Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Zu viele Pestizide in Paprika und Trauben
Lebensmittel-Monitoring 2006: Viele Grundnahrungsmittel dagegen nur gering belastet
Säuglings- und Kleinkindernahrung, Eier und Käse waren im Jahr 2006 nur geringfügig mit unerwünschten Stoffen belastet. Bei Paprika, Tafeltrauben und Rucola dagegen wurden häufig die gesetzlich festgelegten Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände überschritten: Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des Lebensmittel-Monitorings 2006, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anlässlich der Ernährungsmesse Anuga in Berlin vorgestellt hat.

Trauben: pestizidbelastet
Trauben: pestizidbelastet
© IMSI Masterclips
Das Lebensmittel-Monitoring ermöglicht einen repräsentativen Überblick der Belastung ausgewählter Lebensmittel mit Pflanzenschutzmittelrückständen, Schwermetallen, langlebigen Organochlorverbindungen und anderen unerwünschten Stoffen. Der Bericht wird jährlich auf der Grundlage von Daten der Bundesländer vom BVL erstellt.

Laut dem Report wurden bei Eichblattsalat, Lollo rosso/bianco, Gemüsepaprika, Rucola, Küchenkräutern, Tafelweintrauben und grünem Tee die zulässigen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände im Vergleich zu den Grundnahrungsmitteln häufiger überschritten. Eine durchgreifende Verbesserung der Rückstandssituation ist nach Ansicht der Wissenschaftler des BVL bei diesen Obst- und Gemüsearten bislang nicht festzustellen. Sie wiesen zudem darauf hin, dass auch Rückstandsgehalte festgestellt wurden, die sogar die akute Referenzdosis überschritten. Der Handel muss daher aus Sicht des BVL im Rahmen des Qualitätsmanagements und in Kooperation mit den Produzenten und Importeuren den Anteil belasteter Waren weiter reduzieren.

Gute landwirtschaftliche Praxis?
Das BVL bemängelt darüber hinaus die erhöhten Nitratgehalte in Eichblattsalat, Lollo rosso/bianco, Feldsalat und Rucola. Die Gemüsebauern stehen deshalb nach Meinung der Lebensmitteltester in der Verantwortung, alle Maßnahmen der guten landwirtschaftlichen Praxis auszuschöpfen, die zu einer Reduzierung der Nitratgehalte führen.

Mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Rohstoffe fordert das BVL auch von den Herstellern diätetischer Lebensmittel auf Maisbasis, die teilweise mit gesundheitsschädlichen Stoffwechselprodukten von Schimmelpilzen – Fumonisin - belastet waren. Ochratoxin A (OTA), ebenfalls ein Schimmelpilzgift, wurde häufig in getrockneten Feigen nachgewiesen, während anderes Trockenobst davon kaum betroffen war. OTA fanden die Prüfer auch häufig in Bitterschokolade, die zudem relativ hohe Cadmiumgehalte aufwies. In Reis und Weizenvollkornmehl zeigten die Analysen häufig den Weichmacher Di-n-butylphthalat, der im Verdacht steht, als hormonell wirksamer Stoff fortpflanzungs- und entwicklungsschädigend zu wirken.

In Schwertfisch, Haifisch und Dorschleber registrierten die BVL-Tester darüber hinaus erhöhte Gehalte an Schwermetallen oder organischen Kontaminanten. Dorschleber war dagegen häufig mit Dioxinen belastet. Da in Räucheraal und Butter verschiedene Lösungsmittel nachgewiesen wurden, sind weitere Untersuchungen vorgesehen, um die Risiken besser bewerten und Gegenmaßnahmen entwickeln zu können.

Weizen, Blumenkohl und Orangensaft „sauber“
Doch das Lebensmittel-Monitoring 2006 lieferte auch positive Ergebnisse. Denn nur geringfügig mit Pflanzenschutzmittelrückständen belastet waren laut dem Report des BVL Weizen, Auberginen, Bananen, Blumenkohl, tiefgefrorene Erbsen, Melonen sowie Orangensaft und schwarzer Tee sowie Leber und Nieren von Rind, Kalb und Schwein. Tomatensaft, kaltgepresste Raps- und Sonnenblumenöle sowie Thunfisch enthielten zudem kaum Rückstände und Kontaminanten. In Fischen und Fischerzeugnissen fanden die Wissenschaftler ebenfalls kaum Spuren unerlaubter Tierarzneimittel. Auch Räucheraal war nur gering mit Schwermetallen und den beim Räuchern gebildeten polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Pestizide, Pflanzenschutzmittel, Ernährung, Landwirtschaft, Nahrungsmittel, Krebs, Krankheit
Weitere News zum Thema
Europäischen Gewässern droht eine Pestizid-Schwemme (08.12.2011)
Klimawandel wird Spritzmitteleinsatz bis 2090 verdoppeln
Gene machen Spinnmilben immun gegen Pestizide (24.11.2011)
Entschlüsselung des Erbguts hilft bei Bekämpfung des weltweiten Pflanzenschädlings
Intelligente Dohle ist "Vogel des Jahres 2012" (18.10.2011)
NABU und LBV: Tiere brauchen einen besseren Schutz ihrer Lebensräume
Pestizide belasten Flüsse stärker als gedacht (17.10.2011)
"Chemiecocktail" bedroht Fische, Algen und Würmer
Schlechte Wasserqualität in Deutschlands Flüssen (18.08.2011)
257 schädliche Chemikalien in Elbe, Weser, Aller und Ems nachgewiesen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Krebs
Dossiers zum Thema
Umweltgifte
Neue Gefahr für die Gesundheit des Menschen?
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Functional Food
Fitmacher oder Mogelpackung?
Alles öko, oder was?
Landwirtschaft im Wandel
News des Tages
Forscher berechnen elektromagnetisches Wurmloch
Rädertierchen: Nie wieder Sex
Neuer Weltrekord für Lichtblitze
Hundert wird bald jeder
Zu viele Pestizide in Paprika und Trauben
Ludwig II. war doch nicht schizophren
Bücher zum Thema
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Die Suppe lügt
Die schöne neue Welt des Essens von Hans-Ulrich Grimm
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Globale Umweltprobleme
Ursachen und Lösungsansätze von Eike Roth
Fair Future
Ein Report des Wuppertal Instituts
Genius - Task Force Biologie
Strategiespiel zu umweltwelt- verträglichem Handeln
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes