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Donnerstag, 09.02.2012
Schwangerschaftstreffpunkt für Fledermäuse
„Salzlecken“ im Regenwald mit großer Bedeutung für Artenvielfalt
Fledermaus-Mütter wissen genau, was gut für sie und ihre Jungen ist: Während der Schwangerschaft und in der Zeit des Säugens haben die Tiere einen erhöhten Mineralstoffbedarf. Den decken tropische früchtefressende Fledermäuse gezielt durch den Besuch von so genannten „Salzlecken" im Regenwald - Wasserstellen mit besonders mineralstoffreichem Wasser oder Salzablagerungen. Das haben Wissenschaftler in einer neuen Studie in Ecuador gezeigt.

Hirsch und Fledermaus an Salzlecke
Hirsch und Fledermaus an Salzlecke
© John Blake Hirsch und Fledermaus an Salzlecke
Das Team um Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung zieht aus dem Ergebnis weit reichende Schlüsse: Da früchtefressende Fledermäuse in tropischen Regenwäldern eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Samen spielen, komme den Salzlecken eine große Bedeutung für die pflanzliche Artenvielfalt zu. Die Studie ist in der Online-Zeitschrift Research Letters in Ecology erschienen.

Frauenüberschuss an Salzlecken
Die Forscher fingen für ihre Untersuchung Fledermäuse an Salzlecken und an anderen zufällig ausgewählten Standorten im ecuadorianischen Regenwald. Dabei zeigte sich, dass deutlich mehr Weibchen an Salzlecken gefunden wurden als Männchen. Nahezu alle gefangenen Weibchen waren entweder trächtig oder hatten säugende Jungen. Und bei den meisten Flattertieren an den Salzlecken handelte es sich um früchtefressende Fledermäuse.

Die Wissenschaftler folgern daraus, dass die Fledermäuse gezielt mineralstoffreiches Wasser oder Lehm zu sich nehmen, um die eigene Milchproduktion zu erhöhen und das Knochenwachstum der Jungen zu fördern. In den Regenwäldern des Amazonasgebietes in Südamerika sind die Böden generell mineralstoffarm, Pflanzenfresser haben es daher besonders schwer, die nötigen Spurenelemente wie beispielsweise Kalzium zu sich zu nehmen.

Lehm während der Schwangerschaft
Übrigens sind auch Menschen auf die Idee gekommen, ihren Mineralienbedarf so zu decken. „Ureinwohner aus Südamerika oder Afrika konsumieren Lehm von so genannten Mineral- oder Salzleckstellen während der Schwangerschaft", berichtet Voigt. Zum Teil werde dieser Lehm auf Märkten verkauft.

Der hohe Anteil von früchtefressenden Fledermäusen an Salzlecken hat nach Ansicht von Christian Voigt noch einen weiteren wichtigen Effekt: „Diese Wasserstellen erfüllen eine wichtige Funktion in der Ökologie der Regenwälder."

Als Mineralienquelle für die Fortpflanzung samenverbreitender Fledermäuse wirken sich Salzlecken positiv auf die Populationsdichte der Fledermäuse aus und dies könnte die pflanzliche Artenvielfalt im Regenwald durch vermehrte Samenverbreitung erheblich beeinflussen.
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