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Samstag, 27.05.2017
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Grundschüler lesen besser

Iglu-Studie: Deutschlands Schulen im europäischen Spitzenfeld

Deutsche Grundschüler können deutlich besser lesen als ihre Altersgenossen in vielen anderen europäischen Ländern. Zwischen 2001 und 2006 sind die Leistungen hierzulande gestiegen, bei einer relativ geringen Leistungsstreuung. Insbesondere die Zahl besonders schwacher Schüler ist gesunken und die Anzahl der starken Leser hat zugenommen. Dies geht aus dem Bildungsreport „Iglu 2006 - Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich“ hervor.
Lesendes Kind

Lesendes Kind

Die Abhängigkeit der Kompetenzentwicklung von der sozialen Herkunft bleibt aber nach den Ergebnissen des Reports weiterhin eine zentrale Herausforderung der deutschen Bildungspolitik. Die frühe Förderung in Kindertageseinrichtungen, aber auch im Elternhaus sind dabei laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unverzichtbar.

„Die Grundschule in Deutschland hat sich über alle Messzeitpunkte der letzten 15 Jahre hinweg immer weiter verbessert. Das ist ein klarer Trend. Deutsche Grundschulen spielen in der internationalen Spitzenliga. Allerdings gibt es auch in den Grundschulen den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg. Hier müssen alle weiteren Reformen ansetzen, um Chancengerechtigkeit über die gesamte Bildungslaufbahn hinweg zu ermöglichen.“, kommentierte Bundesbildungsministern Annette Schavan die Ergebnisse von Iglu (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung)

Und KMK-Präsident Professor Jürgen Zöllner ergänzte: „Die zahlreichen von der Kultusministerkonferenz (KMK) in der Folge von TIMSS 1997 und PISA 2000 angestoßenen Maßnahmen beginnen zu greifen. Es sind vor allem die verstärkte Hinwendung zu Leseprozessen in den deutschen Grundschulen und die gewachsene öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber schulischen Bildungsprozessen, die zum Anstieg der Leseleistungen beigetragen haben.“


„Pisa-Ruck“ Ursache für gute Ergebnisse?


Die vergleichsweise guten Leistungen der deutschen Schüler in der internationalen Grundschulstudie, sind auch nach Meinung des Deutschlandchefs der Studie auf einen „Pisa-Ruck“ zurückzuführen. Das erklärt der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos in der ZEIT. „Eltern, Lehrer und Politiker achten seitdem mehr darauf, dass die Schüler auch wirklich etwas lernen.“ Die Wirkung von Pisa zeige sich auch daran, dass sich in Deutschland die Leseförderung im Elternhaus merklich verbessert habe.

Ein entscheidender Grund für die Verbesserung Deutschlands im internationalen Vergleich sei, dass an den Grundschulen moderner unterrichtet werde als an den weiterführenden Schulen. „Außerdem sind die Grundschullehrer gezwungen", sagt Bos weiter, "sich unterschiedlich starken Kindern individuell zuzuwenden. Sie können schwächere Kinder - im Unterschied etwa zu Gymnasiallehrern – nicht abschieben.“

Für die Grundschulstudie Iglu, deren zweite Auflage am Mittwoch veröffentlicht wurde, haben Bildungsforscher die Leseleistungen zehntausender Schüler aus mehreren Dutzend Ländern der Welt untersucht. Deutschland hat seine Werte im Vergleich zur letzten Runde der Studie vor fünf Jahren verbessert und landet dieses Mal im oberen Viertel - kein anderes Land der Europäischen Union kann bessere Werte vorweisen.

Leseleistung im internationalen Vergleich


So gehört Deutschland im internationalen Vergleich zu den Staaten, in denen Kinder am Ende der vierten Jahrgangsstufe der Grundschulzeit eine hohe Lesekompetenz erreichen. Kinder in Deutschland schneiden in allen getesteten Bereichen sehr gut ab. Kein Land erreicht am Ende der vierten Jahrgangsstufe beipielsweise signifikant höhere Testleistungen bei der Informationsentnahme von Texten. Gleichzeitig gelingt es Deutschland auch, die Leistungsstreuung vergleichsweise gering zu halten.

Anteil schwacher Leser


Der Anteil der Risikogruppe, das heißt der Schülerinnen und Schüler, die nicht in der Lage sind, relevante Informationen in Texten aufzufinden und miteinander in Beziehung zu setzen, ist in Deutschland laut dem Iglu-Report auf 13,2 Prozent gesunken. Nur in zwei der 35 Teilnehmerstaaten (Hongkong und Niederlande) ist der Anteil signifikant geringer. Der Anteil von Schülerinnen und Schüler auf der höchsten Kompetenzstufe dagegen beträgt am Ende der vierten Jahrgangsstufe in Deutschland 10,8 Prozent und entspricht damit dem Mittelwert der EU- sowie der OECD-Staaten.

Leseleistungen von Mädchen und Jungen


Die Differenz zwischen Mädchen und Jungen ist laut Iglu in keinem der Teilnehmerstaaten kleiner als in Deutschland. Jungen finden sich aber etwas häufiger in der Risikogruppe und etwas seltener in der Spitzengruppe. Schüler aus den unteren und oberen sozialen Schichten unterscheiden sich in ihren Leseleistungen dagegen erheblich. Die Differenz liegt in Deutschland bei 67 Punkten und damit über dem internationalen Mittelwert.

Lesemotivation


Im internationalen Vergleich berichten deutsche Schülerinnen und Schüler von einer hohen Lesemotivation und einem positiven Leseverhalten. In keinem anderen Teilnehmerland der EU gibt es mehr Kinder, die angeben, täglich zu ihrem Vergnügen zu lesen. Im Vergleich zur Studie im Jahr 2001 zeigt sich, dass die generelle Zunahme der Lesefreude vor allem auf die Jungen zurückzuführen ist. Dem Elternhaus kommt bei der Entwicklung von Lesefreude und Leseinteresse laut Iglu eine herausragende Rolle zu. Im internationalen Vergleich lesen deutsche Eltern seltener mit ihren Kindern.

„Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen auch, dass frühe Förderung der Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit für alle Kinder ist. In Kindertageseinrichtungen können Begabungen frühzeitig gefördert sowie Benachteiligungen rechtzeitig erkannt und abgebaut werden. Das BMBF wird seine Initiativen weiter ausbauen.“, bewertet Schavan die IGLU-Ergebnisse. Bund und Länder sind sich einig, die begonnenen Anstrengungen im vorschulischen und schulischen Bereich fortzusetzen und auszubauen.
(BMBF/KMK/ZEIT, 29.11.2007 - DLO)
 
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