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Donnerstag, 19.10.2017
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Seegras als Rohstoff der Zukunft?

Wissenschaftler verwerten ungeliebtes Strandgut

Angeschwemmtes Seegras kann richtig teuer werden. Da es nur mit einer aufwändigen Vorbehandlung entsorgt werden darf und auch das Aufbringen auf die Felder inzwischen verboten ist, haben viele Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns ein Problem: Wohin mit dem ungeliebten Strandgut? Wissenschaftler haben jetzt gezeigt, dass der „Müll“ ein enormes Potenzial besitzt: Nach der Reinigung und Trocknung eignet er sich zur Weiterverarbeitung und wird damit zum kostbaren Naturrohstoff. So könnten beispielsweise Vitrinen für Museen in Zukunft aus Seegrasfaserplatten hergestellt werden.
Seegras

Seegras

Sören Tech, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Holz- und Papiertechnik der Technischen Universität (TU) Dresden trug die Idee zur stofflichen Nutzung von Seegras schon eine Weile mit sich herum. Wie könnte man angeschwemmtes Biomaterial, das die feinweißen Sandstrände verunziert, als Rohstoff weiterverwerten? Vor sieben Jahren trat er mit Frage an die Ostseegemeinde „Am Klützer Winkel“ heran, ob man dort nicht testen wolle, wie Seegras eventuell als Bau- und Dämmstoff verwendet werden könnte, statt für eine aufwändige Entsorgung zu bezahlen? Man wollte.

Seegras brennt schlechter


Daraufhin wurde ein EU-Projekt mit neun Partnern aus fünf Ländern ins Leben gerufen, das sich verschiedenen Teilaspekten des Problems gesondert widmete - etwa, welche Inhaltsstoffe die verschiedenen Seegras-Sorten haben, wie es am einfachsten getrocknet werden kann, und welche Vermarktungsstrategien sich für das außergewöhnliche Material anbieten.

Das Institut für Holz- und Papiertechnik der TU Dresden beschäftigte sich vor allem mit der Frage, welche Materialeigenschaften bei verschiedenen Mischungsverhältnissen am besten zum Tragen kommen, und wie der Faserrohstoff in bestehende Produkte und Anlagen integriert werden könnte. Durch seinen natürlichen Salzgehalt brennt Seegras schlechter als andere gängige Dämmstoffe wie beispielsweise Flachs, und lässt sich doch einfacher verarbeiten als Stein- oder Glaswolle. So kann Seegras Faserplatten beigemischt werden und dabei andere, wertvollere Rohstoffe ersetzen. Aber auch für Biogasanlagen ist der nachwachsende Rohstoff geeignet.


Die Herausforderung, das Seegras kostengünstig so zu reinigen, dass es anschließend weiterverwendet werden kann, untersuchten die Wissenschaftler dann in einer Pilotanlage. Als besonders günstig und effektiv erwies sich dabei eine Luftstromtrocknung. Eine eigens initiierte Marktstudie wies zudem nach, dass das Material für mittelgroße regionale Dämmstoffproduzenten trotz der relativen Unberechenbarkeit des „Erntezeitpunkts“ attraktiv sein kann.

Vernünftige Erntetechnologien fehlen bisher


Darüber hinaus denkt Tech daran, den weltweit steigenden Bedarf an Rohstoffen durch die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffquellen aus See- und Binnengewässern mit ähnlichen Zielstellungen anzugehen. Wenn da vernünftige Erntetechnologien direkt aus dem Wasser entwickelt würden, erklärt der Wissenschaftler, hätte man Seegras in hoher Qualität, das andere nachwachsende Rohstoffe ergänzen könnte.

Die Zukunft des Seegras, das traditionell auch als Füllstoff für Matratzen oder Sofas diente, sehen die Wissenschaftler um Tech in einer hochwertigen Weiterverarbeitung. So liegt bereits eine Anfrage des Meeresmuseums Stralsund am Dresdner Institut vor: die neuen Vitrinen des Museums sollen aus Seegrasfaserplatten hergestellt, die Leuchten mit Seegrasschirmen veredelt werden.
(idw - Technische Universität Dresden, 30.11.2007 - DLO)
 
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