zu erwärmen und damit ein präzises Loch in das Gewebe zu brennen. Die Größe dieses Loches hängt nun von der Größe des Nanopartikels ab und nicht mehr von der Wellenlänge des Laserstrahls. Sie kann deshalb prinzipiell von vorher rund 100 Nanometern auf zehn oder gar fünf Nanometer verringert werden.

„Optischer Knockout“
Chromosomen des Menschen
Chromosomen des Menschen
© NGHRI
„Wir können dabei unsere Nanopartikel so markieren, dass sie an eine von uns ausgewählte Stelle auf dem Chromosom binden“, erläutert Fritzsche. Das ermöglicht es zum Beispiel, gezielt Bereiche des Erbgutes, die einen genetischen Defekt tragen, auszuschalten. Die Wissenschaftler sprechen vom „optischen Knockout“. „Wir können dabei auch parallel arbeiten“, nennt Fritzsche einen weiteren Vorteil seiner Methode, „und verschiedene Stellen im Erbgut auswählen, an die dann gleichzeitig jeweils maßgeschneiderte Nanopartikel andocken können. Das restliche Chromosom bleibt völlig unverändert, das ist ebenfalls sehr wichtig.“

Die von Fritzsche und seinem Team am IPHT verwendeten Metall-Nanopartikel sind nur wenige Milliardstel Meter groß und aus Gold oder Silber. Maßgeschneiderte Partikel, die mit ausgewählten biologischen Eigenschaften, zum Beispiel der Bindungsfähigkeit an bestimmte Erbgutabschnitte oder Proteine versehen sind, können nicht nur wie beschrieben als Lichtantennen, sondern auch aus Sensoren in lebenden Geweben eingesetzt werden. „Damit haben wir eine neue Generation photonischer Werkzeuge im Nanomaßstab in der Hand“, so Fritzsche, „die ganz neue Ansätze in der Markierung und Untersuchung biologischer Proben erlauben.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Erbgut, Laser, Licht, Nanotechnologie, Tumor, Gene, Chromosomen
Weitere News zum Thema
Genvariante verdoppelt Risiko für Schlaganfälle (06.02.2012)
Zehn Prozent der Menschen tragen die Veränderung auf Chromosom sieben
Indianer: Vorfahren kamen aus dem Altai (27.01.2012)
Übereinstimmende Gene deuten auf Verwandtschaft zu Zentralasiaten hin
Wie alt werden Fische? (26.01.2012)
Kreuzungsexperimente mit afrikanischem Prachtgrundkärpfling liefern wichtige Hinweise zur Genetik der Lebenserwartung
Rätsel um Bienen- Fortpflanzung gelöst (24.01.2012)
Forscher finden ersten Beweis für genetische Steuerung
Chromosomen-Explosion verursacht Hirntumore (23.01.2012)
Veränderung im Erbgut lässt Zellen besonders leicht zu Krebs entarten
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Genetik
Dossiers zum Thema
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
Gentherapie
Hybris oder Heilsbringer?
Genpatente
Wem gehört das Leben?
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
Klonen - Menschen nach Maß?
Der Griff nach dem menschlichen Erbgut
Wissenschaft auf dem Prüfstand
Wie weit darf die Forschung gehen?
News des Tages
Eismond Enceladus hat einen Hotspot
Proteine bringen Ordnung ins Wasser
Fische: Publikum entscheidet über Partnerwahl
Pflanzenwirkstoff treibt Krebszellen in den Selbstmord
Laser heilen Chromosomen
Bücher zum Thema
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Laser
von Fritz K. Kneubühl und Markus W. Sigrist
Das Wunder des Lichts
DVD der BBC
Nanotechnologie und Nanoprozesse
Einführung, Bewertung von Wolfgang Fahrner
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Es wird ein Mensch gemacht
Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik von Jens Reich
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Projekt Zukunft
Die Megatrends in Wissenschaft und Technik von Hans-Jürgen Warnecke
Skurrile Quantenwelt
von Silvia Arroyo Camejo
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes