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Montag, 22.05.2017
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Deutsche viel optimistischer als gedacht

Erste repräsentative Zuversichtsstudie vorgelegt

Die Deutschen gelten noch immer als Volk der Miesmacher und Bedenkenträger. Dabei sind sie viel optimistischer als ihr Ruf. Zu diesem Ergebnis ist jedenfalls die erste repräsentative Zuversichtsstudie gekommen, die Wissenschaftler jetzt vorgelegt haben. Danach schätzen die Deutschen ihre persönliche Situation deutlich positiver ein als die des Landes. Männer sind dabei zuversichtlicher als Frauen. Regional schwankt der Zukunftsoptimismus zum Teil jedoch beträchtlich.
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„Wie optimistisch sind Sie, wenn Sie an Ihre Zukunft und die Zukunft Ihres Landes denken?" Dieser Frage sind Wissenschaftler der Universität Hohenheim zusammen mit der Allianz Deutschland AG in einer Untersuchung erstmals wissenschaftlich nachgegangen. Das Ergebnis der Befragung: Mehr als die Hälfte der 1.000 Interviewten (55 Prozent (%)) schauen ihrer persönlichen Zukunft in den nächsten zwölf Monaten mit Zuversicht entgegen.

„Damit sind die Deutschen, die ja oft als Bedenkenträger und Miesmacher charakterisiert werden, eindeutig besser als ihr Ruf", erklärt Professor Frank Brettschneider, Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim, der die Studie wissenschaftlich begleitete.

14- bis 20-Jährige besonders optimistisch


Spitzenreiter in Sachen persönlicher Zuversicht sind mit einem Anteil von jeweils 63 Prozent die Menschen in Hamburg und Nordrhein-Westfalen, gefolgt von den „Südstaaten" Bayern und Rheinland-Pfalz (je 59%), Baden-Württemberg (57%) und Hessen (56%). Im Osten ist die Zuversicht dagegen laut dem Report geringer ausgeprägt. Am optimistischsten in den östlichen Bundesländern sind die Bürger in Mecklenburg- Vorpommern (54%), dicht gefolgt von den Brandenburgern (50%). Am skeptischsten schätzen die Menschen in Sachsen (31%) ihre persönliche Zukunft ein.


Bei den 14- bis 20-Jährigen ist nach den Ergebnissen der Wissenschaftler die persönliche Zuversicht am größten (71%). Die 21- bis 30-Jährigen zeigen nur noch einen Wert von 65 Prozent. Insgesamt sinkt mit dem Alter die Zuversicht kontinuierlich - bei den über 65-Jährigen auf 49 Prozent. Einen „Zuversichtspeak" gibt es noch einmal bei den Jahrgängen im Alter zwischen 51 und 65, die einen Anteil von 53 Prozent Zuversichtliche aufweisen, während die 41- bis 50-Jährigen mit 50 Prozent Zuversichtsanteilen beinahe so skeptisch sind wie die ältesten Befragten, die 65 Jahre und älter waren.

Persönliche Werte sind die größten Zuversichtsträger


Insgesamt erscheint den Menschen ihre persönliche Lage positiver als die gegenwärtige Lage Deutschlands, so die Zuversichtsstudie. Nur jeder Dritte (35%) sieht der Entwicklung im Lande mit Zuversicht entgegen, fast genau so viele Menschen machen sich gar Sorgen. Am größten sind die Ängste, wenn es um die gesetzliche Versorgung im Alter, bei Krankheit und im Pflegefall geht. Nur elf Prozent der Befragten sind zuversichtlich, wenn es um die gesetzliche Pflege- und Krankenversicherung geht, bei der staatlichen Rente sind es sogar nur neun Prozent.

Positiver als die gesetzliche Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung wird die Zukunft der allgemeinen Wirtschaftslage gesehen. Hier sind 41 Prozent der Befragten zuversichtlich. Auf Platz zwei der Zuversichtsskala steht die medizinische Versorgung durch Ärzte und Krankenhäuser (29%), dicht gefolgt vom Umwelt- und Klimaschutz. Die Qualität der Schulen und Universitäten (23%), die Bekämpfung des Terrorismus (23%) und die Sicherheit der Arbeitsplätze (21%) schätzt jeweils rund ein Viertel für die Zukunft optimistisch ein. Männer (41%) sehen die Zukunft des Landes laut den Eregbnissen der Studie etwas zuversichtlicher als Frauen (31%). Im persönlichen Leben unterscheiden sich die Geschlechter im Grad ihrer Zuversicht allerdings kaum: die größten Zuversichtsträger sind bei Männern wie Frauen das persönliche Umfeld, das Zuhause, die Familie und Freunde.

