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Freitag, 30.09.2016
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Rätsel um heiße Gasblase im Orionnebel

Können alle Sternenwiegen heiße Plasmen erzeugen?

Schweizer Forscher haben im Orionnebel eine ungewöhnliche neue Gasblase identifiziert, die einen großen Teil des Nebels ausfüllt. Sie besteht aus sehr dünnem und heißem Plasma, das heißt aus ionisiertem Gas, das eine geringe Dichte an Ionen aufweist und deshalb für Strahlen durchlässig ist. Die Temperatur beträgt rund zwei Millionen Grad Kelvin. Die Entdeckung führt zu grundsätzlich neuen Überlegungen, wie Galaxien aus solchen Gasblasen und Gasströmen zusammengesetzt sind, so die Forscher in der Online-Ausgabe von „Science Express“.
Gasblase

Gasblase

Schon im Mittelalter beobachteten arabische Astronomen den Orionnebel und gaben ihm den Namen „Na'ir al Saif“, was so viel bedeutet wie „Der Helle im Schwert“. Der Orionnebel ist aufgrund seiner Helligkeit von bloßem Auge sichtbar. Da er zudem einen beachtlichen Durchmesser von circa 7,5 Parsec - 25 Lichtjahre - hat und mit einer Distanz von rund 400 Parsec - 1.300 Lichtjahre - unserem Sonnensystem relativ nahe ist, gehört er zu den besterforschten Gasnebel in unserer Galaxie.

Nun haben Wissenschaftler der ETH Zürich und am Paul Scherrer Institut (PSI) dort eine neue heiße Gasblase aufgespürt. Sie ist etwa zehn Lichtjahre groß und südwestlich des Trapeziums, einem optischen Mehrfachstern im Orionnebel, deutlich zu erkennen. Entdeckt hat das Forscherteam die Blase, weil diese Röntgenstrahlung aussendet, die mit dem ESA-Satelliten XMM-Newton nachgewiesen werden konnte.

Nur ein Stern für Gasblase verantwortlich


Orionnebel mit Gasblase

Orionnebel mit Gasblase

Obwohl heißes Gas auch an anderen Orten in der Galaxie beobachtet wird, kommt der Nachweis im Orionnebel unerwartet. Während eine ältere Theorie derartige Gasblasen vermutete, haben bisherige Beobachtungen nahe gelegt, dass solche Gase nur von Supernovae oder von großen Gruppen von massiven Sternen und deren kollidierenen Sternwinden erzeugt werden.


Der Orionnebel ist Teil einer riesigen, kalten Molekülwolke, in der Tausende von Sternen entstehen. Er enthält jedoch keine Supernova und wird vor allem von einem einzigen massereichen Stern, dem „Theta hoch eins Ori C“, dominiert. Erstaunlicherweise scheint „Theta hoch eins Ori C“ alleine für die Gasblase verantwortlich zu sein. Die Forscher folgern aus energetischen Erkenntnissen, die sie aus der neu entdeckten Blase gewonnen haben, dass alle Sternentstehungsgebiete heiße Plasmen erzeugen können.

„Orionstrom“ sorgt für Gasflüsse


Da der Stern „Theta hoch eins Ori C“ ständig Gas abgibt, müsste der Druck in der Blase normalerweise steigen. Die Astronomen konnten aber nachweisen, dass dieser konstant bleibt, was bedeutet, dass das Gas der Blase aus der Nebelregion ausfließen muss. Obwohl die Region außerhalb des Nebels noch beobachtet und bildlich erfasst werden muss, gehen die Forscher davon aus, dass das Gas in eine benachbarte, ebenfalls heiße Blase im interstellaren Medium strömt.

Aufgrund nachweisbarer Isotope und deren Gammastrahlung scheint dieser „Orionstrom“ Gase von „Theta hoch eins Ori C“ in den interstellaren Raum hinauszutragen. Weil Sternenentstehungsgebiete nebst Supernovae eine entscheidende Rolle als „Quellen“ für solche Gasströme spielen, liegt die Vermutung nahe, dass in unserer ganzen Galaxie viele solcher Gasflüsse und Gasblasen zu finden sind.
(idw - ETH Zürich, 03.12.2007 - DLO)
 
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