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Freitag, 10.02.2012
Stürme werden heftiger und feuchter
Mehr Stürme in der Arktis, weniger, aber dafür stärkere in den mittleren Breiten
Gleich zwei neue Studien prognostizieren stürmische Zeiten für die Nordhalbkugel: Der Klimawandel und die damit verbundenen atmosphärischen Veränderungen bringen der Arktis mehr Stürme und den mittleren Breiten zwar weniger, aber dafür heftigere Stürme. Beide Studien sind jetzt in einer Sonderausgabe des Journal of Geophysical Research erschienen.

Tiefdruckwirbel
Tiefdruckwirbel
© NOAA
„Globale Klimamodelle deuten für das 21. Jahrhundert auf einen Anstieg in der Häufigkeit der Stürme in der Arktis hin“ erklärt Atmosphärenforscher Professor John Cassano von der Universität von Colorado in Boulder. „Für die mittleren Breiten ist der Trend weniger deutlich, klarer ist hier ein Anstieg in der Niederschlagsmenge verbunden mit den einzelnen Stürmen.“

„Versüßung“ des Meerwassers
Nach Ansicht von Cassano könnte ein stärkerer Niederschlag in den höheren Breiten im nächsten Jahrhundert wichtige Klimafaktoren beeinflussen, darunter saisonale Schneedecke, das Wachstum der Eisdecken und die Verdünnung des atlantischen Meerwassers durch Süßwasser. Die zunehmende „Versüßung“ könnte, wenn sie sehr ausgeprägt ist, die thermohaline Zirkulation beeinflussen – das Förderband, das unter anderem dafür sorgt, dass warmes Wasser an die Küsten Westeuropas gespült wird und das eine entscheidende Rolle für das globale Klima spielt.

„Schon jetzt haben Wissenschaftler stärkere Abflüsse von Flusswasser in den arktischen Ozean beobachtet“, so Cassano. „Diese Studien liefern ein weiteres Puzzlestück um die stattfindenden Veränderungen zu verstehen.“

Weniger, aber dafür wasserreichere Stürme bei uns
Während die Stürme in den hohen Breiten häufiger werden, nimmt ihre Zahl in den gemäßigten Breiten, beispielsweise in Mitteleuropa, nicht zu, wohl aber ihre Intensität und die Wassermenge, die sie mit sich bringen. Joel Finnis, Hauptautor der zweiten Studie und ebenfalls von der Universität von Colorado, analysierte die Auswirkungen des steigenden CO2-Gehalts in der Atmosphäre sowohl auf die Sturmhäufigkeit wie auch auf ihren Feuchtegehalt auf der gesamten Nordhalbkugel.

„Wir werden wahrscheinlich weniger Stürme erleben, die dafür aber mehr Feuchtigkeit enthalten“, erklärt der Forscher. „Das könnte bedeuten, dass einzelne Ereignisse schwerere Auswirkungen haben, aber insgesamt nehmen die Wasserressourcen eher ab.“ Am stärksten werden diese Veränderungen im Herbst, während der klassischen „Sturmsaison“ zu spüren sein, so das Ergebnis der Berechnungen.

Erwärmung macht Atmosphäre feuchter
Warum aber werden die Stürme feuchter? Das lässt sich am besten durch die zunehmende Erwärmung der Atmosphäre erklären, so Finnis, und damit verbunden ihre höhere Fähigkeit, Wasser zu binden. „Wenn sich die Atmosphäre erwärmt, kann sie mehr Wasser speichern“, erklärt der Wissenschaftler. „Diese Veränderung ist hauptsächlich für den Anstieg der Niederschläge in der Arktis verantwortlich, wie sie für die nächsten hundert Jahre vorhergesagt wird.“

Sowohl Cassano als auch Finnis nutzten für ihre Studien Datensätze aus dem vierten Weltklimabericht, den das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in diesem Jahr veröffentlicht hat. Sie analysierten Sturmbahnen und Niederschlagsveränderungen unter der Prämisse, dass sich die heutigen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre während des 21. Jahrhunderts verdoppeln.
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