Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 11.03.2010
Die Wirbelsäule von Frauen ist anders
Stärker ausgeprägte Lendenwirbelbiegung als Anpassung an die Schwangerschaft
Die Wirbelsäule von Frauen unterscheidet sich von denen der Männer. Ihre typische Krümmung im Lendenwirbelbereich ist großflächiger, das weisen amerikanische Anthropologen jetzt in der Fachzeitschrift „Nature“ nach. Wie sie berichten könnte dies eine Anpassung an die Belastungen der Schwangerschaft sein, die die ersten aufrecht gehenden Frühmenschen ausbildeten.

Aufnahme einer Wirbelsäule - vermutlich eines Mannes
Aufnahme einer Wirbelsäule - vermutlich eines Mannes
© GFDL Aufnahme einer Wirbelsäule - vermutlich eines Mannes
Die Wirbelsäule des Menschen ist einzigartig. Ihre typische S-Form mit einer Wölbung nach hinten im Brustbereich und einer Krümmung nach vorne im Lendenbereich entwickelte sich erst mit der Evolution des aufrechten Gangs. Doch damit nicht genug: Jetzt haben Forscher der Universität von Texas festgestellt, dass diese zweite Krümmung der Lendenwirbelsäule sich zudem auch noch bei Frauen und Männern unterscheidet. Bei Frauen sind an der Krümmung mehr Wirbel beteiligt als bei Männern, zudem sind die Gelenke zwischen den Wirbeln größer und stehen in einem leicht anderen Winkel.

Unterschied schon beim Australopithecus
Dieser Unterschied existiert wahrscheinlich bereits seit mindestens zwei Millionen Jahren. Denn Vergleichsuntersuchungen an Vormenschenskeletten und Menschenaffen ergaben, dass sogar schon der Australopithecus, der in Afrika lebende aufrecht gehende Vormensch, schon diese geschlechtsspezifische Krümmung aufwies. Bei Schimpansen dagegen fehlt sie. Nach Ansicht der Forscher ist dies ein Hinweis darauf, dass der aufrechte Gang eine Schlüsselrolle für die Entwicklung dieser Eigenschaft spielte.

Anpassung an Gewicht des Bauches
„Die natürliche Selektion begünstigte diese Anpassung, weil sie die zusätzliche Belastung auf die Wirbelsäule einer Schwangeren reduziert“, erklärt Liza Shapiro, Anthropologin an der Universität von Texas, die die Studie mit ihrer Kollegin Katherine K. Whitcome, inzwischen an der Harvard Universität, durchführte. „Ohne diese Anpassung würde eine Schwangerschaft die Rückenmuskeln stärker strapazieren, ziemliche Schmerzen und Erschöpfung verursachen und hätte damit möglicherweise die Sammlertätigkeit und die Fähigkeit, vor einem Raubtier fortzulaufen, stark beeinträchtigt.“

„Jede Mutter kann bestätigen, wie unbequem es ist zu stehen und zu gehen und dabei das Gewicht des Bauches vor dem Körper balancieren zu müssen”, so Shapiro. „Dennoch zeigt unsere Arbeit, dass ihre Wirbelsäule bereits angepasst ist, um die Schwangerschaft sicherer und weniger schmerzhaft zu machen, als sie es ohne diese Anpassung wäre.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Frühmenschen, Wirbelsäule, Australopithecus, Mensch, Frau, Mann, aufrechter Gang, Schwangerschaft, Evolution
Weitere News zum Thema
Forscher rekonstruieren DNA eines ausgestorbenen Menschen (12.02.2010)
Genom aus Haarbüschel enthüllt Details über erste Besiedler der grönländischen Arktis
Kleines Gehirn der „Hobbit”-Menschen doch normal? (27.01.2010)
Entwicklung kleinerer statt größerer Gehirne mehrfach innerhalb der Primaten nachgewiesen
Frühmenschen entgingen nur knapp dem Aussterben (25.01.2010)
Genstudie enthüllt drastischen Einbruch in Populationsgröße vor rund einer Million Jahren
Neandertaler nutzten Schmuck und Schminke (14.01.2010)
50.000 Jahre alte Relikte von dekorierten Muschelketten und Körperbemalung entdeckt
“Hobbit”-Mensch doch eigene Art (25.11.2009)
Statistische Analyse eines Flores-Skeletts liefert entscheidende Hinweise
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Eismumien
Neandertaler
Fossilien
Frühmenschen
Dossiers zum Thema
Der Streit um den Neandertaler
Anmerkungen zur Evolution des Menschen
Gene auf Wanderschaft
Was verrät unser Erbgut über die Migration des Menschen?
Projekt Neandertaler
Gene lösen Rätsel um eiszeitlichen Vetter
Zwischen Hund, Affe und Mensch
Brian Hare: „3chimps“ und die Entwicklung des sozialen Verhaltens
Charles Darwin
Leben ist Veränderung
Gott oder Darwin?
Der Kreationismus auf dem Vormarsch
News des Tages
Die Wirbelsäule von Frauen ist anders
Moosgene geben Einblick in pflanzlichen Landgang
Fisch im Handy
Embryonalentwicklung: Zufallsprinzip statt Blaupause
Komplexe Evolution mit wenigen Genen – wie geht das?
Vom Kristall zum Metall im Nanomaßstab
Ionenstrahlen gegen Krebs
Bücher zum Thema
Die Ursprünge der Menschheit
von Fiorenzo Facchini
Das Rätsel der Menschwerdung
von Josef H. Reichholf
Adams Eltern
Expeditionen in die Welt der Frühmenschen von Friedemann Schrenk & Timothy G. Bromage
Top-Clicks der Woche
1. Oktopus tarnt sich als Flunder
2. Dinosaurier: Der Tod kam doch aus dem All
3. Riesenschlange fraß Baby-Dino
4. Chile-Beben veränderte Erdachse und Tageslänge
5. Megabeben vor Chile wirft Fragen auf