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Freitag, 10.02.2012
Verkohlter Klimaschutz?
WWF legt Liste mit 20 geplanten Kohlekraftwerken in Deutschland vor
Mindestens 20 neue Kohlekraftwerke sind in Deutschland derzeit im Bau oder in einem weit fortgeschrittenen Planungsstadium. Zu diesem Ergebnis kommt der WWF in einer jetzt vorgelegten Analyse einer Hamburger Anwaltskanzlei. Die neuen Kraftwerke werden eine Leistung von insgesamt circa 23.000 Megawatt haben. Der WWF befürchtet nun, dass die Klimapolitik am Kohlekurs der Energieversorger scheitert, weil man mit neuen Kohlekraftwerken auf Jahrzehnte einen zu hohen CO2 Ausstoß zementiert.

CO2-Emittent Kraftwerk
CO2-Emittent Kraftwerk
© BMU/H.G.Oed
„Die Analyse zeigt, dass die Aussagen von Umweltminister Gabriel, in Deutschland werden nur neun neue Anlagen gebaut, nicht in Übereinstimmung mit dem Planungs- und Genehmigungsstand sind", betont Regine Günther, Leiterin des Klimareferats beim WWF Deutschland. Es sei nicht hilfreich, dass der Minister die Zahl der geplanten Kohlekraftwerke herunterspiele, vielmehr müsse er den Kurs der Energieversorger öffentlich kritisieren, statt sich für neue Kohlekraftwerke einzusetzen.

„Liste des Schreckens"
Juristen einer Hamburger Anwaltskanzlei nehmen derzeit den Planungsstand der Kraftwerksneubauten in Deutschland für den WWF unter die Lupe. In einer ersten Zwischenbilanz listen sie den jeweiligen Stand der Planungen für 20 neue Braun- und Steinkohlekraftwerke auf. Die Aufzählung der geplanten Bauprojekte sei eine „Liste des Schreckens", so die Umweltschutzorganisation.

Die Analyse der Rechtsanwältin Roda Verheyen zeige, dass sieben neue Braun- und Steinkohlekraftwerke bereits eine Genehmigung erhalten haben oder die Erteilung bevorsteht. Es handelt sich um die Projekte Boxberg (Vattenfall), Datteln (E.on), Duisburg-Walsum (Steag), Hamm-Uentrop (RWE), Grevenbroich-Neurath (RWE), Lünen (Trianel) und Moorburg (Vattenfall).

Mindestens 13 weitere Kraftwerke befinden sich der Analyse zufolge im konkreten Genehmigungsverfahren. Dazu wird auch das so genannte Scoping-Verfahren gezählt. Dies seien die Anlagen in Dörpen (Advanced Power), Brunsbüttel (Südwest Strom), Düsseldorf Lausward (SW Düsseldorf), Ensdorf (RWE), Herne (Steag), Ingelheimer Aue (Kraftwerke Mainz-Wiebaden), Krefeld-Uerdingen (Trianel), Lubmin (DONG), Lünen (Evonik Steag), Stade Bützfleth (Electrabel), Stade (E.on), Staudinger (E.on) und Wilhelmshaven (E.on).

Selbst bei Werken, die noch am Anfang der Umweltverträglichkeitsprüfung (Scoping) stehen, wird von den Anlagenbetreibern konkret investiert, so die Analyse. Die Chancen, dass im anschließenden Verfahren noch abgebrochen werde, sind nach Einschätzungen der Juristen eher gering.

WWF fordert Stopp des Kohlekurs
„Die Bundesregierung und die führenden Politiker müssen alles daran setzen, diesen Kohlekurs der Energieversorger sofort zu stoppen", fordert Günther. Noch hat Deutschland auf internationaler Bühne im Klimaschutz einen exzellenten Ruf. Setzten sich die Energieversorger mit ihrem durch unverantwortlichen Kohlekurs durch, wäre dieser verspielt. Als Übergangstechnik seien Gas-Kraftwerke auf jeden Fall die bessere Lösung. Die Bundesregierung dürfe das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent zu reduzieren, nicht aus den Augen verlieren, so der WWF.

Jedes neue Steinkohlekraftwerk nach neuester Bauart mit einer Größe von 1.600 Megawatt stößt nach Angaben der Umweltschutzorganisation jährlich rund acht Millionen Tonnen aus. Maximal 40 Millionen Tonnen dürfen es nach den Zielen der Bundesregierung im Stromsektor im Jahr 2050 noch sein.
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