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Dienstag, 26.09.2017
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Klimawandel: Landwirtschaft stärker betroffen als gedacht

Bisherige Prognosen berücksichtigten Extremereignisse nur ungenügend

Schon jetzt sehen die Voraussagen für die Landwirtschaft in einigen Regionen angesichts des Klimawandels nicht gerade rosig aus. Doch es kommt noch schlimmer: Gleich drei neue Studien belegen nun, dass in diesen Prognosen saisonale Extreme durch Hitze, Dürre oder Starkregen aber auch sekundäre ökologische Folgen nur ungenügend erfasst wurden und sie daher zu positiv ausgefallen sind. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“ veröffentlicht.
Weizenfeld

Weizenfeld

„Viele Menschen glauben, dass wir global gesehen nie ein Problem mit der Nahrungsproduktion haben werden“, erklärt Francesco Tubiele, Physiker und Landwirtschaftsexperte am NASA Goddard Institute of Space Studies und gleichzeitig Professor für Geowissenschaften an der Columbia Universität. „Aber es gibt ein großes Potenzial für negative Überraschungen.“

Um mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt halten zu können, wird sich die landwirtschaftliche Produktion von Getreide voraussichtlich auf rund vier Milliarden Tonnen pro Jahr verdoppeln müssen. Studien der letzten zehn Jahre deuten darauf hin, dass steigende Kohlendioxidgehalte der Luft anfangs sogar die Fotosyntheserate vieler Pflanzen ankurbeln und zunächst auch höhere Erträge bringen könnten. Zusätzlich dehnt sich durch das Schmelzen der Permafrostböden im hohen Norden die Fläche des bebaubaren Landes aus und erhöht dadurch ebenfalls die Produktivität.

Sinkende Erträge in den Tropen


Gerste

Gerste

Doch diese Gewinne werden gleichzeitig wieder aufgefressen durch die sinkenden Erträge in den Tropen, wo bereits bescheidene ein bis zwei Grad Temperaturanstieg die Trockenheit verstärken und bestimmte Pflanzen über ihre Toleranzgrenzen belasten könnten. Wissenschaftler schätzen, dass die Entwicklungsländer 135 Millionen Hektar Ackerland in den nächsten 50 Jahren verlieren werden. Hält der Temperaturanstieg an, wären nach 2050 auch die gemäßigteren Zonen betroffen.


Doch all das wird nun noch verschärft durch die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Studien. „Die bisherige Projektionen zeigen immer sanfte Kurven, aber eine solche sanfte Kurve hat es auch in der Geschichte der Menschheit nie gegeben“, so Tubiello. „Dinge passieren plötzlich und dann kann man nicht darauf reagieren.“

So können Extremwetter wie Hitzewellen oder plötzliche starke Stürme ganze Ernten in großem Maßstab vernichten, wenn sie sich zu kritischen Zeiten wie der Keimung oder der Blüte der Pflanzen ereignen. In kleinerem Maßstab, so Tubiello, ist dies bereits Realität. Während einer Hitzewelle im Sommer 2003 stiegen beispielsweise die Temperaturen in Italien sechs Grad über ihr langjähriges Mittel und die Getreideernte in der fruchtbaren Poebene fiel um 36 Prozent.

Nahezu alle Weidegründe der Erde sind Regen-abhängig. In Afrika führten Dürren in den 1980er- und 1990er-Jahren zum Tode von 20 bis 60 Prozent der Viehherden einiger Staaten. Genau solche und ähnliche Ereignisse werden sich in der Zukunft häufen und verstärken – mit entsprechenden Folgen, so die Autoren.

Mehr Viehkrankheiten und Pflanzenschädlinge


Und auch indirekte Auswirkungen werden sich in Zukunft stärker bemerkbar machen als bisher kalkuliert: So fördert die steigende Temperatur beispielsweise Viehkrankheiten und Pflanzenschädlinge, da sie die milderen Winter besser überleben. Auch schwächt sie Physiologie und Abwehrkräfte von Tieren und Pflanzen. Andere Studien deuten darauf hin, dass die Langlebigkeit und Milcherträge sinken könnten.

Nach Ansicht der Forscher müssen sich die Landwirte bereits jetzt durch Anpassungen auf diese Veränderungen vorbereiten. So könnten sie neue, hitze- oder trockenheitsbeständigere Sorten anbauen, Wasserspeichermöglichkeiten verstärken und Netze von regionalen Prognosen stärker ausbauen. Solche Maßnahmen würden den betroffenen Ländern einige Jahrzehnte Zeit erkaufen, in denen der Klimawandel gestoppt oder verlangsamt werden muss.
(The Earth Institute at Columbia University, 04.12.2007 - NPO)
 
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