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Dienstag, 07.02.2012
Gourmet-Frösche vertreiben einheimische Quaker
Neue Studie belegt Gefahr durch invasive Arten
Einheimische Wasserfrösche können durch neu eingewanderte oder importierte Arten vertrieben werden. Zu diesem Ergebnis ist jetzt eine französisch-deutsche Studie gekommen. Die Wissenschafter hatten Populationen von Wasserfröschen in Frankreich und Nord-Spanien untersucht und stellten dabei fest, dass der eigentlich nur in Osteuropa verbreitete Seefrosch (Rana ridibunda) das Potential besitzt, Wasserfrösche wie den Grafschen Hybridfrosch (Rana grafi) oder den Iberischen Wasserfrosch (Rana perezi) zu verdrängen. Grund: Der Seefrosch lebt länger und wächst schneller als die einheimischen Arten.

Seefrosch
Seefrosch
© Dirk Schmeller/UFZ Seefrosch
Zudem produzieren die Seefroschweibchen mehr Nachkommen als ihre Konkurrenten, so die Forscher im Fachblatt Comptes Rendus Biologies. Der Seefrosch hat sich inzwischen von Zentralasien bis nach Frankreich und Spanien ausgebreitet. Ursache für diese Verbreitung ist die Einführung von lebenden Individuen zum Verzehr. Durch die Vermischung der fremden mit den einheimischen Arten werden die einheimischen Wasserfrösche auf wenige Gebiete zurückgedrängt, so die Wissenschaftler. Das Einschleppen invasiver Arten durch den Menschen gilt neben dem Klimawandel als eine der Hauptbedrohungen für die Artenvielfalt der Erde.

Frösche für Gourmet-Restaurants
Die meisten der stabilen Seefrosch-Populationen in Frankreich und der Schweiz gehen darauf zurück, dass diese Froschart für Gourmet-Restaurants gezüchtet oder direkt aus verschiedenen Ursprungslängern eingeführt wurde. Inzwischen hat sich die Frosch-Fauna entlang von größeren Flussauen in diesen beiden Ländern deutlich zu Gunsten der neuen Froschart verändert. Unklar war bisher jedoch, weshalb sich die neuen Arten gegenüber den etablierten durchsetzen konnten.

Rana ridibunda
Rana ridibunda
© Dirk Schmeller/UFZ Rana ridibunda
Nun untersuchte das Wissenschaftlerteam in seiner neuen Studie über 700 Wasserfrösche an 22 Orten im Einzugsgebiet der Rhone in Frankreich und an vier Orten im Einzugsgebiet des Ebro in Spanien. „Wir mussten feststellen, dass der zugewanderte Seefrosch besonders in sauerstoffreichem und salzarmen Frischwasser ein hohes Konkurrenzpotential hat. Unter diesen Bedingungen haben die einheimischen Frösche kaum eine Chance“, erklärt Dirk Schmeller vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

Paarung mit anderen Arten
Der Verdrängungsprozess basiert unter anderem darauf, dass der Seefrosch schneller wächst als die einheimischen Frösche und dadurch in direkte Nahrungskonkurrenz tritt. Darüberhinaus leben Seefroschweibchen länger und sind auch fruchtbarer. Sie produzieren deshalb über ihr gesamtes Leben erheblich mehr Nachkommen und verdrängen so die anderen Froscharten. Die Zahl der Jungtiere wird zudem zusätzlich erhöht, weil bei Paarungen mit dem Grafschen Hybridfrosch (Rana grafi) oder dem Teichfrosch (Rana esculenta) Seefrosch-Nachkommen produziert werden.

Dieser letzte Punkt hört sich erstaunlich an, ist aber auf eine spezielle Fortpflanzung, die Hybridogenese zurückzuführen, die es in dieser Form nur bei Wasserfröschen gibt. Alles das kann zum Aussterben der einheimischen Wasserfroscharten führen, meinen die Forscher und empfehlen daher die Ausbreitung des Seefrosches genau zu beobachten.
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