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Montag, 26.09.2016
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Riesenspinnen erobern Europa

Tierische Einwanderer sind größer als einheimische Arten

Etwa alle zwei Jahre siedelt sich eine neue Spinnenart in Europa an. Hauptgrund dafür ist der zunehmende globale Handel. Die eingeschleppten Arten sind meistens größer als die einheimischen und leben vorwiegend in Gebäuden. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer neuen Studie Berner Wissenschaftler, über die sie in der Fachzeitschrift „Diversity and Distributions" berichten.
Scytodes thoracica

Scytodes thoracica

In den letzten 150 Jahren wurden danach bereits 87 Spinnenarten unbeabsichtigt nach Europa eingeführt. Große Spinnen sind dabei nach Angaben von Professor Wolfgang Nentwig und dem Doktoranden Manuel Kobelt vom Zoologischen Institut der Universität Bern resistenter gegen Stressfaktoren während des Transports und haben auch bessere Chancen, in einem neuen Gebiet lebensfähige Populationen zu entwickeln.

Die Zahl eingeschleppter Spinnen, dies zeigen die Ergebnisse der Wissenschaftler, ist in der untersuchten Zeitspanne linear angestiegen. Die Forscher sehen einen Zusammenhang mit dem zunehmenden globalen Handel, denn Spinnen werden vor allem mit Industriewaren eingeführt. „Je intensiver der Warenaustausch mit einem Kontinent ist, desto mehr neue Arten werden von dort eingeschleppt", erklärt Nentwig. Dabei spielen auch die Handelswege eine wichtige Rolle. Je mehr und vor allem je schnellere Handelswege eine bestimmte Region mit Europa verbinden, umso mehr fremde Arten überleben den Transport in Frachtcontainern und siedeln sich bei uns an.

Klimawandel bringt subtropische Arten nach Europa


Das erklärt, weshalb die meisten neuen Arten aus Asien stammen. Die Transportwege zwischen Europa und Asien sind kurz und es herrscht reger Flugverkehr, der für fremde Arten besonders günstige Einwanderungsbedingungen bietet. Zudem weisen große Regionen Zentralasiens relativ ähnliche klimatische Bedingungen zu Europa auf, was den Spinnen die Ansiedlung erleichtert.


Die Studie von Nentwig und Kobelt zeigt: Aus Südamerika stammen nur drei der 87 eingeschleppten Arten, aus Australien deren vier. Diese Zahlen könnten sich jedoch bald verändern, da der Klimawandel in Europa einen auch für subtropische Spinnen immer besser geeigneten Lebensraum schaffe, befürchten die Forscher.

Giftspinnen in der Hauswand


Die Resultate der Studie sind eher konservativ, weil Spinnen nur schlecht untersucht sind und nach der Ankunft in einer neuen Region oft nur schwer zu finden sind. „Für die nahe Zukunft prognostizieren wir die Ansiedlung von mindestens einer fremden Spinnenart pro Jahr in Europa", so Nentwig in Diversity and Distributions. Darunter könnten auch vermehrt giftige Arten zu finden sein.

Für den Menschen ist das insofern gefährlich, als fast drei Viertel der eingeschleppten Spinnen in städtischen Gebieten und in Gebäuden leben. Die Einflüsse, die der neue Artenreichtum auf das Ökosystem haben könnte, sind noch weitgehend unbekannt.
(idw - Universität Bern, 16.11.2007 - DLO)
 
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