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Mittwoch, 26.07.2017
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Kuckuck ist Vogel des Jahres

Klimawandel und schwindender Lebensraum machen dem „Brutparasit“ zu schaffen

Er gehört zu den bekanntesten Vögeln Deutschlands, und das nicht trotz, sondern wegen seiner parasitischen Fortpflanzungsweise: Der Kuckuck. Der Vogel, der seine Eier in fremde Nester legt und damit Wortschöpfungen wie „Kuckuckskinder“ provozierte, ist nun zum Vogel des Jahres 2008 gekürt worden.
Kuckuckjunges im Nest eines Schilfrohrsängers

Kuckuckjunges im Nest eines Schilfrohrsängers

Eines der wichtigsten Kennzeichen des Kuckucks ist der so genannte Brutparasitismus. „Er legt seine Eier in die Nester anderer Vögel, der Wirtsvögel, damit diese den eigenen Nachwuchs für ihn aufziehen. Nach dem Schlüpfen schiebt der Jungkuckuck nacheinander sämtliche Eier oder bereits geschlüpfte Stiefgeschwister über den Nestrand und lässt sich allein 'bewirten'", erläuterte LBV-Vorsitzender Ludwig Sothmann. Er sei auf bestimmte Wirtsvögel geprägt, die alle viel kleiner sind als der Kuckuck, wie z.B. den Teichrohrsänger, der nur im dichten Schilf, an Teichen, Seen und in Flussauen vorkommt, oder den Wasserpieper, der hauptsächlich am Alpenrand zu finden ist. Weitere Wirtsvögel sind Bachstelze, Hausrotschwanz, Rotkehlchen und Zaunkönig.

Doch trotz seiner raffinierten Fortpflanzungsstrategie ist der Kuckuck (Cuculus canorus), der seinen Namen nach seinem eingängigen Ruf erhalten hat, bereits vielerorts verschwunden, weil sein Lebensraum verloren geht - in Europa genauso wie im afrikanischen Winterquartier. Um darauf hinzuweisen, wählten der Naturschutzbund NABU und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern am Freitag in Berlin den Kuckuck zum "Vogel des Jahres 2008".

Rückgang vor allem im Westen


In Deutschland geht der Kuckucksbestand schon seit Mitte der 60er Jahre zurück. Nach Angaben aus mehreren Bundesländern hat die Zahl der Kuckucke allein in den letzten zehn Jahren gebietsweise um 20 bis 30 Prozent abgenommen, am stärksten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, im Saarland und in Baden-Württemberg. Im Nordosten Deutschlands, wie etwa im Spreewald, und in den bayerischen Voralpen ist er noch am häufigsten anzutreffen.


„Der Kuckuck steht für artenreiche und vielfältige Lebensräume. Wo sich Landschaft durch die Anlage großflächiger Monokulturen, für den Bau von Freizeitanlagen oder den Straßenbau verändert oder verschwindet, fehlt dieser Lebensraum für die Vögel", sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Zusätzlich wirke sich der Einsatz von Pestiziden negativ auf den Bestand aus, wodurch dem Kuckuck als Insektenfresser zunehmend die Nahrung fehle.

Fatale Verschiebung der Brutzeiten


Der Klimawandel kann nach bisherigen Einschätzungen ebenfalls negative Folgen für den Kuckuck haben. Da viele seiner Wirtsvögel wie Hausrotschwanz und Rotkehlchen immer früher brüten, der Kuckuck aber seine Zugzeiten als Langstreckenzieher weitgehend beibehält, hat er es immer schwerer, noch Nester zu finden, die ganz am Anfang ihrer Brut stehen. Auf die ist er aber angewiesen, damit der junge Kuckuck möglichst als Erster schlüpft und noch die Eier oder Jungvögel seiner Zieheltern über den Nestrand schieben kann. „Es wäre tragisch, wenn einer unserer populärsten Vögel bald nicht mehr zu hören sein könnte", warnte NABU-Vizepräsident Opitz.

In Deutschland leben noch zwischen 51.000 und 97.000 Brutpaare. Europaweit gibt es etwa 4,2 bis 8,6 Millionen Paare. Nahezu alle Länder West- und Mitteleuropas melden seit längerem rückläufige Zahlen. In England verringerte sich der Bestand in den vergangenen 30 Jahren um fast 60 Prozent. Stabile Bestände werden nur noch aus Osteuropa gemeldet. Über ganz Europa verbreitet, fehlt der Kuckuck nur auf Island und im äußersten Norden Russlands. Auch in großen Teilen Asiens und in Nordafrika ist er heimisch. NABU und LBV werden 2008 eine bundesweite Bestandserhebung zum Kuckuck durchführen.
(NABU, 08.10.2007 - NPO)
 
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