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Freitag, 19.03.2010
Bach als Artenschmiede
Forscher entdecken sieben neue Bakterienspezies im Harz
Um neue Arten zu entdecken, müssen Forscher nicht unbedingt in die Tropen reisen. Manchmal ist das auch vor der eigenen Haustür möglich. Wissenschaftler haben jetzt in Niedersachsen sieben neue Bakterienspezies entdeckt. Sie leben im Westerhöfer Bach im Harz und gehören den Gattungen Flavobacterium und Pedobacter an.

Flavobacterium hercynium
Flavobacterium hercynium
© Sylvie Cousin, DSMZ Flavobacterium hercynium
Der Westerhöfer Bach war schon öfter die Fundstätte von bisher unbekannten Spezies. So spürten Wissenschaftler der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig dort vor einem halben Jahr die Bakteriengattung Deefgea rivuli auf.

Ungewöhnlich ist der hohe Gehalt des Westerhöfer Bachs an Calcium und Magnesium, die ausfallenden Mineralsalze führen zur Bildung von Kalktuffgestein. Untersuchungen zeigten, dass das Wasser unmittelbar an der Quelle nahezu steril ist. Im weiteren Verlauf des Fließgewässers finden sich zunehmend Bakterien, die vermutlich aus dem Uferbereich eingeschleppt werden.

Professor Erko Stackebrandt vom DSMZ erklärt: „Dabei sehen wir in unseren Kulturschalen immer nur eine kleine Auswahl der tatsächlich vorhandenen bakteriellen Vielfalt. Bislang ist nur etwa ein Prozent aller Bakterien im Labor kultivierbar."

Flavobacterium und Pedobacter
Flavobakterien sind häufig gelblich gefärbt. Ihr natürlicher Lebensraum ist weit gefächert, meist findet man sie in aquatischen Gebieten. So auch die neuen Bakterien: Flavobacterium aquidurense und Flavobacterium hercynium. Der Artname „aquidurense" bezieht sich auf die Widerstandfähigkeit des Bakteriums gegenüber dem besonders harten Wasser des Bachs, „hercynium" ist die lateinische Form des Harzgebirges. F. aquidurense wurde direkt von der Quelle isoliert, F. hercynium gegen Ende des 320 Meter langen Bachlaufs.

Vertreter der Gattung Pedobacter sind dagegen beweglich, meist unpigmentiert und wirken in der Laborkultur durchscheinend weißlich. Mikroskopisch haben Wissenschaftler winzig kleine Stäbchen von etwa zwei mal 0,8 µm (Millionstel Meter) nachgewiesen. Die fünf neu entdeckten Arten tragen die Namen P. westerhofensis (aus Westerhof stammend), P. hartonius (zum Harz gehörig), P. duraquae (aus hartem Wasser), P. metabolipauper (mit dürftigem Stoffwechsel), und P. steynii. Letztere hat ihren zu Ehren des Mikrobiologen P.L. Steyn erhalten, der die Gattung erstmals beschrieben hat.
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