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Freitag, 20.10.2017
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Artensterben ade?

Bundeskabinett beschließt Strategie zur biologischen Vielfalt

Das Bundeskabinett hat gestern eine nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Sie sieht unter anderem vor, bis zum Jahr 2010 den Anteil der vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten zu verringern und bis 2020 den Flächenanteil der natürlichen „Urwälder“ in Deutschland von rund einem auf fünf Prozent zu erhöhen.
Baumkronen im Laubwald

Baumkronen im Laubwald

„Damit verfügt Deutschland erstmals über ein umfassendes und anspruchsvolles Programm zur Erhaltung von Arten und Lebensräumen“, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei der Vorstellung des Konzeptes. Ziel ist die Umsetzung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt auf nationaler Ebene. Die Strategie beinhaltet auch den deutschen Beitrag für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der belebten Natur weltweit.

„Die nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ist eine Verpflichtung für uns alle: die jetzige und auch zukünftige Bundesregierungen, die Länderregierungen und Kommunen, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft. Denn nur gemeinsam wird es uns gelingen, dass auch zukünftige Generationen sich über den Reichtum der Natur freuen und ihn nutzen können“, so der Bundesumweltminister.

Zeichen gegen alarmierendes Artensterben


Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) haben die Strategie in einer ersten Stellungnahme begrüßt. Mit der Verabschiedung setze die Bundesregierung ein dringend notwendiges Zeichen gegen das alarmierende Artensterben und für mehr Naturschutz, so die Verbände.


„Als Gastgeber der Weltnaturschutzkonferenz im kommenden Jahr war es höchste Zeit, dass Deutschland beim Erhalt des Artenreichtums mit gutem Beispiel vorangeht", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Mit der Strategie liege nun erstmals ein umfassender Maßnahmenkatalog zum Erhalt der biologischen Vielfalt vor. Viele der beschriebenen Handlungsfelder seien jedoch noch zu unkonkret und vermieden Konflikte mit konkurrierenden wirtschaftlichen oder politischen Interessen. So werde beispielsweise darauf verzichtet, die ökologische Neuausrichtung der Agrarpolitik und den Ausbau von Agrarumweltmaßnahmen zu fordern. Auch fehle es an Kritik an der Intensivierung der Landnutzung durch den zunehmenden Anbau von Energiepflanzen. Durch eine Definition ökologischer Mindeststandards in der Förderpolitik müsse hier dringend nachgebessert werden.

Auch der WWF lobte, dass Deutschland sich mit der Strategie auf anspruchsvolle Ziele zum Naturschutz in Deutschland festgelegt hat. „Nach 15 Jahren hat die Bundesregierung nun endlich ihre Hausaufgaben gemacht", sagt Jörg Roos, Naturschutzexperte beim WWF. „Zum Jubeln ist es zu früh: Jetzt gilt es, dass es nicht bei bedrucktem Papier bleibt, sondern dass diese Strategie konsequent umgesetzt wird", so Roos weiter. Dabei seien insbesondere auch die Bundesländer gefragt, in deren Verantwortung die Ausgestaltung des Naturschutzes liege.

330 Ziele und 430 Maßnahmen


Die vorgestellte Strategie enthält einen Katalog von rund 330 konkreten Zielen und rund 430 Maßnahmen in den verschiedensten Bereichen des Naturschutzes, der nachhaltigen Naturnutzung und der Entwicklungszusammenarbeit. Zum Beispiel soll sich bis 2020 die Gefährdungssituation des größten Teils der „Rote Liste-Arten“ um eine Stufe verbessern. Ziel ist es aber auch bis dahin durch Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren sowie durch die Zunahme naturnaher Wälder die natürliche CO2-Speicherkapazität der Landlebensräume um zehn Prozent zu erhöhen. Aber auch die Lebensqualität für Stadtbewohner soll verbessert werden: Bis zum Jahr 2020 soll in den Städten öffentlich zugängliches Grün für alle fußläufig zur Verfügung stehen.

Mit der Strategie werden eine Vorbildfunktion der öffentlichen Hand sowie die Übernahme von Verantwortung durch Industrie, Handel und Verbraucher eingefordert. Beispielsweise soll der Anteil der Mittel für Entwicklungsprojekte, die den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt sowie den gerechten Vorteilsausgleich zum Ziel haben, an der gesamten deutschen Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2015 um 50 Prozent gesteigert werden. Es wird ein vorbildliches Beschaffungs- und Bauwesen bis 2020 angestrebt, das auch an Standards zur Erhaltung von Arten und Lebensräumen orientiert. Bis zum Jahr 2020 sollen 25 Prozent der importierten Naturstoffe und -produkte aus natur- und sozialverträglicher Nutzung stammen. Gleichzeitig sollen von der deutschen Industrie aufgestellte Ökobilanzen alle Umweltauswirkungen vom Rohstoffeinsatz bis zur Abfallwirtschaft beinhalten und auch die Auswirkungen des Produkts auf die Biodiversität im Ausland darstellen.

„Die deutsche Strategie zur biologischen Vielfalt ist im weltweiten Vergleich die bei weitem anspruchsvollste. Bislang ist keine andere Strategie ähnlich umfassend und konkret“, betonte Gabriel. Das ist insbesondere im Hinblick auf die nächste Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt im Mai nächsten Jahren in Bonn von Bedeutung. „Wir wollen auf der bevorstehenden UN-Naturschutzkonferenz wichtige Ergebnisse erreichen und deshalb mit gutem Beispiel vorangehen“, so der Bundesumweltminister.
(BMU/BUND/NABU/WWF, 08.11.2007 - DLO)
 
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