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Dienstag, 23.05.2017
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Drohende Strafe bremst Egoismus

Hinweise für neurobiologische Ursachen unsozialer Persönlichkeitsstörungen entdeckt

Wenn Strafe droht, unterdrückt der Mensch egoistische Impulse. Zu diesem Schluss sind jetzt Forscher in einer neuen Studie gekommen, über die sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Neuron“ berichten. Die Untersuchung liefert Hinweise für neurobiologische Ursachen unsozialer Persönlichkeitsstörungen und könnte erklären, weshalb Jugendliche sich in geringerem Masse als Erwachsene von drohenden Strafen abschrecken lassen.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Für das Funktionieren menschlicher Gesellschaften sind soziale Normen - wie Fairness, Kooperation oder Ehrlichkeit und Vertrauen - von zentraler Bedeutung. Die Einhaltung von Normen wird durch unterschiedliche Mechanismen sichergestellt: Zum einen sind die meisten Menschen bereit, Normen einzuhalten, wenn dies die anderen ebenfalls tun. Daneben gibt es aber auch Menschen, die Normen nur einhalten, wenn sie durch Androhung einer Strafe von einer Normverletzung abgehalten werden. Könnten solche Menschen ungestraft Normen verletzen, könnte auch die freiwillige Bereitschaft der anderen, Normen einzuhalten zusammenbrechen, weil diese Bereitschaft darauf beruht, dass sich jeder an die Norm hält. Es ist daher wichtig zu verstehen, wie sich die Strafandrohung auf soziales Verhalten auswirkt.

Forscher um den Psychiater Manfred Spitzer von der Universität Ulm und um den Wirtschaftswissenschaftler Ernst Fehr von der Universität Zürich analysierten deshalb, was sich im Gehirn der Menschen abspielt, wenn sie eine soziale Norm verletzen können, aber darauf gefasst sein müssen, dafür bestraft zu werden.

Wann werden Fairnessnormen eingehalten?


Untersucht wurde in dieser Studie die Bereitschaft, eine Fairnessnorm einzuhalten. Konkret ging es um die faire Aufteilung eines Geldbetrages zwischen zwei Teilnehmern - Person A konnte 100 Geldeinheiten zwischen sich und Person B aufteilen. Die Fairness verlangt hier, dass beide etwa gleich viel erhalten. In manchen Situationen konnte nun Person A den Geldbetrag aufteilen, ohne dass damit eine Strafe für unfaires Aufteilen verbunden war. In anderen Situationen musste Person A davon ausgehen, einen finanziellen Abzug im Falle unfairen Verhaltens zu bekommen.


Droht der aufteilenden Person für unfaires Verhalten eine Strafe, wurden bei ihm Aktivierungen im Frontalhirn - im so genannten lateraler orbitofrontalen Kortex - festgestellt. Ähnliche Aktivierungen wurden auch in anderen Studien zur Verarbeitung von Strafen gefunden. Außerdem wurde jene Hirnregion während der Strafandrohung aktiver, die wahrscheinlich auch daran beteiligt ist, egoistische Impulse zu unterdrücken – der rechte dorsolaterale präfrontale Kortex. Am aktivsten wurden diese Hirnregionen bei jenen Personen, die sich ohne Strafandrohung besonders unfair verhielten, sich bei einer Strafandrohung aber eines Besseren besonnen haben.

Fehr erklärt dazu: „Menschen, die vor allem wegen der Strafandrohung die Fairnessnorm einhalten, müssen vermutlich ihre egoistischen Impulse stärker unterdrücken, was dann diese Region des Frontalhirns stärker aktiviert. Dieses Resultat erweitert und bestätigt frühere Befunde von uns, die zeigen, dass eher egoistische Entscheidungen gefällt werden, wenn diese Gehirnregion in ihrer Aktivität gehemmt wird."

Gehirn Jugendlicher noch zu wenig entwickelt?


Es ist in diesem Zusammenhang von Interesse, dass bei vielen Formen krankhaften Sozialverhaltens die in der Studie besonders aktiven Hirnregionen weniger stark entwickelt oder geschädigt sind. Auch weiß man, dass sich diese frontalen Hirnregionen erst in der Adoleszenz voll entwickeln. Dies könnte erklären, weshalb Jugendliche sich durch drohende Strafen oft erstaunlich wenig abschrecken lassen. Spitzer sieht denn auch in diesem Punkt eine gesellschaftlich hoch relevante, weiterführende Fragestellung: „Es wäre spannend, mit diesem Experiment der Frage nachzugehen, ob Jugendliche auf Grund der Hirnentwicklung weniger gut in der Lage sind, auf Strafen adäquat zu reagieren."
(idw - Universität Zürich, 04.10.2007 - DLO)
 
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