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Freitag, 10.02.2012
Wieder mehr Acrylamid in Weihnachtsgebäck als nötig
foodwatch: Gute Herstellungspraxis muss Maßstab werden
Viele Lebkuchen und Spekulatius sind wieder mit wesentlich mehr Acrylamid belastet als nötig. Dies haben Tests der Verbraucherschutzorganisation foodwatch gezeigt. Die krebsverdächtige Substanz entsteht beim Backen und Braten und lässt sich durch gute Herstellungspraxis stark verringern.

Lebkuchen
Lebkuchen
© MMCD
„Der Test zeigt, dass sich einige Hersteller für einen niedrigen Wert des Gefahrenstoffs einsetzen“, stellte Matthias Wolfschmidt, Kampagnenleiter von foodwatch, fest. „Diese Hersteller werden dafür jedoch im Markt nicht belohnt, weil der Verbraucher nicht erkennen kann, welche Produkte wenig Acrylamid enthalten.“ foodwatch fordert deshalb Bundesernährungsminister Horst Seehofer auf, eine Produktkennzeichnung für Acrylamid vorzuschreiben. Sie würde zu einem Wettbewerb um die niedrigste Belastung und zu besseren, gesünderen Produkten führen.

Elf Lebkuchen getestet
Insgesamt hat foodwatch elf Lebkuchen, fünf Butter-Spekulatius und zwei Gewürz-Spekulatius auf den Gehalt an Acrylamid in einem staatlich akkreditierten Labor untersuchen lassen. Dabei enthielten die Lebkuchen „Echte Pulsnitzer Delikatess Lebkuchen Neue Rezeptur“ des Herstellers Frenzel mit 470 Mikrogramm pro Kilogramm (kg) mehr als 20 Mal so viel Acrylamid wie der Testsieger „Weissella Feine weiche Oblaten-Lebkuchen“ mit 21 Mikrogramm pro kg.

Verlierer bei den Butter-Spekulatius war laut foodwatch „Feinster Spekulatius Butter“ des Herstellers Bahlsen mit 180 Mikrogramm/kg und bei den Gewürz-Spekulatius „Fin Carré Gewürz-Spekulatius“ von Lidl - 340 Mikrogramm/kg. Vier der sieben Spekulatius-Produkte wiesen dabei wesentlich höhere Acrylamid-Gehalte auf als vor einem Jahr.

Während Lebkuchen-Hersteller mit guter Herstellungspraxis Backwerk mit weniger als 50 Mikrogramm/kg anbieten können, liegt der Signalwert des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit seit fünf Jahren unverändert bei 1.000 Mikrogramm/kg. Mit dem Signalwert sollen Hersteller dazu bewegt werden, die Acrylamid-Belastung zu senken.

Zwei Lebkuchen schon zu viel
„Das hat sich längst als untaugliches Mittel herausgestellt, weil sich der Signalwert an den höchsten Belastungen orientiert.“, so Wolfschmidt. Stattdessen müsse Seehofer die beste Praxis als Richtschnur festlegen, fordert foodwatch.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll die Tagesdosis ein Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschreiten. Demnach darf ein 20 Kilogramm schweres Kind nicht mehr als eineinhalb Lebkuchen der getesteten Sorte „Echte Pulsnitzer Delikatess Lebkuchen Neue Rezeptur“ täglich essen und dürfte außerdem kein anderes Röstprodukt wie Toast oder Pommes Frites zu sich nehmen, in denen ebenfalls Acrylamid enthalten ist.
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