Zudem gilt: Je besser die persönliche Situation eingeschätzt wird, desto zuversichtlicher wird auch die persönliche Zukunft und die Zukunft des Landes gesehen. Wer dagegen die Lage Deutschlands heute eher kritisch beurteilt, sieht auch keine positive Zukunft für das Land. Am kritischsten sind die Menschen in Thüringen: Nur zehn Prozent sind hoffnungsvoll die Zukunft Deutschlands betreffend. Während die Menschen in Nordrhein-Westfalen (48%) auch in Bezug auf Deutschland am zuversichtlichsten sind, gefolgt von den Schleswig-Holsteinern mit 41 Prozent und den Baden- Württembergern mit 39 Prozent. Knapp unter dem Zuversichts-Mittelwert hinsichtlich der Zukunft des Landes (35%) liegt die Stimmungslage der Hauptstadt: Nur 32 Prozent der Befragten in Berlin sehen die Zukunft Deutschlands positiv.

Zuversicht geht durch das Portemonnaie


Zwischen den Einkommensschichten gibt es erhebliche Zuversichtslücken, so der Report. Einerseits gilt: Je höher das Einkommen, desto größer die Zuversicht. Bei den gut Verdienenden mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro sind 74 Prozent der Befragten zuversichtlich. Andererseits sinkt bei einem Einkommen von 2.000 Euro und darunter der Zuversichtsgrad bis auf 34 Prozent. Die steuerlich am stärksten belastete Altersklasse der 41- bis 50-Jährigen ist am skeptischsten, was die Zukunft des Landes anbelangt.

Leistungsorientiert, selbstbestimmt und kinderfreundlich


Deutlich wird in der Studie auch, wie vielschichtig das Phänomen Zuversicht ist. Das Lebensgefühl, von dem Befragte sagen: „Zuversicht ist das, was mich am Leben hält", berührt den Menschen als Individuum und als gesellschaftlich eingebundenes Wesen gleichermaßen. Zuversicht kann situativ bedingt sein, aber auch nachhaltig wirken. Unsere Gesellschaft ist nach den Ergebnissen der Untersuchung vor allem leistungsorientiert: 71 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass jeder, der sich wirklich anstrengt, seine Ziele auch erreichen kann. Dabei finden 65 Prozent der Menschen, dass sie ein selbstbestimmtes Leben führen. Kinder in die Welt zu setzen befürworten spontan 52 Prozent, 30 Prozent stimmen bedingt zu.

Skeptiker und Gelassene


In der Befragung kristallisierten sich im wesentlichen zwei „Zuversichtstypen" heraus: der „Skeptiker" (Tenor: „Ich weiß nicht so recht") und der „Gelassene" (Tenor: „Das wird schon"). Die sicherheitsorientierten „Skeptiker" (30%) lieben feste Strukturen und Stabilität. Sie denken bei Veränderungen zunächst an die Risiken und wünschen sich eine fürsorgliche Instanz, die sie vor den Sorgen der Zukunft bewahrt. Am wohlsten fühlen sie sich in der Erinnerung und in der Gegenwart.

Die nach Selbstbestimmung strebenden „Gelassenen" (26%) zeigen dagegen den starken Wunsch nach Individualität und Entwicklung. Sie gehen Planungen zielstrebig an und sehen Herausforderungen als Chance zur Verbesserung des Status quo. Ihre Zuversicht ist primär auf die Zukunft ausgerichtet. „Beide Zuversichtstypen stehen einander wie zwei Lager gegenüber", sagt Brettschneider. Seine These: In dieser Polarisierung könnte der Reform- und Innovationsstau in Deutschland mitbegründet liegen.
(idw - Universität Hohenheim, 26.11.2007 - DLO)
 
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