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Sonntag, 17.12.2017
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Ionenstrahlen gegen Krebs

Therapie mit hohen Heilungsraten und geringen Nebenwirkungen kurz vor der Marktreife

Die Premiere fand vor genau zehn Jahren statt: Damals wurde in Heidelberg zum ersten Mal ein Patient mit einem Tumor an der Schädelbasis durch Ionenstrahlen behandelt. Die Bilanz des damals noch expermentellen Verfahrens: Heilungsraten von über 90 Prozent und sehr geringe Nebenwirkungen. Nun steht die Therapie kurz vor einer breiten klinischen Anwendung.
Ionenstrahltherapie

Ionenstrahltherapie

In Heidelberg wird nächstes Jahr das Heidelberger-Ionentherapie-Zentrum HIT, eine für die Therapie mit Ionenstrahlen maßgeschneiderte Anlage, in Betrieb gehen. HIT ist für die Behandlung von mehr als 1.000 Patienten pro Jahr ausgerichtet und basiert auf Entwicklungen der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI). Sie ist ein erster Schritt für eine breite Patientenversorgung im klinischen Routinebetrieb. Im Rahmen eines Lizenzvertrages der GSI mit Siemens Medical Solutions sind derzeit weitere Anlagen dieser Art im Bau und in Planung.

500.000 Kilometer in wenigen Sekunden


Die Behandlung mit Ionenstrahlen ist ein sehr präzises, hochwirksames und gleichzeitig sehr schonendes Therapieverfahren. Ionenstrahlen dringen in den Körper ein und entfalten ihre größte Wirkung erst tief im Gewebe, dort wo sie in einem nur stecknadelkopfgroßen Bereich stecken bleiben. Sie können so gesteuert werden, dass Tumoren bis zur Größe eines Tennis-balls Punkt für Punkt millimetergenau bestrahlt werden können. Das umliegende gesunde Gewebe wird weitgehend geschont. Das Verfahren eignet sich vor allem für tiefliegende Tumore in der Nähe von Risiko-organen, wie zum Beispiel dem Sehnerv oder dem Hirnstamm.

Ionen sind elektrisch geladene Atome. Bei der Behandlung in Heidelberg werden Ionen des Kohlenstoffatoms verwendet. Damit sie ins Tumorgewebe eindringen können, werden sie in den mehreren hundert Meter langen Beschleunigeranlagen auf sehr hohe Geschwindigkeiten, etwa 50 Prozent der Lichtgeschwindigkeit, gebracht. Die Beschleunigeranlagen müssen dafür vielfach durchlaufen werden, sodass der insgesamt in nur wenigen Sekunden zurückgelegte Weg der Ionen etwa 50.000 Kilometer beträgt, bevor sie in den Tumor geschossen werden.


Erfolgsquote mehr als 75 Prozent


In den ersten abgeschlossenen klinischen Studien an der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg. wurden Patienten mit Tumoren an der Schädelbasis behandelt. Nachfolgende Beobachtungen über fünf Jahre haben gezeigt, dass das Wachstum der bestrahlten Tumore, je nach Art des Tumors, bei 75 bis 90 Prozent der Patienten gestoppt werden konnte. Nur in sehr seltenen Fällen traten behandlungsbedürftige Nebenwirkungen auf. Aufgrund der überzeugenden Ergebnisse ist die Therapie für mehrere Indikationen inzwischen als Heilverfahren anerkannt. In neuen noch nicht abgeschlossenen Studien werden auch Patienten mit Tumoren an der Wirbelsäule und mit Prostatakrebs behandelt.

In der Regel kommen die Patienten an 20 aufeinander folgenden Tagen zu einer etwa 30-minütigen Behandlung. Dank der geringen Nebenwirkungen kann die Behandlung ambulant durchgeführt werden. Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist nicht nötig. Im Moment gibt es neben dem Behandlungsplatz an der GSI nur in Japan die Möglichkeit einer Therapie mit Ionenstrahlen. Die präzise punktgenaue Bestrahlung ist dort jedoch nicht möglich. Im Hinblick auf Präzision bei der Bestrahlung und Schonung des gesunden Gewebes ist das bei HIT zum Einsatz kommende Bestrahlungsverfahren deutlich überlegen.

Roboter als Assistenten


HIT besteht aus einer kompakten Beschleunigeranlage und drei daran angeschlossenen Behandlungsplätzen. An zwei Behandlungsplätzen kommen erstmalig kooperierende Roboter zur Positionierung der Patienten und der digitalen Röntgendiagnostik in die klinische Anwendung. Ein dritter Behandlungsplatz ist ebenfalls weltweit einzigartig. Er besitzt ein drehbares Strahlführungssystem für Ionenstrahlen, eine so genannte Gantry. Diese erlaubt es, den Ionenstrahl aus jeder beliebigen Richtung in den Körper des Patienten zu lenken, was die Behandlungsmöglichkeiten erheblich erweitert.

Die Anlage des HIT wurde von der GSI maßgeblich entwickelt. Mehr als 40 Patente sind aus diesen Entwicklungen hervorgegangen. Im Rahmen eines Kooperationsvertrags mit der GSI bietet Siemens Medical Solutions Therapieanlagen nach dem Vorbild von HIT schlüsselfertig auf dem Medizinmarkt an. Die erste Anlage am Universitätsklinikum in Gießen und Marburg befindet sich bereits im Bau.
(Helmholtz Gemeinschaft, 14.12.2007 - NPO)
 
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