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Sonntag, 22.01.2017
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Tiefsee: Wimmelndes Leben auch an kalten Quellen

Neue Bilder widerlegen Lehrmeinung

Bremer Wissenschaftler haben an untermeerischen kalten Quellen zum ersten Mal ähnlich große Mengen an Leben entdeckt, wie an heißen Quellen. Neue Bilder zeigen Tausende von weißen Krabben, die auf einem ausgedehnten Muschelfeld sitzen. Darüberhinaus konnten die Forscher an den kalten Quellen ebenfalls erstmals den Austritt von Fluiden filmen.
Krabben auf einem Muschelbett

Krabben auf einem Muschelbett

Bisher galt die Lehrmeinung, dass an den heißen Quellen wie zum Beispiel „Schwarzen Rauchern“ wesentlich mehr Leben existiert, als an kalten Quellen. Doch was im Scheinwerferkegel des Tauchroboters Quest des MARUM_Forschungszentrum Ozeanränder an der Universität Bremen zu sehen war, belehrte die Wissenschaftler eines Besseren: Muschelbänke von mehr als 30 Meter Durchmesser, dicht an dicht besetzt mit Tausenden weißen Krabben.

Falten in der Unterwasserlandschaft


„Damit lässt sich das Credo nicht mehr halten, dass an kalten Quellen generell weniger Leben ist als an heißen Quellen", so Gerhard Bohrmann, Leiter der Expedition in die Gewässer südlich von Pakistan. An Bord des Forschungsschiffes Meteor hatten die Wissenschaftler vom 31. Oktober bis zum 27. November vier Wochen lang den pakistanischen Kontinentalrand untersucht.

„Hier scheint den Lebewesen ähnlich viel chemische Energie in Form von Methan oder Schwefelwasserstoff zur Verfügung zu stehen, wie an heißen Quellen, so dass sich auch eine hohe Biomasse entwickeln kann.“, erklärt Bohrmann. Überrascht waren die Forscher auch von der Vielfalt der kalten Quellen.


Bohrmann mit Kolleginnen

Bohrmann mit Kolleginnen

„Wir haben neun verschiedene Quellen genauer untersucht und keine war wie die andere. Besonders der Sauerstoffgehalt, der im Untersuchungsgebiet mit der Tiefe stark variiert, bestimmte die Lebensgemeinschaften an den Quellen“, erläutert Bohrmann. Die großen Unterschiede der Quelltypen leiten sich vom geologischen Untergrund ab. „Auf Satellitenbildern wirkt die Küste Pakistans, nördlich des jetzt von uns untersuchten Gebietes faltig. Diese Falten setzen sich auch in der Unterwasserlandschaft fort. Dies kommt daher, dass sich die Arabische Platte mit etwa vier Zentimetern pro Jahr unter die Eurasische Platte schiebt“, erläutert Bohrmann.

Ablagerungen ausgequetscht


Beim Abtauchen der Arabischen unter die pakistanischen Landmassen werden die schlammigen Ablagerungen auf der Platte regelrecht ausgequetscht. Das in den Ablagerungen reichlich vorhandene Wasser tritt daher an kalten Quellen am Meeresboden aus. „Normalerweise sind die Ablagerungen nur etwa zwei bis vier Kilometer dick, doch hier sind es sieben. Deswegen war es für uns ein Muss dieses Gebiet zu untersuchen. Denn wo wesentlich mehr Sediment ist, können natürlich auch wesentlich mehr Fluide ausgepresst werden.“, so der Wissenschaftler.

Gerade diese Flüssigkeiten sind es, die die Wissenschaftler interessieren. Fluide, so bezeichnen die Wissenschaftler das veränderliche Gemisch aus Wasser, Methan, Schwefelwasserstoff, Sulfiden und einer Reihe weiterer Stoffe, die am Meeresboden an den verschiedenen Quelltypen austritt.

Zum ersten Mal konnten die Wissenschaftler reine Austritte von Flüssigkeiten ohne freies Gas an kalten Quellen direkt beobachten. „Dies verdanken wir den unglaublich scharfen Bildern, die die HD-Kameras des Tauchroboters Quest liefern. Das hat vor uns wohl noch keiner sehen können.“, sagt Bohrmann. Bis jetzt waren solche Austritte zwar vermutet, aber noch nicht beobachtet worden, da die technischen Möglichkeiten fehlten. Bisher war man darauf angewiesen, dass aufsteigende Gasblasen oder die von den Fluiden lebenden Organismen die Austrittstellen verraten.

Bindeglied zwischen Erdkruste und Ozean


„Die Austritte am Meeresboden sind deshalb für uns von so großer Bedeutung, weil sie das Bindeglied zwischen der Erdkruste und dem Ozean bilden“, so Bohrmann über die Relevanz der Untersuchungen. „Die Stoff- und Wärmemengen, die über diese Quellen in den Ozean und so auch in die Atmosphäre gelangen sind riesig. Doch wir haben noch eine viel zu geringe Vorstellung davon, wie diese Kreisläufe wirklich aussehen und wie sie das Leben auf unserem Planeten beeinflussen.“

Immerhin ist Methan ein 30-Mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. „Auf jeder Expedition lernen wir diese Systeme ein bisschen besser verstehen, so auch auf dieser, die uns einen großen Schritt näher an ein umfassendes Bild von kalten Quellen im Ozean herangeführt hat.“
(idw - MARUM_Forschungszentrum Ozeanränder, Universität Bremen, Kirsten Achenbach, 06.12.2007 - DLO)
 
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