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Freitag, 28.07.2017
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Höllen-Mikrobe als Treibhausgas-Fresser

Extrem widerstandsfähiges Methan fressendes Bakterium als Klimaschutzwerkzeug

Eine neu entdeckte Bakterienart könnte sich als Werkzeug im Kampf gegen die globale Erwärmung erweisen. Die Mikrobe stammt aus einem der lebensfeindlichsten Orte der Erde, einer extrem sauren heiße Quelle in Neuseeland. Wie Wissenschaftler jetzt in „Nature“ berichten, könnte sie zum Abau des Treibhausgases Methan eingesetzt werden.
Heiße Quelle

Heiße Quelle

Methan ist ein kohlenstoffhaltiges Gas, das eine 20fach stärkere Treibhauswirkung besitzt als Kohlendioxid. Es entsteht vor allem durch die Zersetzung von organischem Material beispielsweise in saurer Umgebung. Im Meeresgrund sind große Mengen Methans als Methanhydrat gelagert. An Land wird Methan unter anderem durch bestimmte Böden, industrielle Abfälle, Bergwerke, aber auch durch Organismen wie beispielsweise Rinder freigesetzt.

Überraschungsfund im „Höllentor“


Methan fressende Bakterien nutzen das Gas als ihre einzige Nahrungs- und Energiequelle und wandeln es in energiereiche Verbindungen und Kohlendioxid um. In Neuseeland nahe der Stadt Rotorua entdeckten Forscher der Universität von Calgary nun in einem geothermischen Feld, das als „Hell’s Gate“ – Höllentor – bekannt ist, einen der widerstandsfähigsten Methanfresser, die je gefunden worden sind. Die Mikrobe lebt inmitten von kochendem Wasser und Chemikalien, die für die meisten Lebensformen giftig sind.

“Das ist ein wirklich zäher Methan fressender Organismus, der in einem sehr viel saureren Milieu lebt als jeder andere zuvor entdeckte” erklärt Peter Dunfield, Hauptautor der Studie und Professor für Biologie an der Universität von Calgary. „Die Mikrobe gehört zu einer ziemlich mysteriösen Familie von Bakterien, den Verrucomicrobia, die zwar nahezu überall vorkommen, aber im Labor extrem schwer zu halten sind.“


Einsatz als biotechnologischer Klimaschutzhelfer denkbar


„Wir Wissenschaftler sind daran interessiert zu verstehen, welche Bedingungen diese Bakterien dazu bringen, in einer Umwelt mehr oder weniger aktiv zu sein“, erklärt Dunfield. „Unglücklicherweise sind bisher nur wenige dieser Arten genauer untersucht worden. Wir wissen jetzt aber, dass es davon noch viele mehr gibt.“

Dunfield hat das neue Bakterium erst einmal Methylokorus infernorum getauft, als Hinweis auf die höllischen Bedingungen, unter denen es lebt. Inzwischen sind Forscher der Universität von Hawaii und der chinesichen Nakai Universität dabei, das Genom des widerstandsfähigen Methanfressers zu sequenzieren. Ist dieses erst einmal bekant, könnte es dazu beitragen, biotechnologische Anwendungen für den Organismus zu entwickeln. Nach Ansicht der Forscher könnte die Mikrobe überall dort eingesetzt werden, wo Methan entsteht, aber die Bedingungen extrem toxisch für andere Bakterien sind, wie beispielsweise in industriellen Abfällen oder geothermischen Quellen.
(University of Calgary, 07.12.2007 - NPO)
 
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